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Serie Finanz-Wissen : Wie strukturiere ich ein Depot?

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erstellt am 08.Sep.2014 | 11:45 Uhr

Ein Börsenspruch lautet „Kaufe billig, verkaufe teuer“. Doch drei allzu menschliche Eigenschaften hindern uns oft daran – Angst, Gier und der Herdentrieb. Börsengeld ist wie ein scheues Reh. Es zieht immer dorthin, wo es Futter (Rendite) gibt. Es folgt meist einem Leittier und flieht panisch, wenn es Gefahr wittert. Anleger sollten sich bewusst sein, dass es keine uneigennützigen Börsengurus gibt. Warum sollten sie gerade Ihnen den todsicheren Tipp geben, um reich zu werden? Deshalb ist es sinnvoll, mit Strategie zu investieren. Einige stelle ich heute vor.

Markowitztheorie: Lege nicht alle Eier in einen Korb, lautete sein Spruch. Die nobelpreisgekrönte Theorie besagt, dass ein konservatives Depot durch die Beimischung einer  spekulativen Anlage noch risikoärmer gemacht werden kann, wenn sich alle Anlagen möglichst unabhängig voneinander entwickeln. Viele Banken haben dafür entsprechende Programme, die diese Korrelation von Anlagen berechnen können. Ziel ist es, ein auf den Anleger abgestimmtes, steuerbares und optimiertes Portfolio (Anlagemix) zu erhalten.

Trendfolgemodell: Charttechniker gehen davon aus, dass sich die meisten Anlagen in wiederkehrenden Kursmustern bewegen und sich aus vergangenen Kursentwicklungen Rückschlüsse auf die zukünftige Kursentwicklung ziehen ließen. Sie meinen, dass die Märkte rational und im aktuellen Börsenkurs alle Informationen zum Wertpapier enthalten sind. Risiken und Chancen, Kauf- und Verkaufsignale könnten errechnet werden. In stabilen Börsenphasen funktioniert das System sehr gut. In Zeiten hoher Marktschwankungen (Bsp. 2007 und 2011) versagt es gelegentlich, da viele Fehlsignale generiert werden.

„Weltdepot“: Die von Professor Weber und Dr. Kommer entwickelte Anlagestrategie besteht aus zwei Teilen. Einem „Weltdepot“ (Aktien, Immobilien, Rohstoffen) und einem „risikolosen“ Anlageteil (Anleihen), dessen Höhe von der Risikobereitschaft des Anlegers abhängt. Das Portfolio wird durch kostengünstige ETF (passiv gemanagte Fonds) zusammengesetzt. Für den Kleinanleger reichen dazu ein MSCI World-ETF (ein Index, der 1612 Aktien aus 23 Ländern umfasst), ein Emergin Market-ETF (Entwicklungsländer), ein Immobilienaktien-ETF, ein Rohstoff-ETF und ein Anleihe-ETF aus. Da sich im Verlauf der Anlage die Gewichtung der Bausteine durch Kursveränderungen verschiebt, wird die Anfangsgewichtung regelmäßig wieder hergestellt (Rebalancing). Diese Strategie ist kostengünstig und recht einfach zu händeln.

Antizyklisches Handeln: Mit dieser Strategie handelt der Anleger immer gegen den allgemeinen Trend. Ins Depot werden nur die Regionen und Branchen gekauft, die im letzten Jahr die schlechteste Entwicklung aufwiesen. Der Anleger setzt darauf, dass nach jedem Abwärts- ein Aufwärtstrend folgt, was in den meisten Fällen auch so ist. Steigt die Anlage ein Jahr lang, wird verkauft. Diese Strategie erfordert starke Nerven und viel Disziplin.

Problem Timing: Den Tiefstkurs für den Kauf und Höchstkurs für den Verkauf zu finden, ist eine nicht zu lösenden Aufgabe. Deshalb kann es sinnvoll sein, über einen Fondssparplan sein Geld schrittweise zu investieren. Cost-Average nennt man den Effekt, wenn man in steigenden Märkten wenig Anteile und in fallenden mehr Fondsanteile für das gleiche Geld erhält und damit einen guten Durchschnittskurs erzielt.

Hin und her macht Taschen leer: Jede Strategie hat ihre Zeit. Mal ist die eine besser, mal die andere. Strategien lassen sich auch kombinieren. Wer sich für eine Strategie entschieden hat, sollte diese  nicht so schnell aufgeben. Hinterfragen Sie jede Anlage- und Umschichtungsempfehlung Ihres Beraters dahingehend, ob mit dieser Empfehlung Ihr Ertrag oder nur der Ertrag der Bank verbessert werden soll. Es ist heute nicht mehr zeitgemäß, bei von der Bank empfohlenen Umschichtungen einen Ausgabeaufschlag zu zahlen.

Alternativen: Mittlerweile gibt es eine Reihe von Dach- bzw. Mischfonds, die eine oder mehrere dieser Strategien abbilden. Das kann Kosten sparen.

Automatische Verlustbegrenzung: Viele Banken bieten ihren Kunden Stop-loss-Orders für Fonds an. Also einen automatischen Verkauf von Fonds, wenn festgelegte Marken unterschritten werden. Damit lassen sich hohe Verluste vermeiden.

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