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Premiere „Schlafen Fische?“ : Wie Kinder den Tod sehen

vom
Aus der Onlineredaktion

Mit „Schlafen Fische?“ wagt sich das Junge Staatstheater Parchim an ein schwieriges Thema – mit Erfolg

von
erstellt am 31.Jan.2017 | 11:55 Uhr

Für die erste Premiere des Jahres hat sich das Junge Staatstheater in Parchim einiges vorgenommen. Denn in „Schlafen Fische?“ geht es nicht um kuriose wissenschaftliche Fakten, sondern um den Tod. Ein Thema, das oft tabuisiert wird und doch allgegenwärtig ist. Schließlich stirbt der Statistik nach alle drei Sekunden ein Mensch – manche an Krankheiten, manche durch Zutun anderer Menschen und einige aus unerklärlichen Gründen. Vor allem für Kinder ist der Tod nur schwer zu verstehen.

Doch nicht mehr für die kleine Jette – gespielt von Carolin Bauer. Schon in ihren jungen Jahren musste sie Abschied nehmen von ihrem Bruder Emil. Dabei war er erst sechs Jahre alt. Jette ist inzwischen zehn geworden. „Das ist eine Eins mit einer Null dahinter“, weiß sie. Also zweistellig. So richtig darüber freuen kann sie sich jedoch nicht. Denn ihr Bruder blieb nur einstellig.

In dem liebevoll inszenierten Stück erinnert sich Jette an die Zeit, als Emil noch lebte. Wie ihn Schmerzen plagten, wie er von den Eltern umsorgt wurde und es ihm trotzdem nicht besser gehen wollte – bis er schließlich in seinem Bett verstarb. Eindrucksvoll taucht Carolin Bauer dabei in die Gefühls- und Gedankenwelt einer Zehnjährigen ein – mit allem, was dazu gehört. Mal fröhlich und fantasiereich, mal trotzig, böse, nachdenklich und natürlich auch traurig.

Trotz des schweren Themas bleibt dem Publikum keine Zeit, in Lethargie zu verfallen. Grund dafür war maßgeblich Superpizzalieferboy, gespielt von Wiebke Rohloff. Jettes imaginärer Freund vom Planeten Spacko Platto X-5 schafft es immer wieder, die düsteren Momente aufzulockern. Eigentlich ist er eine Spielfigur, die Jette gebastelt hatte.

Das Stück von Jens Raschke richtet sich an Kinder ab acht Jahren und regt durchaus zum Nachdenken an. Dabei bietet es aber auch einen großen Erfahrungsreichtum für Eltern, Lehrer oder andere Angehörige, die ähnliche Situationen mit Kindern meistern müssen. Denn es zeigt, wie sie mit dem Verlust umgehen, was sie beschäftigt und welche Hilfe sie brauchen. So fürchtet Jette, sie wäre schuld an Emils Tod, da sie sich während seiner Krankheit gewünscht hat, er wäre nicht mehr da. Schließlich hat sich ihre Mutter nur noch um Emil gekümmert, nicht mehr um sie.

Das Publikum zeigte sich begeistert von der Inszenierung Nele Tippelmanns, die auch Erwachsenen Hilfestellung bieten kann. Dabei ging es nicht um Antworten, sondern vor allem um unseren Umgang mit den kleinen, großen und letzten Fragen des Lebens.

Weitere Termine: Montag, 6. Februar um 18.30 Uhr in Mölln, Dienstag, 21. März um 10 Uhr in der Theatergaststätte Parchim, Dienstag, 25. April , 11 Uhr und 13 Uhr im E-Werk, Schwerin

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