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Mecklenburg-Vorpommern

18. Oktober 2017 | 04:12 Uhr

Wie tickt der Mann?

vom

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erstellt am 30.Sep.2013 | 07:36 Uhr

Berlin | Viele Frauen gehen arbeiten, Männer wickeln Kinder und nehmen Elternzeit– was früher unüblich war, wird immer normaler.

Auf dem Weg zur Gleichstellung von Frauen und Männern ist in der Republik viel erreicht. Doch wollen die Deutschen eine noch stärkere Entwicklung in diese Richtung? Nein, sagt eine Mehrheit der Männer: Mit der Gleichberechtigung reiche es, finden fast zwei Drittel (64 Prozent) laut einer gestern veröffentlichten Studie des Allensbach-Instituts. 28 Prozent meinen sogar, dass die Angleichung der Geschlechter bereits übertrieben worden sei.

Der Männerforscher Walter Hollstein rechnet damit, dass der „männliche Widerstand“ gegen die Gleichstellungspolitik noch weiter wachse, wenn diese geschlechterpolitisch so einseitig bleibe. Die Sprecherin des Deutschen Frauenrates, Ulrike Helwerth, hält es dagegen für „ernüchternd bis frustrierend, wie wenig Männer Verbesserungsbedarf für die Gleichberechtigung sehen“ und beklagt einen „Emanzipationsstau“.

Nur 29 Prozent der Männer sehen in Sachen Gleichberechtigung noch Handlungsbedarf. Bei den Frauen meint dagegen jede Zweite, dass noch mehr getan werden müsse. Entsprechend häufiger fühlen sich Frauen gegenüber Männern benachteiligt. 83 Prozent berichteten von Diskriminierungen aufgrund ihres Geschlechts. Bei den Männern waren es etwa halb so viele.

Die Studienergebnisse decken sich laut Hollstein mit anderen Befunden, etwa der Sinus-Studie der Bundesregierung von 2007 über die Einstellungen 20-jähriger Frauen und Männer. „Dort drückten die jungen Männer durchaus ihre Sympathie für die Gleichberechtigung und Gleichstellung aus, monierten aber, dass nichts für sie getan wird“, sagt der Soziologe mit Blick auf die Studie.

Es gebe immer neue Fördermaßnahmen für Mädchen und Frauen, doch kaum etwas für Jungen und Männer, sagt Hollstein, der auch Gutachter des Europarates für Männerfragen ist. „Das weckt langsam Ärger und bei einer Minderheit eben auch – wie die Allensbach-Zahlen belegen – langsam Zorn“, sagt Hollstein. Dass trotzdem noch so viele Männer der Meinung seien, für die Gleichstellung der Frauen müsse mehr getan werden, findet der Forscher fast überraschend.

Ulrike Helwerth betont im Gegenzug, dass Frauen trotz gleicher Qualifizierung zum Teil immer noch weniger verdienten als Männer. Trotz des „großen Bildungszugewinns“ bei Frauen habe sich an der „geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung“ bis heute wenig geändert. Sie ist überzeugt, viele Männer fürchteten bloß, bei einer tatsächlichen Gleichberechtigung Privilegien zu verlieren.

Den Meinungsforschern zufolge sind die meisten Männer davon überzeugt, immer noch traditionellen Rollenerwartungen gerecht werden zu müssen. So gehen etwa 71 Prozent der männlichen Befragten davon aus, dass sie für den Unterhalt der Familie sorgen müssen. 65 Prozent glauben, dass für Männer der Erfolg im Beruf besonders wichtig ist und dass Männer durchsetzungsstark sein sollten.

Tatsächlich sehen Frauen das etwas entspannter. Viel weniger von ihnen haben solch überholte Ansprüche an Männer. Insgesamt erwarten 60 Prozent der Frauen vom Mann die Ernährerrolle. Bei jungen Frauen im Alter zwischen 18 und 34 Jahren ist diese Einstellung mit 54 Prozent mittlerweile noch seltener anzutreffen.

Eine echte Wahrnehmungslücke klafft zwischen den Geschlechtern allerdings bei den neuen Anforderungen an Männer. So wünschen sich 74 Prozent der Frauen, dass Männer mehr Gefühle zeigen. Bei den jungen Frauen wollen 87 Prozent, dass ihre männlichen Gegenparts einfühlsam und verständnisvoll sind. Männer nehmen diesen Wandel der Wünsche aber offenbar nicht wahr: Nur 47 Prozent von ihnen glauben, sie müssten heute empathischer sein.

Zudem wünschen sich 66 Prozent der Frauen, dass Männer mehr Aufgaben im Haushalt und in der Familie übernehmen. Tatsächlich ist der Stellenwert, den Männer eigenen Kindern im Leben beimessen, in den letzten rund 15 Jahren deutlich gestiegen. 52 Prozent der Männer ist es heute wichtig, Nachwuchs zu haben. Zum Vergleich: 1998 sagten das nur 44 Prozent.


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