zur Navigation springen

Adel verpflichtet : Wie wichtig ist das „von“?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Eva von Angern ist ganz unkompliziert im Umgang mit dem kleinen Wörtchen in ihrem Namen – ganz ohne Traditionen geht es aber bei ihr auch nicht

von
erstellt am 18.Feb.2015 | 12:00 Uhr

Bundesweit gibt es nach Schätzungen 80 000 „Blaublüter“. Wie viele davon in den ostdeutschen Ländern leben, kann selbst die Vereinigung der Deutschen Adelsverbände nicht sagen. In einer Serie stellen wir alte Familien vor, die zurückkamen. Heute: die Angers und die Westphalens

 

 

A oder V – Eva von Angern musste auf Parteitagen schon mehrfach hin- und herlaufen, weil ihre Unterlagen falsch einsortiert waren. Die sachsen-anhaltinische Landtagsabgeordnete gehört der Linkspartei an und die steht nicht eben im Verdacht, den Adel in ihren Reihen zu vereinen. Entsprechend wenig Erfahrung gibt es offenbar im Umgang mit dem Wörtchen „von“ in Namen.

„In der Linken ist das ,von’ nicht so entscheidend, was auch gut so ist“, sagt die Politikerin. Korrekt ist, wenn Eva von Angern unter A einsortiert wird, nicht unter V. Die 38-jährige Rechtsanwältin und Mutter von drei Kindern legt nach eigenem Bekunden auch sonst nicht sonderlich viel Wert auf ihr „von“, zumal der Adel in Deutschland lange abgeschafft ist. Ihre Herkunft ist ihr dennoch wichtig. „In meinem Flur hängt der Familienstammbaum. Zu DDR-Zeiten hing er immer bei uns und war Teil des Familienlebens. Wir haben aber nicht oft drüber geredet“, sagt Eva von Angern. Die kleine Eva ging aber jeden Tag mehrfach an dem Baum vorbei, dessen Stamm im 11. Jahrhundert beginnt.

Ihr eigener Name und die ihrer Kinder sind bislang noch nicht vermerkt. Ihre Mutter, eine Geschichtslehrerin, sei akribischer und interessierter als sie. „Sie hat Ahnenforschung betrieben und hat geguckt, wer da so zu uns gehörte.“ Die Namen Ludolf und Ludolfine ziehen sich durch viele Generationen Landadel. Auch ihr Vater, ein Polizist, heißt mit zweitem Namen Ludolf. Eva von Angern, Mutter eines Teenagers und zweier Kleinkinder, hat das bei der Namensgebung nicht berücksichtigt, alle Kindernamen beginnen mit C. Heute ärgert sich Eva von Angern darüber. „Ja, das ist ein Fehler.“ Aber: Als sie ihren Mann heiratete, sorgte sie dafür, dass sie ihren Nachnamen behält, auch die Söhne tragen ihn.„Der Name gehörte immer zu mir, der war natürlich immer etwas Besonderes, das hat man schon gemerkt“, erinnert sich die Politikerin, die auch dem Landesfrauenrat Sachsen-Anhalt vorsteht.

Wie präsent ist für sie ihre Herkunft? „Ich trage es nicht ständig mit mir herum, ich könnte es aber ständig mit mir rumtragen, weil wir nämlich ein Familienwappen haben.“ Das Wappen ist wiederum Teil des Siegelringes der Familie. Den hat aber ihr großer Bruder. „Eigentlich habe ich meine Familie nie als traditionell und konservativ wahrgenommen, aber in dem Punkt war sie es dann doch. Ich habe zum Ausgleich einen Kettenanhänger.“

Als Kind in der DDR habe sie ihren Namen begriffen wie jeden anderen, eigentlich habe nur der Vorname gezählt. Erst nach der Wende – damals war sie 13 Jahre alt – habe das eine Rolle gespielt. Die Leute schauen einen schon anders an, wenn das „von“ im Namen steckt, erzählt die Abgeordnete. Sie erinnert sich daran, wie sie mit einer ungarischen Delegation beim Essen saß und der Landtagsdirektor sie ansprach, wie sie denn mit diesem Namen bei der Linken sein könne. „Diese Frage fand ich so peinlich, weil ich dieses Selbstverständnis nie hatte, dass ich deswegen etwas Besseres oder Anderes bin oder konservativer sein müsste oder liberaler.“

In Sachsen-Anhalts Landtag ist Eva von Angern seit 1990 die einzige Abgeordnete mit dem Namensbestandteil „von“. „Auch Gräfinnen und Grafen hatten wir hier noch nicht“, sagt Landtagssprecherin Ursula Lüdkemeier.

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen