Wismarer helfen in Italien : Wie Jesus übers Wasser wandern

16 Meter breit und drei Kilometer lang sollen die schwimmenden Stege sein.
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16 Meter breit und drei Kilometer lang sollen die schwimmenden Stege sein.

19 Wismarer Studenten helfen dem Künstler Christo bei seinem Projekt „Schwimmende Stege“ am Iseo-See in Italien

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12. Juni 2016, 05:00 Uhr

Trockenen Fußes über den Iseo-See in Italien spazieren – das ist die Vision des Verpackungskünstlers Christo. Mit seinem neuen Projekt „The Floating Piers“ – „Schwimmende Stege“ – will er diese Idee nun Realität werden lassen. Zu seinen Helfern gehören auch 19 Studenten der Hochschule Wismar und ihre Dozentin Annette Leyener. „Wir wissen noch nicht, was wir dort zu tun haben“, erzählt Jonathan Müller. „Aber wahrscheinlich werden wir die Stege mit Stoff umwickeln“, so der 25-jährige Architekturstudent.

Rund 1000 Helfer unterstützen Christo Wladimirow Jawaschew, wie der Künstler eigentlich heißt, dabei, sein Kunstprojekt zu verwirklichen. Dafür werden 200  000 Kunststoffwürfel aneinandergebunden und anschließend mit 70  000 Quadratmetern schimmerndem Nylon-Stoff umzogen. Die gelb-orangenen Stege bilden dann einen 16 Meter breiten und etwa drei Kilometer langen Weg über den Iseo-See. Dieser führt von dem Ort Sulzano über die völlig von den Stegen umrahmte Insel San Paolo zur Insel Monte Isola. Die gesamten Kosten – für Material, Helfer usw. – trägt der Künstler selbst, finanziert durch seine Kunstverkäufe.

Dass die Studenten aus Mecklenburg-Vorpommern aus etwa 10  000 Bewerbern ausgewählt wurden, um an dem innovativen Kunstprojekt mitzuwirken, verdanken sie nicht zuletzt ihrer Dozentin Annette Leyener. Die 57-Jährige kennt den Künstler schon seit 1983 und half bereits bei der Umsetzung der „Surrounded Islands“ in Miami und bei der Verhüllung der Pont Neuf, der ältesten Brücke in Paris.

Die Voraussetzungen für die Mitarbeit an dem Projekt – schwimmen können, englisch sprechen und 20 Kilo tragen können – erfüllen die Wismarer Studenten alle. Zusätzlich bekamen sie noch einige Aufgaben von Annette Leyener, um sich optimal auf die Arbeit vorzubereiten. „Sie sollten dafür sorgen, dass sie nicht so blass sind, weil die Sonneneinstrahlung dort sehr hoch ist“, erklärt die Professorin. Auf die Frage, wie sie das bewerkstelligt haben, antwortet die 30-jährige Imke Wendt lachend: „Wir haben hier viele Kreativpausen am Strand eingelegt.“ Außerdem hätten sie Vorträge gehalten, um sich mit dem Thema vertraut zu machen. „Über den Künstler oder das Künstlerpaar besser gesagt“, erzählt Jonathan Müller. Denn auch wenn seine Frau Jeanne-Claude bereits 2009 verstorben ist, würde Christo das Projekt noch immer als ihr gemeinsames bezeichnen, erklärt der Architekturstudent. „Es ist ganz interessant, dass sie immer noch geistig dabei ist“, so der 25-Jährige.

Vom 13. bis 19. Juni arbeiten Jonathan Müller, Imke Wendt und ihre Kommilitonen aktiv an dem Projekt. Am 19. Juni werden die Stege für die Öffentlichkeit freigegeben. Dann haben die Studenten noch zwei Tage Zeit, um auf dem Kunstwerk, an dem sie mitgewirkt haben, zu wandeln, bevor es wieder zurück nach Wismar geht. Zwei Wochen sollen die Stege auf dem See schwimmen. Danach werden sie wieder abgebaut und alle Materialien recycled.

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