Winterspaß weltweit

svz.de von
19. März 2013, 07:33 Uhr

Die Vorreiter kamen aus Holland: verschneite, künstliche Bergwelten, die auch im Hochsommer an den Winter urlaub erinnern, in Skihallen fern ab der Alpen auf dem flachen Land - 365 Tage Piste, Party, Pulverschnee inklusive Après-Ski und Hüttenromantik. Die Flachländer stellten in den vergangenen Jahren mindestens sieben Skihallen ins Königreich an der Nordsee. Ihre Idee: Allen, die das Skifahren lernen wollen, erst einmal in einer Skihalle die Möglichkeit dazu geben, ohne lange Anfahrtwege in die Berge zurücklegen zu müssen.

Den Österreichern kam die Idee schon Jahrzehnte vorher: Mit dem Schneepalast wurde 1927 in Wien die erste Skihalle der Welt eröffnet. Die Piste im 3000 Quadratmeter großen Skigelände ging über eine Holzrampe hinunter. Eine Sprungschanze machte Weiten bis zu 20 Meter möglich. Die Skifahrer mussten zu Fuß den "Berg" hinaufgehen, da es keine Aufstiegshilfe gab. Rodelschlitten konnten jedoch mit einer elektrisch betriebenen Anlage hinaufgezogen werden.

Seit dem Jahr 2000 klotzten Investoren auch in Deutschland sechs künstliche Winterwelten in die Landschaft. Seitdem können Skifahrer in Bottrop, Neuss, Senftenberg, Wittenburg, Bispingen und Oberhof über den Abhang hinunterwedeln - auf Pisten zwischen 130 und 640 Metern Länge. In Oberhof gar entstand 2009 eine Skisporthalle mit einem 1,8 Kilometer langen Rundkurs für Langläufer.

Die erste deutsche Skihalle eröffnete 2001 im nordrhein-westfälischen Neuss. In Bottrop - ebenfalls in Nordrhein-Westfalen - entstand nach Angaben der Betreiber die längste Skihalle der Welt.

Mit immensem Aufwand: Berichten zufolgen rechneten die Kapitalgeber mit Investitionen je Halle zwischen 24 und 120 Millionen Euro. Die Verbraucher seien zunehmend erlebnisorientiert, der Trend gehe zu Freizeitgroßanlagen mit verschiedenen Angeboten, machten Marktexperten seinerzeit bei Investoren einen Trend aus, der auf die Kombination Sport und Erlebnis in Form von Skihallen setzte.

Verkehrte Welt: Skifahren im Hochsommer. Inzwischen kommen selbst am Persischen Golf die Planer von der Idee nicht mehr los. Auch im Sonnenland Spanien lädt die Halle Madrid Snowzone zum Skifahren ein. Australien, Indien, China, Frankreich, Großbritannien, Belgien, Süd-Korea, Neuseeland, Japan - Ski heil weltweit auf künstlichen Pisten.

Doch auch bei den Investoren ist der Realismus zurückgekehrt. Eine Marktanalyse ging noch Mitte der 2000er-Jahre von mindestens acht Skihallen in Deutschland aus. Planer skizzierten die künstlichen Winterwelten u. a. für Sasbachwalden im Schwarzwald, in Hasselfelde im Harz, auch für Luckenwalde/Königswusterhausen und in Dresden-Reick gab es entsprechende Pläne und wurden wie Projekte in Chemnitz, Mariendorf bei Berlin und Berlin-Neukölln schon wieder auf Eis gelegt.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen