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Kanuanbieter und Naturschützer : Wie viele Kanuten verkraftet Warnow?

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Naturschützer sind in Sorge: An jedem Wochenende werden in Gädebehn Boote eingesetzt, bei einem Wasserstand von nur 15 Zentimetern. Die Folge: Einzelne Abschnitte werden für den Wassersport gesperrt.

svz.de von
erstellt am 09.Aug.2012 | 10:14 Uhr

Sternberg | Der Wasserstand der Warnow bei Karnin ist auf zwölf Zentimeter gesunken - gemessen am Dienstag in dieser Woche. Mit 25 Zentimetern zwischen Rönkendorfer Mühle und Gädebehn (7. August) und an der Brücke K9 bei Gädebehn/Kladow (Stand 19. Juli) fließt auf diesen Abschnitten der Warnow zwar mehr Wasser, aber die Wassertiefe liegt immer noch unter den 30 Zentimetern, die sich Kanutourismus-Anbieter in einer freiwilligen Vereinbarung gesetzt haben, um ein Gewässer befahren zu können. Die Folge: Einzelne Abschnitte werden für den Wassersport gesperrt (SVZ informierte). Das aber gehe mittlerweile an seine Existenz, hatte der Kanu-Feriencamp-Betreiber in Weitendorf in einem SVZ-Beitrag beklagt und von ersten Stornierungen von Wasserwanderern berichtet.

Nicht nur Kanuanbieter an der Warnow sind in Sorge, auch Naturschützer sehen das Treiben an der Warnow mit Sorge, setzen Mario Voigt und Werner Winkelmann dem entgegen. Beide sind selbst Paddler, Angler, vor allem aber Naturschützer, sagen sie. Beide sind auch Mitglied im Salmoniden- und Gewässerschutz MV e. V., Mario Voigt arbeit zudem im Landesanglerverband MV.

Es gehe um kein generelles Verbot für Kanuten, stellen Voigt und Winkelmann klar. Aber sie wollen die Öffentlichkeit sensibilisieren. "Die Kanuten fahren mit einer Intensität, die eine Regelung dringend notwendig macht. An jedem Wochenende werden beispielsweise in Gädebehn Boote eingesetzt, bei einem Wasserstand von nur 15 Zentimetern. Die Boote fahren zu bestimmten Zeiten fast im Minutentakt", hat Winkelmann beobachtet. Die freiwillige Selbstverpflichtung einiger Kanuanbieter zum Befahren verschiedener Gewässer im Sternberger Seenland diene auch dem Schutz eines der letzten und größten Bachmuschelbestände in Deutschland. "Die Warnow beherbergt noch eine Individuen reiche, aber bereits überalterte Population. Deren Erhalt ist dringend geboten und nach europarechtlichen Vorgaben auch zwingend erforderlich", sagt Mario Voigt. Was beide bedenklich finden, sei, dass trotz Selbstverpflichtung Boote einiger dieser Kanuanbieter bei zu geringem Wasserstand fahren. "Beobachten kann man auch, dass Leute oftmals keine Ahnung vom Paddeln haben und den Gewässergrund durch das Staken mit Paddeln regelrecht umgraben", so Werner Winkelmann.

"Neben der Bachmuschel werden viele Lebewesen in den Kiesbetten, zwischen den Steinen, verletzt und getötet. Auf intakte Kiesbetten als Laichgebiet sind wiederum viele geschützte Fischarten wie Meerforellen und die besonders geschützten Neunaugen angewiesen", macht Mario Voigt deutlich.

Er spreche Kanuten durchaus auch auf ihr fehlerhaftes Verhalten an, sagt Winkelmann. "Mancher rechtfertigt sich dann damit, dass er das Boot ja gemietet habe und das dann wohl in Ordnung sei, wenn er hier fahre", ärgert er sich. Dabei gebe es durchaus Alternativen wie die Recknitz mit tiefem Wasser oder Seen.

Mario Voigt hat sich, wie er sagt, aufgrund des niedrigen Wasserstandes als Paddler schon längst aus der Warnow zurückgezogen. Im Bereich Sternberger Seenlandschaft gebe es ausreichend große Wasserflächen, die per Kanu erkundbar seien. "Gerade bei Niedrigwasser könnten Alternativrouten auf den großen Seen ausgewiesen werden. Diesbezüglich sind natürlich die Kanuverleiher gefordert", sagt Voigt.

Der Gedanke der Naturschützer: Es sollte eine Befahrungsregelung geschaffen und durchgesetzt werden. Ihr Beispiel: Es müsste eine Sondernutzungserlaubnis erworben werden. Einzelne Boote fahren im Abstand von zehn Minuten. Damit ergibt sich eine maximale Anzahl der Genehmigungen und der Boote pro Tag. Zudem sollte die Fahrzeit begrenzt werden. Früher habe er Biber und Fischotter verlässlich ab 19 Uhr beobachten können, erklärt Voigt. Jetzt sind die an solchen Tagen wie Pfingsten oder Herrentag weg. Und das Wasser ist getrübt.

Die in der SVZ geäußerten Sorgen des Kanu-Feriencamp-Betreibers in Weitendorf sind für die Naturschützer in vielen Punkten nicht nachvollziehbar. Die Warnow in sensiblen Bereichen für eine bequeme Fahrt durch Kanuten zu vertiefen, beruhe nur auf Geschäftsinteressen einzelner Personen, geben Voigt und Winkelmann zu bedenken. Mehr Wasser gebe es trotzdem nicht. Und im Bereich Tourismus mit Arbeitsplätzen und deren Verlust zu drohen, lasse vergessen, dass viele Arbeitsplätze hier äußerst schlecht bezahlt, nur im Sommer verfügbar und dann auf geringfügiger Basis angeboten würden, entgegnen sie. Ihr Vorschlag: Vielleicht sollte man versuchen, mit weniger Booten einen niveauvollen Tourismus anzubieten.


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