Rotorblätter werden zu Todesfallen : Windkraft kontra Fledermäuse

Eine Mausohr-Fledermausdapd
Eine Mausohr-Fledermausdapd

Immer mehr Windradbetreiber in MV wehren sich gegen Auflagen, die Fledermäuse vor den schnell drehenden Rotorblättern schützen sollen. Sie wollen auch dann Strom erzeugen, wenn viele der Säuger in der Luft sind.

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21. September 2012, 07:47 Uhr

Schwerin/Rostock | Immer mehr Windradbetreiber in Mecklenburg-Vorpommern wehren sich gegen Auflagen, die Fledermäuse vor den schnell drehenden Rotorblättern schützen sollen. Sie wollen auch dann Strom erzeugen, wenn viele der fliegenden Säuger in der Luft sind. Das sind die Erfahrungen des Landesamts für Umwelt, Naturschutz und Geologie (LUNG), das Bau-Anträge in den vergangenen Jahren prüfen musste.

Da die Genehmigung der Windkraftanlagen inzwischen auf die Landkreise verlagert wurde, kann das Amt keine aktuelle Zahl der Widerspruchsverfahren nennen. Aber es seien in der letzten Zeit deutlich mehr geworden, heißt es.

Zum Schutz der Fledermäuse sollen Anlagenbetreiber ihre Windräder abschalten, wenn besonders viele der Tiere umherschwirren, was sich inzwischen durch besondere "Horchboxen" messen lässt, die die Ultraschallrufe der Fledermäuse wahrnehmen. Viel Fledermausverkehr gibt es allerdings meist nur an relativ windarmen Abenden und Nächten im Sommer und im Herbst.

Jährlich kommen laut einer bundesweiten Studie an jedem Windrad im Durchschnitt zehn Fledermäuse durch die Rotorblätter zu Tode. Bei rund 1400 Windrädern in Mecklenburg-Vorpommern summiert sich das auf geschätzte 14 000 Opfer. Viele der Fledermäuse werden durch die Rotorblätter erschlagen, die sie offenbar nicht als Gefahr wahrnehmen. Die Ultraschallrufe, mit denen sie sich orientieren, senden sie nur nach vorne aus. Kommt ein Windradflügel von der Seite, haben die Fledermäuse keine Chance. Bei anderen Tieren implodieren die Lungen, wenn sie in den Sog des Windrads geraten.

16 Fledermausarten kommen in Mecklenburg-Vorpommern vor. Nicht alle sind gleich stark gefährdet. Das Große Mausohr zum Beispiel hält sich sowieso lieber im Wald oder knapp über dem Boden auf. Der Große Abendsegler wiederum jagt in großen Höhen über freien Feldern und ist deshalb deutlich "kollisionsgefährdeter". Vorgaben des Landes sorgen bereits dafür, dass in der Nähe von Gewässern und Wäldern in der Regel keine Windkrafträder gebaut werden. Dadurch werden auch besonders wichtige Fledermauslebensräume geschützt.

Zahlenmäßig fallen offenbar deutlich mehr Fledermäuse als Vögel den Windrädern zum Opfer. Hermann Hötker, Leiter des Michael-Otto-Instituts des Naturschutzbundes (NABU) schätzt vorsichtig, dass durchschnittlich jährlich fünf Vögel pro Windrad umkommen - also halb so viele wie Fledermäuse.

Es sei jedoch schwierig, exakt zu zählen. Nicht jeder getroffene Vogel liegt genau unter den Rotoren. So manches Opfer wird von Füchsen oder Krähen weggetragen, bevor ein Naturforscher es entdecken und zählen kann.

Die Vogelforscher wissen allerdings, dass zum Beispiel Rotmilane, Schreiadler und Seeadler keine Angst vor Windrädern haben und häufiger in die Rotoren geraten als etwa Kiebitze, die selbst allein stehende Bäume und damit auch Windräder meiden. Auffällig sei zudem, so Hötker, dass unter großen Windrädern kaum mehr tote Vögel gefunden werden als unter kleinen. Für die Kraniche, die bald wieder übers Land ziehen, sind die Windräder in der Regel keine Gefahr. Die Schwärme fliegen in Höhen, die die Rotoren nicht erreichen. Auch bei der Brut lassen sie sich von den Windrädern angeblich nicht stören.

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