Vogelzählung : Wieder mehr Schwalben im Norden

Die drei jungen Schwalben verlangen nach Futter.
Die drei jungen Schwalben verlangen nach Futter.

Einst galten Schwalben als Frühlingsboten und Glücksbringer. Doch in den letzten Jahren ging ihre Zahl mehr und mehr zurück. Jetzt zeigt die jüngste Vogelzählung: Es gibt wieder mehr Schwalben. Doch der Nabu will noch keine Entwarnung geben.

svz.de von
23. Mai 2017, 08:00 Uhr

Seit längerem beklagen Naturschützer einen Rückgang der Schwalbenbestände im Norden. Doch in diesem Jahr wurden wieder deutlich mehr Mehl- und Rauchschwalben gezählt als in den Vorjahren. Bei der bundesweiten Vogelzählung „Stunde der Gartenvögel“ wurden in Schleswig-Holstein bis Montagmittag rund neun Prozent mehr Mehlschwalben und sogar 32 Prozent mehr Rauchschwalben gezählt als 2016. Das sei aber noch kein Hinweis auf eine Trendwende, sagte Ingo Ludwichowski vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu) der Deutschen Presse-Agentur. Nach wie vor gehörten Mehl- und Rauchschwalben bundesweit zu den gefährdeten Arten, sagte er.

In Schleswig-Holstein wurden bis Montagmittag 1768 Mehlschwalben gezählt, das waren rund neun Prozent mehr als 2016. Bei den Rauchschwalben lag die Zahl mit 1493 Tieren 32 Prozent über der des Vorjahres. In Mecklenburg-Vorpommern wurden bis Montagmittag 1722 Mehlschwalben (+20 Prozent) und 1381 Rauchschwalben (+49 Prozent) gezählt. Bundesweit meldeten Vogelfreunde bis Montagmittag 43 589 Mehlschwalben (+14 Prozent) und 18 456 Rauchschwalben (+22 Prozent). Die Gründe für diese Trendumkehr - wenn es denn eine ist - sind noch unbekannt. „Möglicherweise haben günstiges Wetter und ein gutes Nahrungsangebot in den Überwinterungsgebieten dazu geführt, dass die Schwalben den Winter gut überstanden haben“, sagte Ludwichowski. Die Vögel überwintern im südlichen Afrika und gehören damit zu den sogenannten Langstreckenziehern. „Es sind vor allem Wohnungsnot und Nahrungsmangel, die den Schwalben arg zusetzen“, erläuterte Ludwichowski. Glatte Fassaden und hermetisch abgeschlossene Stallungen machen es den geselligen Flugakrobaten zunehmend schwerer, geeignete Nistplätze zu finden.

Auch an Wohnhäusern sind Schwalbennester oft nicht mehr gern gesehen.„Früher galten Schwalben als Frühlingsboten und Glücksbringer. Heute fürchten Hausbesitzer oft die Verschmutzung von Fassaden und Balkonen durch den Kot der Vögel und schlagen deshalb die Nester ab, obwohl es streng verboten ist“, sagte der Nabu-Landessprecher.

Zudem sei der Insektenbestand durch Pestizideinsatz in der Landwirtschaft und in privaten Gärten stark zurückgegangen, sagte er.

Sowohl die im Innern von Ställen und Scheunen nistenden Rauchschwalben als auch Mehlschwalben, die ihre Nester bevorzugt unter Dachüberständen an die Fassaden kleben, leiden unter Nahrungsmangel. Helfen kann man den Vögeln nach Angaben des Nabu unter anderem durch Nisthilfen aus dem Fachhandel, den Verzicht auf Insektizide im Garten und eine stets feucht gehaltene Lehmpfütze, in der die Schwalben Material für den Nestbau finden.

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