zur Navigation springen

Video: Chefredakteur für einen Tag : William Wolff: „Klugschnacken mag ich nicht“

vom

Der Landesrabbiner bilanziert seinen Tag als Chefredakteur unserer Zeitung.

svz.de von
erstellt am 31.Aug.2017 | 20:45 Uhr

 

Mit William Wolff sprach Michael Seidel zunächst über die Wende im SS-Sanitäter-Prozess:

Finden Sie die Entscheidung der Anklage richtig?
Wolff: Aber selbstverständlich. Wenn er nicht mehr imstande ist, sich zu verteidigen, wäre es einfach unfair. Die Tatsachen sind klar, was er damals gemacht hat. Dass man jemanden in dem Alter noch ins Gefängnis schicken will – ich meine, das soll man  lassen. Das ist Vergangenheit, das ist Geschichte und so soll es bleiben.

Dass der SS-Sanitäter überhaupt angeklagt wurde, war aber in Ordnung?
Auf alle Fälle. Man trägt für sein Handeln Verantwortung – bis man seinen letzten Atemzug getan hat.

Als Engländer muss ich Sie fragen: Wie stehen Sie zur Brexit-Entscheidung Ihrer Landsleute?
Damit haben sich die Engländern selbst in den Fuß geschossen. Das ist hauptsächlich die Verantwortung von dem wirklich elenden Ex-Ministerpräsidenten David Cameron. Er hat diese Volksabstimmung, die zum englischen Regierungssystem einfach nicht gehört, einberufen. Und dann hat er es nicht für nötig gehalten, vernünftig die Probleme zu erklären, was es bedeutet, aus der EU auszutreten oder drin zu bleiben.  So unverantwortlich, wie dieser Mann gehandelt hat, das ist einfach unglaublich. Der einzig vergleichbare Fall, den ich kenne, war im 18. Jahrhundert ein Lord North. Er war Ministerpräsident und hat für England seine amerikanischen Kolonien verloren. Zu dem Zeitpunkt wäre das nicht nötig gewesen. Und Cameron hat für England die EU verloren. Es wird ein hoher Preis dafür zu bezahlen sein, vor allem in Form von Arbeitsplätzen.

Sie mussten als Kind aus Deutschland emigrieren und sind stolz, sich  in der Fremde schnell integriert zu haben. Was raten Sie den vielen Flüchtlingen heute?
In meinen Augen ist Integration völlig möglich. Man muss sich nur ein bisschen anstrengen. Das wichtigste dafür ist, die Sprache des Gastlandes zu lernen. Wir waren zweimal Migranten. Zunächst in Holland, später in England. Damals gab’s  keine Supermärkte,  meine Mutter musste im Lebensmittelgeschäft in Amsterdam mit  Leuten reden, wenn sie etwas Bestimmtes haben wollte. Wenn sie nicht hätte sagen können, welches Mehl oder Brot sie wollte, wären wir verhungert. Die erste Aufgabe bei der Integration ist es, die Sprache zu lernen.

Ein ganz anderes Thema: Vor 20 Jahren starb Lady Di. Wie erklären Sie sich die bis heute anhaltende Faszination weltweit?
Sie war eine ganz besondere Persönlichkeit. Sie hatte eine Ausstrahlung, aber auch eine Herzensgüte. Sie hat sich für Menschen interessiert. An eine Anekdote erinnere ich mich: Da besuchte sie eine Schule und fragte einen kleinen Jungen, wie es ihm  ergehe. Der Junge klagte,  er bekäme immer so schlechte Noten. Da sagte Diana: „Mach dir keine Sorgen. Ich bin so dumm wie zwei Stück Holz, aber du siehst: Ich bin doch noch Prinzessin geworden.“ Das war wunderbar.

Nach einem Tag bei unserer Zeitung – welchen Eindruck nehmen Sie  mit?
Das Ganze war für mich einfach schön. Ich war ja selbst 25 Jahre Journalist. Da hat mir der Tag ein Heimatgefühl gegeben.  Ich mag nicht klugschnacken – Sie wissen schon, was Sie tun. Das wichtigste ist, dass die Leute die Zeitung kaufen. Wer  Zeitung liest, ist  besser informiert als nur durch Fernsehnachrichten oder Radio. Zeitung kann mehr  Hintergrund geben und erklären, was welche Politik für die Menschen bedeutet, damit die sich ein Urteil bilden können und entsprechend bei der Wahl entscheiden.  

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen