Na sowas! - Erfindungen aus MV : Winzige Röhrchen retten Augenlicht

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Star - in der Augenheilkunde ist das kein beliebtes Wort. Die Experten der Rostocker Augenklinik entwickeln einen Stent, der überschüssiges Augenwasser ableiten und den Augen-Innendruck auf normalem Maß halten könnte.

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13. Mai 2013, 09:24 Uhr

Rostock | Star - in der Augenheilkunde ist das kein beliebtes Wort. Denn Patienten mit dem sogenannten Grauen oder Grünen Star leiden unter einer ständigen Verschlechterung ihres Sehvermögens. Die Ursachen für solche Erkrankungen sind vielfältig. Das Glaukom, also der Grüne Star, ist weltweit die häufigste Ursache für Erblindung, die nicht wieder rückgängig zu machen ist. Dabei fallen Fasern im Sehnerv aus, das Gesichtsfeld des Menschen wird eingeschränkt - dauerhaft, denn die Fasern können nicht wiederhergestellt werden. Größter Risikofaktor für den Grünen Star: ein erhöhter Augen-Innendruck. "Bisher haben wir solchen Patienten mit Augentropfen geholfen", erklärt Prof. Rudolf Guthoff, Direktor der Universitäts-Augenklinik in Rostock. "Wenn das aber nicht mehr ausreicht und der Degenerationsprozess der Sehnerven trotzdem fortschreitet, müssen wir operieren."

Die Experten der Augenklinik entwickeln gemeinsam mit dem Institut für Biomedizinische Technik der Uni einen Stent, der überschüssiges Augenwasser ableiten und den Augen-Innendruck dadurch auf dem normalen Maß halten könnte. "Stents sind winzige Röhrchen, die sicherstellen, dass Körpermedien weiter fließen", erläutert Institutsdirektor Prof. Klaus-Peter Schmitz. "Bisher werden sie bei Durchblutungsstörungen der Herzgefäße oder der Gliedmaßen angewendet. Aber sie sind mit etwa drei Millimetern Durchmesser für ein Auge viel zu groß."

Etwa ein Zehntel dieser Größe reicht für den Sehnerv aus. Zu den Glaukom-Stents gehört außerdem ein Ventil, das die überschüssige Augenflüssigkeit ableitet - dauerhaft. "Wir müssen sicherstellen, dass dieser Abfluss nicht zum Erliegen kommt", so Schmitz weiter. "Das ist eine echte Herausforderung, die noch einigen Forschungsaufwand erfordert."

Bisher auf dem Markt verfügbare Ableitsysteme haben unter anderem den Nachteil, dass sie im Körper des Patienten Wundheilungsreaktionen auslösen, die zum Verschluss des Ableitungskanals führen. Beim Stent aus Rostock soll dies durch spezielle Beschichtungen mit Medikamenten verhindert werden. "Diese Wirkstoffe werden nach und nach freigesetzt und steuern die Wundheilung", sagt Guthoff. "Das ist Teil des Patents, das wir auf diese Lösung bekommen haben. Wenn es uns gelingt, diesen Stent einsetzbar zu machen, wird er relativ leicht zu implantieren sein." Durch die zahlreichen Betroffenen sei ein Markt vorhanden, ist Guthoff sicher. Möglicherweise wird die Entwicklung später durch eine ausgegründete Firma vermarktet. "So würde die Forschungsleistung praktisch hier im Land bleiben - und das wär wichtig", meint Schmitz.

Es wird noch einige Zeit dauern, bis den ersten Patienten ein solcher Stent eingesetzt werden kann. An dem Projekt sind Mediziner, Ingenieure und Chemiker beteiligt. Es wird vom Bundesforschungsministerium und der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanziert. Guthoff bezeichnet es als Glücksfall, dass die Medizinische Fakultät der Rostocker Uni ein Institut für Biomedizinische Technik hat, sodass Mediziner und Ingenieure sich direkt austauschen können.

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