Sassnitz : Wind of Change im Fährhafen

Das Errichterschiff „Vidar“ liegt am Offshore-Terminal Süd im Fährhafen Sassnitz, um Großkomponenten für die Windkraftanlagen des Offshore-Windparks 'Baltic 2' aufzunehmen.
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Das Errichterschiff „Vidar“ liegt am Offshore-Terminal Süd im Fährhafen Sassnitz, um Großkomponenten für die Windkraftanlagen des Offshore-Windparks "Baltic 2" aufzunehmen.

Offshore-Windparks vor der vorpommerschen Küste bieten Sassnitz neue Perspektiven als Basis- und Servicehafen

svz.de von
10. Dezember 2014, 07:50 Uhr

Das sich dem Ende zuneigende Jahr 2014 hat sich für den Fährhafen Sassnitz auf Deutschlands größter Insel Rügen zu einem Jahr des Umbruchs entwickelt. Der seit einigen Jahren rückläufige Trend im Fährverkehr an dem traditionsreichen Standort – seit 105 Jahren existiert auf der „Königslinie“ zwischen Sassnitz und dem südschwedischen Trelleborg eine Eisenbahnfährverbindung – setzte sich fort. Im ersten Halbjahr wurden gegenüber dem vorjährigen Vergleichszeitraum 11,1 Prozent weniger Güter umgeschlagen. Von dem Minusaufkommen entfielen 34 Prozent auf den Fährverkehr.

Maßgeblich dazu beigetragen hat der Beschluss der Fährreederei Stena Line, ab Mitte Juni 2014 sämtliche Eisenbahnwaggons, die Stena Line von Deutschland nach Trelleborg und retour transportiert, nur noch über den Seehafen Rostock abzufertigen. Die schienengebundenen Regelgüterverkehre wurden von der „Königslinie“ abgezogen. Dieser „unternehmerischen Entscheidung“, wie es bei Stena Line hieß, folgte im Oktober ein nächster tiefer Einschnitt. Die Reederei nahm aus wirtschaftlichen Gründen das Fährschiff „Trelleborg“ aus dem Linienverkehr und legte es im Rostocker Stadthafen an die Kette. Das Stena-Fährschiff „Sassnitz“ hält seitdem den reduzierten Liniendienst zwischen Sassnitz und Trelleborg aufrecht.

Der Umbruch traf den Fährhafen jedoch nicht unvorbereitet. Inzwischen machen regelmäßig Schiffe anderen Kalibers in Sassnitz-Mukran fest. Der Wandel ist weithin sichtbar, wenn das Errichterschiff „Vidar“ im Fährhafen liegt. Haushoch ragen die vier Stahlstelzen, an denen sich das Schiff auf dem Meer selbst aus dem Wasser hieven kann, sowie der riesige Schwerlast-Bordkran gen Himmel. Derzeit macht die „Vidar“ in der Regel alle acht Tage am Offshore-Terminal Süd fest. Dort werden Rotorblätter, Türme und Gondeln für Windkraftanlagen zwischengelagert und vormontiert, bevor sie auf das Offshore-Spezialschiff verladen und ins Seegebiet nordöstlich der Insel Rügen verbracht werden. Gut 32 Kilometer vor der Küste wird gegenwärtig der Offshore-Windpark „Baltic 2“ errichtet. Bis Ende Oktober war ein Viertel der 80 Windkraftanlagen auf See installiert. Mit dem „Baltic 2“-Projekt erlebt das sechs Hektar große neue Offshore-Terminal im Südteil des Sassnitzer Fährhafens seine erste Bewährungsprobe. Die Fläche ist speziell ausgelegt für Schwerlasten und verfügt über eine Kailänge von 410 Metern. Insgesamt wurden 24 Millionen Euro in die spezielle Hafeninfrastruktur investiert.

„Die Ostsee hat enorme Bedeutung für den Offshore-Standort Deutschland“, sagt Harm Sievers, Geschäftsführer der Fährhafen Sassnitz GmbH. Geografisch liegt der Umschlagplatz besonders günstig, offeriert er kurze Wege zu den entstehenden und geplanten Windparks in der Ostsee. Sassnitz ist der östlichste Tiefseehafen Deutschlands und besitzt ausreichend Flächen für die Lagerung, Vormontage und Produktion großer Windkraftanlagen.

Für den zweiten der vier genehmigten Offshore-Windparks vor Rügens Küste sind im Herbst dieses Jahres erste Testpfähle in der Ostsee installiert worden. Der spanische Energiekonzern Iberdrola plant den Bau von 70 bis 80 Windkraftanlagen im Offshore-Feld „Wikinger“. Für einen weiteren Windpark steht das Unternehmen E.ON in den Startlöchern. Im Park „Arkona Becken Südost“ sollen künftig 80 Windkraftanlagen für sauberen Strom von See sorgen. Das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt erteilte kürzlich zudem die Genehmigung für „Arcadis Ost 1“. Einem Projekt mit 58 Windkraftanlagen, das von einem Investorenkonsortium getragen wird. Dazu gehört auch der Windkraftanlagenbauer Nordex aus Rostock.

Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums sind in MV zurzeit zirka 600 Menschen direkt mit dem Bau und Betrieb von Offshore-Windkraftanlagen beschäftigt. Von dem Boom profitieren an der vorpommerschen Küste vor allem maritime Gewerbegebiete mit direkter Wasseranbindung. Auf dem Gelände der einstigen Volkswerft in Stralsund entsteht derzeit Deutschlands erstes schwimmendes Offshore-Fundament. Bevor der Prototyp ab Mitte 2015 nahe dem Windpark „Baltic 1“ vor dem Darß getestet werden soll, wird er im Fährhafen Sassnitz endmontiert. Den Standortvorteil an Rügens Ostküste nutzt auch die Berliner Firma Euros. In einer eigens errichteten Bauhalle fertigt das Unternehmen über 80 Meter lange Prototypen von Rotorblättern.







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