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Viel Hilfe für Alexis : „Wie ein Sechser im Lotto“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Seit unserer Veröffentlichung vor einer Woche hat sich für Alexis und Astrid Höger eine Menge getan – eine Geschichte, die Mut macht

svz.de von
erstellt am 29.Apr.2016 | 21:00 Uhr

Diese Woche wird Astrid Höger wohl so schnell nicht vergessen. Denn wenn alles gut geht, hat sie die Wende im Leben der alleinerziehenden Mutter aus Schwerin eingeläutet. Schon am Montag beginnt sie ein 14-tägiges Praktikum – und danach winkt ihr eine unbefristete Anstellung.

Doch der Reihe nach. Vor gut einer Woche hatte Astrid Höger all ihren Mut zusammengenommen und öffentlich um Hilfe gebeten – für ihre Tochter Alexis, die im Herbst zur Schule kommt. Da die Sechsjährige viel kleiner als die meisten Gleichaltrigen ist, braucht sie einen Spezialranzen mit Brust- und Beckengurt. Der aber kostet mehr, als ihrer Mutter zur Verfügung steht. Denn die gelernte Verkäuferin findet einfach keine Anstellung und muss schon seit Jahren von Arbeitslosengeld II leben.

Weil sie nicht – wie ihr das Jobcenter offeriert hatte – einen Kredit für Alexis Einschulung aufnehmen wollte, startete Astrid Höger in der vergangenen Woche auf der Internetplattform Leetchi.com einen Spendenaufruf. Am letzten Sonnabend berichtete dann unsere Zeitung über die Beiden – und seitdem ist nichts mehr, wie es war.

Mehr als 90 Hilfsangebote für die kleine Familie gingen bei uns ein – von anderen Alleinerziehenden, Familien, Rentnern, aber auch von Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig, dem Schweriner Kiwanis Club und Firmen wie der Schweriner Abfallentsorgungs- und Straßenreinigungsgesellschaft mbH, der WeGo Systembaustoffe GmbH und der LIPAKO Digitales Druck- und Kopierzentrum GmbH aus Schwerin.

Vor allem aber meldete sich bei uns die Stralendorfer Zahnärztin Silke Richter, die Astrid Höger einen Arbeitsplatz anbot. „Ein paar Euro sind doch nur eine kurze Freude – ich denke, mit einem Arbeitsplatz kann ich ihr vielleicht dauerhaft helfen“, erklärte uns die Zahnärztin. Sie sei einfach „ein helfender Mensch“. Und sie habe in ihrer Praxis gerade eine freie Stelle und hätte auch daran gedacht, wieder eine Auszubildende einzustellen. Danach will sie jetzt erst mal nicht weitersuchen, denn die ersten Gespräche mit Astrid Höger in dieser Woche hätten sie angenehm überrascht. Nach dem 14-tägigen Praktikum, das die Schwerinerin schon am Montag bei ihr beginnen wird, werde sich zeigen, „ob sie in unser Team passt“. Der jungen Mutti winkt dann eine unbefristete Anstellung und später vielleicht sogar die Ausbildung zur zahnmedizinischen Fachangestellten.

„Das ist für mich alles wie ein Sechser im Lotto“, gesteht die zierliche junge Frau – „damit hatte ich nie im Leben gerechnet“. Sie müsse nun zwar ganz viele Dinge mit dem Jobcenter klären – vor allem, wie sie den Lebensunterhalt für sich und ihre kleine Tochter bestreiten kann, wenn sie noch einmal richtig in die Lehre gehen würde –, trotzdem will sie so schnell wie möglich anfangen zu arbeiten. Denn diese so lang ersehnte Chance, ihr Leben und das ihrer Tochter aus eigener Kraft bestreiten zu können, will sie sich nicht nehmen lassen.

Die vielen Hilfsangebote, darunter fünf, die Kosten für Alexis Ranzen komplett zu übernehmen, erfüllen Astrid Höger mit großer Dankbarkeit – und machen sie zugleich sehr verlegen. „So viel können wir doch gar nicht brauchen“, sagt sie.Das Leetchi-Spendenkonto habe sie deshalb schon nach wenigen Tagen wieder geschlossen. „Die Leute sollen doch nicht denken, dass ich habgierig bin“, erklärt sie das. Sie jedenfalls sei allen, die sich um ihre Tochter sorgen würden, unendlich dankbar.

Mit einem Teil der Leser, die Sach- oder Geldspenden offeriert haben, hat Astrid Höger inzwischen telefoniert und sich bedankt. Anderen, vor allem den großen Spendern, möchte sie vorschlagen, auch noch andere Kinder zu unterstützen. „Ich könnte da auch Adressen zur Verfügung stellen.“

Auch mit den Geldspenden, die auf dem eigens für Alexis eingerichteten Konto eingegangen sind bzw. noch eingehen werden, will Astrid Höger es so halten, dass sie nur den Betrag für die Kleine behält, der wirklich nötig ist. „Alles, was darüber hinausgeht, möchte ich dazu verwenden, anderen Kindern Dinge zu kaufen, die sie brauchen – zum Beispiel auch einen Schulranzen. Ich hoffe, dass das für die Spender in Ordnung ist. Natürlich werde ich für alles die Quittungen sammeln, so dass ich nachweisen kann, wo das Geld geblieben ist.“

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