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Pro-Familia-Projekt Güstrow : Windeln wechseln für ein Wochenende

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Tessa schreit als es noch dunkel ist. Anna-Lena Agsten steht auf, gibt ihrer frisch geborenen Tochter etwas Milch. Was wie eine normale Mutter-Tochter-Beziehung aussieht, ist Teil des Projektes "Babybedenkzeit".

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erstellt am 15.Jan.2012 | 07:11 Uhr

Schwaan | Tessa schreit als es noch dunkel ist. Anna-Lena Agsten steht auf, gibt ihrer frisch geborenen Tochter etwas Milch, füttert sie. Weil es noch früh ist - die Kleine hat sich gegen sechs Uhr am Morgen gemeldet - holt die junge Mutter das Kind zu sich ins Bett. Hält es im Arm, streichelt es, gibt ihm Geborgenheit. Nur eine Stunde spät macht sich Tessa wieder bemerkbar - sie hat erneut Hunger. Wieder wird die Kleine gefüttert.

Was wie eine normale Mutter-Tochter-Beziehung aussieht, ist Teil des Projektes "Babybedenkzeit", das der Schwaaner Jugendklub "JotCee" gemeinsam mit Pro Familia Güstrow vergangenes Wochenende in Schwaan angeboten hat. "Mich hat interessiert, wie es ist, wenn ein ganzes Wochenende lang ein Baby zu Hause hat", sagt Teilnehmerin Anna-Lena Agsten.

Als das Projekt Anfang Dezember auch am Schwarzen Brett in der Schwaaner Regionalschule hing, hat sie gleich in die Liste eingeschrieben und die notwendige Einverständniserklärung von ihren Eltern besorgt.

Nach einer "Theoriestunde" bekamen die Mädchen sowie ein Junge die lebensgroßen Babypuppen schließlich am vergangenen Freitag überreicht. "Tessa ist 52 Zentimeter lang und wiegt 3200 Gramm", sagt "Probe-Mutti" Anna-Lena, die als erstes "ihr Baby" gemessen und gewogen hat. Als klar war, dass sie beim Projekt teilnehme, habe sie sich schon Gedanken über einen Namen für "ihr Kind" gemacht. "Einen Jungen hätte ich Julian-Elias genannt", erzählt die 14-Jährige und schaut auf Tessa Auch um passende Babykleidung hatte sie sich im Vorfeld gekümmert und einen Kinderwagen von der Nachbarin besorgt. "Weil sie vor drei Wochen gerade ein Kind geboren hat, bin ich am Freitagabend noch zu ihr gegangen und habe mir zeigen lassen, wie ein Baby richtig gehalten wird", schildert Anna-Lena. Bereits im Vorfeld des Projektes sei erklärt worden, wie das Kind beim Bäuerchen gehalten werden muss. "Immer aufrecht", weiß Anna-Lena.

Die "Babybedenkzeit" wendet sich speziell an 13- bis 15-Jährige. "Durch das Projekt sollen sich die Jugendlichen Gedanken über ihre Lebenspläne machen und mitbekommen, ob sie Familie und Beruf vereinbaren können", erläutert Elke Möhrl von der Güstrower Einrichtung von Pro Familia. Sie sollen sich bewusst mit der neuen Situation auseinandersetzen. Die Aufklärung stehe bei diesem Projekt absolut im Vordergrund, sagt Elke Möhrl.

Das Projekt "Babybedenkzeit" stammt aus den USA. Dort hatten Teenagermütter Tagebuch während der ersten Wochen nach der Geburt geführt. Auf Grundlage dieser Aufzeichnungen wurden die Computer in den Babypuppen programmiert. "Der Computer zeichnet auf, ob der Kopf immer gestützt, oder ob das Kind geschüttelt und natürlich auch, ob es gefüttert und gewickelt wurde", erläutert Elke Möhrl. Um herauszufinden, weshalb das Kind schreit, bekommen die Jugendlichen zwei Minuten Zeit, in denen sie die Lösung finden können.

Auch bei Anna-Lena quengelte Tessa - wie ein richtiges Baby - das ein oder andere Mal recht laut. "Durch einen Bürgersteig beim Nachmittagsspaziergang wurde Tessa im Kinderwagen so doll ,durchgeschüttelt’, dass ich mit dem Wagen schließlich auf der Straße gegangen bin", nennt die Achtklässlerin einen Grund.

Als stressig habe sie das Wochenende mit Kind nicht empfunden. Anna-Lena zieht eher ein positives Fazit aus den zweieinhalb Tagen mit Kind. "Eigentlich wollte ich später gar keine Kinder haben, aber durch diese Babybedenkzeit bin ich unentschlossener, schwankender geworden", sagt sie und blickt auf Tessa.


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