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Mecklenburg-Vorpommern

21. August 2017 | 16:10 Uhr

Ralswiek : Wie Hollywood am Bodden

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Störtebeker kreuzt auf der Insel Rügen wieder die Schwerter / Die Waffenkammern sind gefüllt, die Windmaschinen stehen bereit

Die akuten Finanzprobleme der staatlich subventionierten Theater kennt Peter Hick, Intendant der Störtebeker-Festspiele auf der Insel Rügen, nicht. Er kann klotzen: Mehr als 220 Kilogramm Schwarzpulver lagern für die Festspiele in den Waffenkammern, zwei Windmaschinen werden Nebel über die Bühne blasen, 5300 pyrotechnische Effekte – vom Feuerball bis zur Wasserexplosion – warten darauf, in 67 Vorstellungen bis Anfang September auf der Naturbühne Ralswiek bestaunt zu werden.

Während die Theater zwischen Schwerin und Stralsund Bühnenbilder möglichst sparsam produzieren, Produktionen austauschen und an allen Ecken sparen, schöpfen die Störtebeker-Festspiele anscheinend aus dem Vollen. „Wir schauen, was wir brauchen. Wenn wir es bezahlen können, wird es auch umgesetzt“, sagt Hick.

Morgen starten die Festspiele in ihre 22. Saison. „Gottes Freund“ heißt die fünf Millionen Euro teure Produktion. Sie ist der zweite Teil eines fünf Stücke umfassenden Zyklus über das Leben und Sterben des legendären Piratenhelden. 179 000 Tickets, nach Angaben des Theaters mehr als im Vorjahr, wurden bereits verkauft oder vorbestellt. Im vergangenen Jahr kamen 343 000 Zuschauer – vorwiegend Gäste, die auf der Insel Rügen ihren Urlaub verbringen.

Die Zuschauer erwartet auf der 70 Meter breiten Naturbühne Ralswiek eine opulente Inszenierung vor historischem Hintergrund: Die dänische Königin Margarete (Daniela Kiefer) will die schwedische Festung Stockholm einnehmen. Störtebeker (Bastian Semm) und seine Mannen geraten dabei in das Räderwerk der großen Politik. Am Ende werden die Piraten für vogelfrei erklärt – der Cliffhanger für Teil drei.

Eine Riesen-Bombarde feuert eine 53 Kilogramm schwere Metallkugel auf die Festung. Mauern stürzen ein. Leitern stürzen um. Der Jasmunder Bodden brennt. Und der Held zeigt auch in diesem Jahr romantische Gefühle.

Dialoge, Kampfszenen - fast das ganze Stück ist mit einem Klangteppich unterlegt, so wie man es aus Hollywood-Blockbustern kennt. „Wir sind hier näher am Film als am Theater“, sagt Regisseur Peter Dehler. Nach mehreren Wechseln in der Regie hält in diesem Jahr der Schweriner die Inszenierung in seinen Händen. Er folgt Kai Maertens, der im vergangenen Jahr eine rasante und vom Publikum geliebte Geschichte auf die Bühne gebracht hatte. Wer keine Lust hat, an lauen Sommerabenden den Dialogen über politische Ränkespiele und hinterhältige Finten zu folgen, kann sich an den prachtvollen Bildern mit 100 Laiendarstellern ergötzen: Da verkaufen Marktweiber Obst, legen Wäscherinnen Laken zusammen, geraten zwei Trunkenbolde in Streit.

Die Bühne gleicht auch in diesem Jahr einem Wimmelbild aus Kindertagen, auf der es immer wieder Neues zu entdecken gilt.

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erstellt am 19.Jun.2014 | 21:07 Uhr

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