Tierschutz : Windkraftplanung gefährdet Schreiadler

Schreiadler werden immer seltener.  In Deutschland brüten diese seltenen Vögel mittlerweile nur noch in Mecklenburg- Vorpommern, Brandenburg und Sachsen-Anhalt.
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Schreiadler werden immer seltener. In Deutschland brüten diese seltenen Vögel mittlerweile nur noch in Mecklenburg- Vorpommern, Brandenburg und Sachsen-Anhalt.

Nabu: Schutz für seltene Tiere wird bei Windrädern häufig missachtet

svz.de von
02. März 2016, 08:00 Uhr

Der vorgeschriebene Schutz für Schreiadler wird laut Naturschutzbund Deutschland (Nabu) bei der Genehmigung von Windkraftanlagen häufig missachtet. Mehrere geplante oder zum Teil schon genehmigte Anlagen hätten wegen der geltenden Artenschutzvorgaben nicht genehmigt werden dürfen, sagte gestern der Bundesgeschäftsführer des Nabu, Leif Miller.

Der Umweltschutzverband fordert in der Fachzeitschrift „Der Falke“, dass Gutachten zwar weiterhin vom Windkraftbetreiber bezahlt, jedoch durch die unabhängigen Genehmigungsbehörden vergeben werden sollten.

In Deutschland gibt es nur noch etwa 100 Schreiadler-Brutpaare, davon rund drei Viertel in Mecklenburg-Vorpommern. In der Zeitschrift „Der Falke“ würden aktuelle Beispiele aus MV detailliert erörtert, hieß es. Dabei handele es sich z.B. um das Windeignungsgebiet Gnoien im Landkreis Rostock, das sich weniger als 300 Meter entfernt von einem Schreiadlerhorst befindet.

Entsprechend der vom Land festgelegten Abstandskriterien von mindestens 3000 Metern zum nächsten Horst habe ein Gutachter schon 2013 bescheinigt, dass dort kein Windpark genehmigungsfähig sei. Daraufhin habe das Windkraftunternehmen jedoch einen weiteren Gutachter beauftragt.

Der Nabu hält es „für äußerst ungünstig“, wenn die Gutachter von den Investoren selbst beauftragt werden. Solche Expertisen machten eine objektive Bewertung der artenschutzrechtlichen Belange durch die zuständige Behörde fast unmöglich, sagte Nabu-Vogelschutzexperte Lars Lachmann. Ein weiterer aktueller Fall im Nordosten sei das Windeignungsgebiet „Ferdinandshof“ im Gebiet der Friedländer Großen Wiese. Die ausgelegten Unterlagen seien so unvollständig, so dass eine Auseinandersetzung mit den Umweltauswirkungen gar nicht möglich sei, sagte Nabu-Landesvorsitzender Stefan Schwill. In den Unterlagen seien keine Angaben zu Arten und Anzahl der im Umfeld der Planungsfläche lebenden Vögel zu finden. Dabei sei bekannt, dass der Schreiadler im Gebiet vorkommt und dass es dort mehrere Seeadler- und Weißstorchhorste gibt. Zunehmend beobachteten Naturschützer auch die Zerstörung von Greifvogelhorsten. Über drei Fälle von zerstörten Schreiadlerhorsten im Umfeld geplanter Windkraftanlagen werde ebenfalls im „Falken“ berichtet. Zwei Fälle ereigneten sich in MV.

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