Hintergrund : Wie gefährlich ist die Vogelgrippe H5N8?

Ein aggressiver Vogelgrippe-Erreger ist in einem Mastputenstall in Deutschland aufgetaucht - erstmals seit 2008. Rund 31 000 Tiere müssen getötet werden.

svz.de von
06. November 2014, 19:04 Uhr

Erstmals seit 2008 ist mit dem Geflügelpest-Ausbruch in einem vorpommerschen Mastputenbetrieb wieder ein hochansteckender H5-Erreger in Deutschland aufgetreten. Martina Rathke sprach mit dem obersten Tierseuchenforscher Deutschlands, Thomas Mettenleiter. Er ist Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) auf der Insel Riems.  Die Eintragunswege in den Bestand sind bislang unklar. Das FLI hat vier Experten in den Ort geschickt, die nach Ursachen forschen.

Handelt es sich beim Ausbruch in dem Betrieb in Vorpommern um Geflügelpest oder Vogelgrippe?

„Die Geflügelpest ist die Vogelgrippe“, sagte der Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts für Tiergesundheit, Thomas Mettenleiter. Die Vogelgrippe hat sich als populärer Begriff im Zuge des H5N1-Seuche eingebürgert. Die Wissenschaftler selbst sprechen von der Geflügelpest. Sie wird durch die Influenza-Erreger H5 oder H7 ausgelöst. Den letzten Ausbruch mit einem hochpathogenen Erreger gab es laut FLI 2008 mit H5N1 in Markersdorf im sächsischen Landkreis Görlitz.

Wie gefährlich ist der Erreger H5N8 für Geflügel?

Der Geflügelpesterreger ist für Geflügel (Hühner, Puten oder Gänse) hochansteckend. „Wie jedes andere hochpathogene Virus hat es eine Veränderung im Genom, sodass es sich schnell im gesamten Tier ausbreitet und dann zum Tod führt“, sagte Mettenleiter. In dem betroffenen Betrieb waren laut FLI seit Anfang des Monats erhöhte Todesraten aufgetreten, die sich in den letzten Tagen gesteigert hatten. Das hat die Veterinärmediziner alarmiert.

Kann der Erreger auch auf Menschen übertragen werden?

„Wir müssen davon ausgehen, dass jeder hochpathogene Erreger auch eine Gefährdung für den Menschen darstellen kann“, sagte der Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts, Thomas Mettenleiter. Für den H5N8-Erreger ist eine Übertragung auf den Menschen noch nicht beobachtet worden, auch nicht in Südkorea, wo bislang mehrere hunderttausend Tiere getötet werden mussten. Da man eine Übertragung auf den Menschen aber nicht ausschließen könne, mussten grundsätzlich schnelle Schutzvorkehrungen getroffen werden, sagte Mettenleiter. Die Wissenschaftler sehen aber keinen Grund zur Besorgnis. Man sollte den Ausbruch mit einer gewissen Gelassenheit betrachten.

Wo kommt der Erreger her?

Im Januar 2014 ist der Erreger vom Subtyp H5N8 erstmals in Südkorea aufgetreten. Er kommt dort auch in der Wildvogelpopulation vor. Nachweise des Erregers gibt es auch in Japan und im Grenzgebiet von China zu Südkorea.

Der Erreger ist nun erstmals in Europa aufgetaucht. Gibt es Hinweise, wie er in den Bestand in Vorpommern eingetragen wurde?

Das ist bislang unklar. Potenziell kann er über kontaminierte Waren eingetragen werden, Lebensmittel, Personen oder auch Wildvögel, sagen die Forscher des FLI. Vier Epidemiologen des Bundesforschungsinstituts sind vor Ort, um Waren- oder Tierverkehre und einen möglichen Eintrag durch Wildvögel zu untersuchen. Das wird dauern, sagen die Forscher. „Alle Szenarien müssen gleichberechtigt betrachtet und bewertet werden“, sagte Mettenleiter.

Welche Auswirkungen hat der Ausbruch auf die Nachbarbetriebe? Wie schnell kann sich der Virus ausbreiten?

Wichtig ist zunächst, dass schnell Schutzmaßnahmen eingeleitet wurden. Bislang gehen die Forscher des FLI von einem lokalen Ausbruch aus. Sperr- und Beobachtungsgebiete wurden eingerichtet. Um mögliche Verschleppungen auszuschließen, müssen neben dem betroffenen Putenbestand eventuell auch andere im Sperrgebiet getötet werden. Entschieden ist das bislang aber noch nicht.

Hat der Ausbruch ökonomische Auswirkungen auf die Geflügelindustrie in Deutschland?

Das wird davon abhängen, wie zügig der Ausbruch  bekämpft und eine Ausbreitung verhindert werden kann.

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