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Mecklenburg-Vorpommern

12. Dezember 2017 | 19:20 Uhr

Wie Vietnamesen in MV leben

vom

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erstellt am 14.Aug.2013 | 10:35 Uhr

Schwerin | Die Familiengeschichte ihres Mitschülers Trung hat einer Gruppe von Achtklässlern der privaten Schule "Pädagogium" in Schwerin einen Förderpreis beim 40. Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten eingebracht. Ein halbes Jahr lang erforschten die Schülerinnen und Schüler, wie die Eltern Trungs als Vertragsarbeiter aus Vietnam in die DDR kamen, und sich später in Schwerin mit einem eigenen Geschäft eine Existenz aufbauten. "Weil Trungs Eltern als Kinder den Vietnamkrieg miterlebt haben, haben wir uns auch damit beschäftigt", berichtete Elodie Grosser gestern am Rande der Preisverleihung im Schweriner Schloss.

Gestartet haben die Schüler das Geschichtsprojekt, weil sie sich wunderten, warum so viele Vietnamesen in Schwerin leben. Da lag es nahe, ihren Mitschüler als erste "Forschungsquelle" zu nutzen. Nadja Schlaghecke ist zufrieden mit der Neugier ihrer Schüler. "Einer von ihnen hat am Ende bedauert, dass es so wenige Ausländer in Mecklenburg-Vorpommern gebe. Sonst würde er mehr über andere Kulturen lernen können", berichtete die Lehrerin. Erstaunt waren die Kinder, wie viel Trung über die Geschichte seiner Familie und die Geschichte Vietnams weiss, so Schlaghecke. Denn sie selbst machten sich kaum über die Herkunft ihrer Familien Gedanken, da diese seit langem hier leben. Erstaunt waren sie auch, wie anders Trungs Familie in Sachen Erziehung und Zusammenhalt funktioniere, und Trung quasi in zwei Kulturen lebe.

"Vertraute Fremde. Nachbarn in der Geschichte" lautete in diesem Jahr das Motto des Wettbewerbs. "So sehr fremd" seien die hiesigen vietnamesischen Migranten eigentlich nicht, so das Fazit der Schweriner Schüler, "denn sie leben ja so wie wir".

In erstaunlich vielfältigen Facetten haben die fünf Landespreisträger und die fünf Förderpreisträger das Wettbewerbsthema beleuchtet und mit Aufsätzen, Radiobeiträgen und selbst mit Trickfilmen gezeigt, welche Arten von Nachbarschaften vielleicht irgendwann nicht mehr fremd wirken - und andere es manchmal immer bleiben. Josephin Lorenz vom Sportgymnasium Neubrandenburg bekam einen Förderpreis für ihre Suche nach den Spuren der Sudetendeutschen, die 1945 nach Feldberg kamen. Mit Flucht und Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg und den dadurch entstehenden neuen Nachbarschaften in Rostock beschäftigten sich auch vier Schüler des dortigen Innerstädtischen Gymnasiums. Zwei weitere Rostocker Gymnasiastinnen verfilmten die Geschichte der chilenischen Theatergruppe "Teatro Lautaro", die nach dem Militärputsch in Chile im Jahr 1973 in die Hansestadt kamen, und trotz mäßiger Sprachkenntnisse für Deutsche Theater spielten. Zwei Schülergruppen aus Ribnitz-Damgarten recherchierten die "verordnete Freundschaft" zu und die Nachbarschaft mit den sowjetischen Truppen, die dort bis 1992 stationiert waren. Aber neue Nachbarschaften entstehen auch, wenn ein Dorf wie Biestow nach Rostock eingemeindet wird - was Siebtklässler der Werkstattschule Rostock herausfanden. Mit vier Landespreisträgern war die Werkstattschule die erfolgreichste Schule aus Mecklenburg-Vorpommern, wofür sie extra ausgezeichnet wurde. Denn viele Schüler könnten sich nicht engagieren, wenn ihre Schulen dafür keine Unterstützung und keine Freiräume bieten, so Lothar Dittmer von der Körber-Stiftung, die den Geschichtswettbewerb ausrichtet.

Aus Mecklenburg-Vorpommern beteiligten sich in diesem Jahr 76 Jugendliche mit 22 Projekten. Bundesweit gingen mehr als 5000 Schüler auf Spurensuche. Die Bundessieger werden im November in Berlin gekürt. Zumindest ein Mecklenburger wird dabei sein: Bundespräsident Joachim Gauck übergibt dann die Urkunden.

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