Treibjagden in MV : Wildschweine: Preise im Sinkflug

Aktuell finden viele Treib- und Drückjagden statt.
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Aktuell finden viele Treib- und Drückjagden statt.

15 Cent pro Kilo oder sogar Annahme-Stopp – Jäger fordern fairen Handel

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08. Januar 2018, 05:00 Uhr

Während die Jäger im benachbarten Polen bezahlten Sonderurlaub für den Schwarzwild-Abschuss bekommen, überlegen hiesige Waidmänner, die Wildschweinjagd zu beenden. Grund dafür sind die stetig fallenden Preise. Denn vielerorts liegen diese mittlerweile zwischen 15 und 50 Cent pro Kilo – je nach Qualität des Schusses. Tendenz fallend.

Ende vergangenen Jahres hatte Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) an die Jäger appelliert, die Wildschweinstrecke in diesem Jagdjahr von 60 000 auf 80 000 Stück zu erhöhen. Er hat sogar eine Pürzel-Prämie von 25 Euro pro Schwarzkittel ausgelobt. „Wenn wir unsere Schweine aber nicht mehr loswerden, lohnt die beste Prämie nichts“, sagt Bernd Wieczorkowski, Jäger aus Anklam. In seiner Nachbarschaft hat ein Großabnehmer für Wildfleisch die Türen geschlossen. „Wir nehmen kein Wild mehr an“, heißt es von den Mitarbeitern der Anklamer Fleisch- und Wurstwaren. Auf der Insel Rügen gilt das teilweise für Wildfleisch von Drückjagden: „Da ich es mir aussuchen kann, nehme ich nur noch Einzelabschüsse“, sagt Jäger Axel Kajahn. Dafür zahlt er bis zu 2,50 Euro pro Kilogramm.

Bei der Wildmanufaktur in Dobbertin gibt es inzwischen für Schwarzwild – je nach Abschuss und Größe – zwischen 15 und 35 Cent pro Kilo. „Das ist traurig“, sagt Bernd Wieczorkowski. „Wir haben ein hochwertiges Lebensmittel. Selbst das billigste Hundefutter kostet dreimal so viel.“

Dass vielen seiner Jagdkollegen der Anreiz fehlt, kann er verstehen. „Für ein 40-Kilo-Schwein bekomme ich bei einem A-Schuss, wo weder Keule noch Rücken verletzt sind, 35 Cent pro Kilo. Also 14 Euro“, rechnet er vor. Eine Kugel kostet im Schnitt 4 Euro. Übrig bleibe nicht viel.

Auch dem Landesjagdverband ist das Thema bekannt. „Jetzt ist Kreativität in der Jägerschaft gefragt“, sagt Verbandssprecher Ulf Peter Schwarz. Er ruft die Jäger zu mehr Eigenvermarktung auf.

Im Landwirtschaftsministerium sieht man die Preisentwicklung ebenfalls mit Sorge und hat reagiert. „Ein Großteil des erlegten Schwarzwildes durfte durch die Forst- und Nationalparkämter vom Streckenplatz oder aus der Wildkühlzelle heraus veräußert werden“, erklärt Backhaus-Referentin Andrea Rossnagel. So werde der Mengendruck auf die Wildhändler entlastet, Aufnahmekapazität für Wildbret von privaten Jägern geschaffen.


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