Ribnitz-Damgarten : Wikinger in Seenot

Seenotretter bringen das Schiff in den Nothafen Darßer Ort. Foto: dapd
Seenotretter bringen das Schiff in den Nothafen Darßer Ort. Foto: dapd

Nach einer Nebelfahrt vor der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst sind am Donnerstagabend zwölf Freizeit-Wikinger aus Polen und Russland mit ihrer nachgebauten Kogge auf einer Untiefe vor dem Darß gestrandet.

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06. Juli 2012, 05:32 Uhr

Ribnitz-Damgarten | Nach einer Nebelfahrt vor der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst sind am Donnerstagabend zwölf Freizeit-Wikinger aus Polen und Russland mit ihrer nachgebauten Kogge auf einer Untiefe vor dem Darß gestrandet. Seenotrettern und der Besatzung eines Schleppers gelang es nach mehr als eineinhalb Stunden, den zwölf Meter langen Segler über die versandete Zufahrt in den Darßer Nothafen zu schleppen. Die Besatzung sei völlig durchnässt aber wohlbehalten an Land gebracht worden, sagte der Sprecher der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS), Christian Stipeldey, gestern.

Der Segler "Orzel Jumne", ein Nachbau eines Wikinger-Langschiffs, war auf der Fahrt von Stralsund nach Haithabu in Schleswig-Holstein bei kräftigem Wind vom Kurs geraten. Nach Angaben der Besatzung lief das Holzboot mit einem Tiefgang von nur 40 Zentimetern im Nebel auf eine Sandbank auf. Den Seglern gelang es nicht, das in das seitlich liegende Boot eindringende Wasser auszuschöpfen. Daraufhin sendeten die Havaristen über den Sprechfunk-Notrufkanal einen Notruf ab. "Normalerweise wären wir vom Nothafen aus in nur wenigen Minuten vor Ort gewesen", sagte Stipeldey. Weil aber die Zufahrt zu diesem Hafen seit Monaten blockiert sei und nicht mehr ausgebaggert werde, habe der nach Barhöft bei Stralsund verlegte Seenotrettungskreuzer "Theo Fischer" mehr als eine Stunde Anfahrt benötigt. Der Besatzung des Schleppers "Taucher O. Wulf 3" gelang es, den vor der Darßer Westspitze aufgelaufenen Havaristen zu finden, mit einem Schlauchboot eine Schleppverbindung herzustellen und das Holzboot freizubekommen. "Die Segler haben viel Glück gehabt", sagte Lutz Griesberg, Vormann des Kreuzers "Theo Fischer". Nur etwas mehr Wind, und ihre Lage wäre viel gefährlicher gewesen.

Der Einsatz habe erneut gezeigt, wie wichtig es sei, in diesem Bereich der Ostseeküste eine DGzRS-Station für schnelle Hilfs- und Rettungseinsätze vorzuhalten. Umweltschützer und Seenotretter streiten sich seit Jahren um den im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft gelegenen und immer wieder versandenden Nothafen. Während die Umweltstiftung WWF als Hafenbetreiber eine erneute Ausbaggerung der Zufahrt ablehnt, fordert die DGzRS dort die Stationierung eines ihrer Kreuzer.

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