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Mitarbeiter-Zufriedenheit : Wie in einer großen Familie

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Das DRK-Krankenhaus Teterow spielt, was die Zufriedenheit seiner Mitarbeiter betrifft, in einer Liga mit Microsoft, Lego oder Ebay

Michael Groth ist nie richtig aus dem Teterower Krankenhaus herausgekommen. Am 10. September 1988 erblickte er hier das Licht der Welt. Heute, fast 26 Jahre später, arbeitet er im DRK-Krankenhaus als Pfleger. Auch das ist ihm quasi bereits in die Wiege gelegt worden: Seine Mutter ist bis heute im selben Haus als Krankenschwester beschäftigt, sein Vater arbeitet beim Rettungsdienst des DRK. Zwar nutzte der junge Mann erst ein Freiwilliges Soziales Jahr, um seine Berufsentscheidung noch einmal zu hinterfragen. „Aber schon nach zwei Wochen war ich mir endgültig sicher: Das ist es“, erinnert er sich.

Auf die Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger sattelte er in den letzten beiden Jahren noch eine zum Anästhesie- und Intensivpfleger drauf – schließlich entsteht momentan auf dem Krankenhausgelände ein Neubau, in den eine deutlich erweiterte Intensivstation einziehen soll.

Wegzugehen war für den jungen Mann nie eine Option. „Ein Krankenhaus zu finden, wo Patienten und Mitarbeiter derart im Vordergrund stehen und wo man auch medizinisch immer auf dem höchsten Stand arbeitet – ich glaube, das wäre sehr schwer geworden“, bekennt er.

Wie Michael Groth geht es offenbar dem Gros der 202 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des DRK-Krankenhauses Teterow. Denn im bundesweiten Wettbewerb „Great Place to Work – beste Arbeitgeber Gesundheit & Soziales 2014“ belegte das Haus unlängst Platz drei in der Kategorie „Kliniken“ und wurde damit das bestplatzierte Akutkrankenhaus. Bundesweit, wohlgemerkt. Auch in der gemeinsamen Wertung aller Kategorien kamen die Teterower bei 580 beteiligten Unternehmern unter die 50 beliebtesten Arbeitgeber Deutschlands – als attraktivster Arbeitgeber Mecklenburg-Vorpommerns in diesem Wettbewerb. „Wir spielen damit in einer Liga mit Microsoft, Lego oder Ebay“, freut sich Alexandra Weyer, die für das Qualitätsmanagement zuständig ist.

Dabei war es nur ein Zufall, der das Krankenhaus zur Teilnahme an dem Wettbewerb bewog. „Wir waren auf der Suche nach einem neutralen Institut, das für uns eine Mitarbeiterbefragung durchführt“, erinnert sich Alexandra Weyer. Dabei sei jemand auf das international tätige Forschungs- und Beratungsinstitut „Great Place to Work“ – übersetzt „Ein toller Platz zum Arbeiten“ – gestoßen. Dass dieses einen gleichnamigen Preis auslobte, sei ihnen gar nicht bekannt gewesen. Aber dann habe das Haus sich entschlossen mitzumachen – „und wir haben hier alles zusammengetragen, was das gute Betriebsklima bei uns ausmacht“. Da für alles Belege vorgelegt werden mussten, füllte sich schnell ein ganzer Karton: Mit Glückwünschen, die Mitarbeiter von der Geschäftsführung zum Geburtstag bekommen. Mit Belegen über kleine Geschenke, mit denen Verbesserungsvorschläge honoriert werden. Mit Fotos von gemeinsamen Unternehmungen wie dem DRK-Ball, Radtouren, Zumba- oder Rückenschulkursen… Dazu kamen Fragebögen, in denen die Mitarbeiter anonym unter anderem Kriterien wie die Anerkennung der eigenen Leistung, Motivation durch den Arbeitgeber, berufliche Entwicklungsmöglichkeiten, Führungsqualität von Vorgesetzten und Teamgeist bewerten sollten.

Das Ergebnis: Gleich bei seiner ersten Wettbewerbsteilnahme im Jahr 2010 landete das Teterower Krankenhaus auf Platz 15 aller teilnehmenden Kliniken. Aktuell gaben 86 Prozent der Mitarbeiter, die sich an der Befragung beteiligten, an, dass ihre Arbeit für sie „mehr als nur ein Job“ ist. 89 Prozent schätzten ein, dass ihnen ein hohes Maß an Verantwortung übertragen wird. Und 85 Prozent möchten noch lange in der Klinik in Teterow bleiben.

„Für uns hier ist ganz vieles so selbstverständlich, dass wir gar nicht mehr darüber nachdenken“, sagt Betriebsratsvorsitzende Gerlind Bünting. So gebe es eine Urlaubspauschale und Weihnachtsgeld. Über das firmeninterne Computernetz würden die Mitarbeiter – in der Pflege ebenso wie im Wirtschaftsbereich oder der Verwaltung – stets über alle Fragen, die das Haus betreffen, auf dem Laufenden gehalten. Und: Alle könnten sowohl Kritiken als auch Vorschläge äußern – das ginge so weit, dass die Mitarbeiter der Intensivstation nicht nur über die neue Einrichtung mitbestimmen dürfen, sondern sie zum Teil sogar selbst einkaufen, erzählt Michael Groth.

Was er, wie viele andere Mitarbeiter auch, besonders zu schätzen weiß: In Teterow gibt es einen Weiterbildungsplan. Braucht jemand für das berufliche Vorankommen Kurse, die darin nicht verzeichnet sind, kann er einen zusätzlichen Antrag stellen. „Dass etwas abgelehnt wird, passiert nur selten“, betont Pflegedienstleiterin Jana Wedow. Immerhin 71 000 Euro hätte das kleine Krankenhaus allein im vergangenen Jahr in die Weiterbildung seiner Mitarbeiter investiert. Wer außerhalb Kurse belegt, darf einen Dienstwagen nutzen. Und als Zeichen der Wertschätzung versuchen die Pflegedienstleiterin oder ein anderer leitender Mitarbeiter mit dabeizusein, wenn es die Abschlusszeugnisse gibt.

Das könnte auch Maria Kruse passieren. Die junge Ärztin hat sich ganz bewusst das kleine Krankenhaus in Teterow für ihre Facharztweiterbildung zur Internistin ausgesucht. „Ich wollte von Anfang an möglichst viel selbst machen. Und ich finde es gut, dass ich hier immer Ansprechpartner für all meine Fragen habe“, erzählt die Rostockerin. In größeren Kliniken, die sie auch schon kennengelernt hat, mussten Assistenten dagegen regelrecht um Aufmerksamkeit kämpfen. In Teterow ginge es dagegen familiär zu – „ein toller Platz zum Arbeiten“, sagt Maria Kruse.

 

 

 

 

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erstellt am 15.Apr.2014 | 12:00 Uhr

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