"Wie Rumpelstilzchen"

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Die Debatte um die Theaterfinanzierung ist seit Jahren Thema in der Landespolitik. Archiv

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19. März 2013, 08:15 Uhr

Rostock/Schwerin | Dem Kultusministerium schlägt nach der Unterzeichnung der Theater-Absichtserklärung mit der Landeshauptstadt Schwerin aus Rostock geballter Unmut entgegen. "Rumpelstilzchen-Methoden" attestierte Rostocks OB Roland Methling (parteilos) in einer Pressemitteilung. Hintergrund: Die Rostocker Theater-Verhandlungsgruppe hatte den Termin zur Unterzeichnung des "Letter of Intent" nicht wahrgenommen, weil in der Hansestadt noch Uneinigkeit herrschte.

Methling sagte dazu: "Wenn als Bedingung für Gespräche die Unterschrift unter einen Letter of Intent gesetzt wird, der klar eine Richtung festlegt, muss es dafür Mehrheiten geben." Die gebe es in der Bürgerschaft aber noch nicht, so Methling. Es sei "Säbelgerassel", jetzt Alleingänge zu starten, statt "den Arbeitsprozess demokratischer Gremien" zu respektieren. Methling betonte, dass Rostock weiter gesprächsbereit sei.

Der am Montag unterzeichnete "Letter of Intent" sollte eigentlich den weiteren Fahrplan für den völligen oder teilweisen Zusammenschluss der Theater in Rostock und Schwerin festlegen, indem die Beraterfirma Metrum das Modell eines künftigen "Staatstheaters Mecklenburg" detailliert durchrechnet. Die Absichtserklärung beinhaltet auch eine Beteiligung des Landes an der Trägerschaft des Theaters und den Kosten einer Umstrukturierung. Auch die Kosten für die Beraterfirma Metrum trägt das Land.

Aber wegen des Fernbleibens der Rostocker Seite werden die Metrum-Berater ihr "Staatstheater Mecklenburg"-Modell nun nur aus dem Schweriner Theater entwickeln. Die Zuschüsse von Land und Landeshauptstadt sollen konstant bleiben, betriebsbedingte Kündigungen sind ausgeschlossen. Außerdem will die Landesregierung darüber verhandeln, wie das auf Produktionen für Jugendliche spezialisierte und bisher mit dem Rostocker Volkstheater kooperierende Theater Parchim in die neue Staatsbühne integriert werden könnte.

Triumphiert Schwerin also auf ganzer Linie? So sehe sie das nicht, betonte die Oberbürgermeisterin der Landeshauptstadt, Angelika Gramkow (Linke): "Das Land hat uns die Hand gereicht - warum sollten wir sie ausschlagen?"

Ein gewisses Aufsehen hatte auch erregt, dass der Generalintendant des Schweriner Theaters, Joachim Kümmritz, "Projektkoordinator" für das künftige Staatstheater Mecklenburg sein soll. "Das heißt gar nichts, außer dass ich der Ansprechpartner für Metrum im Theater bin", sagte Kümmritz gestern auf Nachfrage. Und: Bisher sei nicht mehr beschlossen als das konkrete Durchrechnen eines Modells.

Die Schweriner Seite hatte immer wieder ihre Bereitschaft zu Kooperationen und Fusionen mit Rostock betont. Diese Frage stelle sich nun nicht mehr, so Gramkow: "Der Unterschied ist doch: In Schwerin ist sich die Politik einig - in Rostock nicht."

Und in Parchim, dessen Theater wieder in die Fusionsdebatte geraten ist? "Ich halte die Diskussion noch nicht für beendet", kommentierte Intendant Thomas Ott-Albrecht das Abkommen diplomatisch. Derzeit "spielen in der Diskussion so viele Emotionen mit - das tut der Sache alles andere als gut." Der Intendant betonte: "Wie Parchim mit seinem speziellen Profil eine stärkere Rolle in der Theaterlandschaft spielen kann, sind wir gerne bereit zu diskutieren."

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