Nach dem Terror in Paris : Wir haben auch Angst

Moha floh vor einem Jahr vor dem Krieg in Syrien.
Moha floh vor einem Jahr vor dem Krieg in Syrien.

Flüchtlingstagebuch Teil 9: Unsere Redaktion begleitet den Syrer Moha

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16. November 2015, 06:30 Uhr

Moha ist seit über einem Jahr auf der Flucht. Anfang September erreichte er Deutschland. In Mecklenburg-Vorpommern will er ein neues Leben beginnen. Redakteurin Lisa Kleinpeter begleitet ihn.

„All the Syrians are talking about it“ – Alle Syrer reden darüber, sagt Moha und kneift seine Augen zusammen. Er meint natürlich die Angriffe in Paris. „Es ist sehr wichtig, dass du in der Zeitung darüber schreibst.“ Es ist Sonntagabend. Um mir das zu sagen, ist Moha vier Kilometer durch den Regen gelaufen und mit dem Zug nach Schwerin gefahren. „Wir haben Angst, dass den arabischen Menschen pauschal dafür die Schuld gegeben wird.“

Der Regen trommelt noch immer gegen die Scheibe. „Was war das erste, was du gedacht hast, als du von den Bomben gehört hast?“, frage ich. – „Das möchtest du nicht wissen.“ – „Doch, erzähle es mir.“ – „Ok, ich habe diese Situation mehr als zwei Jahre in Syrien miterlebt. Als ich von dem Anschlag hörte, dachte ich erst: 120 Menschen? Das ist nur eine Nummer.“ Moha schaut aus dem Fenster. „Das sind Nachrichten, die du in Syrien jeden Tag hörst.“

Dann vibriert sein Handy. Wie schon die ganze Zeit, seitdem er angekommen ist. „Eine Freundin“, sagt Moha und liest die Nachricht. Auch sie sei geschockt, übersetzt er mir. „Sie sagt, sie hätte Angst, dass man sie für eine Terroristin hält. Und nur weil sie arabisch spricht, würden die Leute sie ansehen, als ob sie gefährlich sei.“ Er schreibt ihr kurz zurück, dann erzählt er weiter: „Die Menschen in Deutschland müssen wissen, dass die arabischen Flüchtlinge nicht gefährlich sind. Wir wollen keine Probleme machen und erst recht niemanden verletzten. Ich habe Angst, dass die rechten Extremisten die Situation ausnutzen werden, um Angst zu schüren. Wir sind hierher gekommen, um in Frieden zu leben. Wir sind selbst vor dem IS geflohen.“

„Are you afraid? Hast du Angst, dass der Terror nun auch hierher kommt?“ – „Ja, davor habe ich Angst. Ich habe Angst, dass der IS herkommt. Was ich mitbekommen habe, kommen die Flüchtlinge sehr unkontrolliert nach Deutschland. Das ist ein Problem. Ich denke, dass die Kontrollen strenger sein müssen. Und ich habe auch Angst, dass wenn Frankreich in den Krieg gehen sollte, Europa in den Krieg geht.“

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