Umweltschutz : Wie kommt der Müll ins Meer?

Dr. Matthias Labrenz leitet das neue Forschungsprojekt .
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Dr. Matthias Labrenz leitet das neue Forschungsprojekt .

Rostocker Forschungsprojekt zu Mikroplastik in Flüssen

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15. September 2017, 12:00 Uhr

Die Gefahr ist kaum mit bloßem Auge zu erkennen: Die Warnow spült winzige Plastikteilchen in die Ostsee. Sie kommen aus den Städten und Dörfern, aus Industriebetrieben und Klärwerken oder von Feldern. Der Fluss ist nur ein Beispiel.

„Aber die Warnow ist das ideale Modell, weil es bereits elementar wichtige Kenntnisse über sie gibt. So können wir die besten Standorte für Probenentnahmen finden, um sinnvolle Daten zu bekommen“, erklärt Projektleiter Dr. Matthias Labrenz, Mikrobiologe vom Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW). „Und sie ist repräsentativ für Einträge in die Ostsee. Andere Flüsse haben so wenig Gefälle, dass es fast mehr Einflüsse in umgekehrter Richtung gibt.“

Wie Mikroplastik über die Warnow in die Ostsee gelangt und welche Folgen das hat, soll ein neues Forschungsprojekt des IOW – zusammen mit vier anderen Forschungseinrichtungen – in den kommenden drei Jahren zeigen. Das Bundesforschungsministerium stellt dafür etwa 1,7 Millionen Euro zur Verfügung.

Aus früherer Forschung war bekannt, dass Mikroplastik in der Natur von sogenannten Biofilmen überzogen, also bewachsen wird. „Auf den Partikeln wurden sehr viele Mikroorganismen einer bestimmten Bakteriengruppe gefunden, in der es welche gibt, die sogar tödliche Infektionen hervorrufen können“, sagt Labrenz. „Sie waren auf den Partikeln so zahlreich vertreten, dass eine genauere Untersuchung dringend angeraten war.“ Auch scheinen Extrem-Ereignisse wie Starkregen oder Großveranstaltungen eine wichtige Rolle zu spielen, denn dann wird von Äckern und Straßen mehr Material in den Fluss gespült. Nun soll nun eine Bestandsaufnahme erfolgen.

„Es geht schon mit winzigen Plastikkügelchen los, die in Kosmetika wie Peelings oder Zahnpasta vorkommen“, sagt Labrenz. „Dazu kommen Alltagsgegenstände und Verpackungen. Und nicht zuletzt kann das Plastik auch von mit Folie abgedeckten Feldern oder verpackten Heuballen stammen.“

Wie viel genau diese Quellen ausmachen und auch, was wird am Strand angespült wird, soll jetzt geklärt werden. Dazu werden Proben von Wasser und Boden genommen und im Labor analysiert. Etwa 20 Wissenschaftler, davon etwa die Hälfte am IOW, sind beteiligt. „Wie schädlich diese Kunststoffe wirklich sind, wird sich erst in Zukunft herausstellen“, so Labrenz. „Sie sind schwer abbaubar und können insbesondere kleineren Tieren Probleme bereiten, die es mit Nahrung verwechseln.“ Oder sie gelangen durch Anreicherung in Organismen in die Nahrungskette. Weitere Fragen sind: Wie weit treiben die Partikel, wie weit verbreiten sie damit auch den eventuell gefährlichen Biofilm? Computermodelle werden zeigen, wo genau die Partikel in den Fluss gelangen und wie sie strömen.

„Durch diese Modelle werden wir auch erkennen, was passiert, wenn wir an bestimmten Punkten Einfluss nehmen, beispielsweise wenn Klärwerke eine weitere Reinigungsstufe erhalten, wodurch Einträge von Mikroplastik verhindert werden“, erläutert er.

Die Ergebnisse werden in einer Wanderausstellung unter anderem in Rostock und Stralsund, aber auch in Hamburg, Flensburg und Kiel gezeigt. „Wir erhoffen uns davon ein stärkeres Bewusstsein für die Problematik. Denn es macht einen Unterschied, ob man nur in den Nachrichten davon hört, oder ob man mit eigenen Augen sieht, dass es diese Gefahr in der eigenen Umgebung gibt und wie man ihr begegnen kann.“

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