Schlaganfall : Wie ein Blitz aus heiterem Himmel

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Roberto Heinrich ist einer von rund 200 000 Menschen, die jährlich in Deutschland einen Schlaganfall erleiden / In der Reha in Leezen kämpft er sich zurück ins Leben

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19. März 2014, 12:20 Uhr

Von Tag zu Tag kommt Roberto Heinrich mit seiner Gehhilfe schneller auf den Fluren der Leezener Reha-Klinik voran. Unermüdlich übt er, stemmt sich aus dem Rollstuhl hoch und setzt einen Fuß vor den anderen. Denn wieder selbstständig laufen zu können, ist für den Schweriner die Voraussetzung, um nach seinem Schlaganfall nach Hause zurückkehren zu können. Der 55-Jährige lebt allein, muss also weitgehend ohne Hilfe klarkommen. „Und außerdem ist meine Ein-Raum-Wohnung auch so klein, dass ich da mit dem Rollstuhl gar nicht zurechtkäme.“

An den Freitag Ende Januar, an dem er den Schlaganfall erlitt, hat Roberto Heinrich nur noch vage Erinnerungen. Er hätte in seiner Lieblingsgaststätte ein Bier getrunken, erst geklönt und sich dann in eine ruhigere Ecke zurückgezogen, um an seiner Chronik über die Volleyballerinnen des Schweriner SC zu arbeiten. „Plötzlich war ich dann wie weggetreten“, weiß Heinrich noch. Er habe erst gedacht, dass ihm wohl jemand etwas ins Getränk getan haben müsste – und dann dachte er gar nichts mehr. Viele Stunden später erst sei er zu Hause zu sich gekommen, nach dem Weg, so glaubt er sich zu erinnern, habe er lange suchen müssen.

Roberto Heinrichs Schwester alarmierte schließlich den Notarzt, als sie am übernächsten Tag von den Lähmungserscheinungen und andauernden Orientierungsproblemen ihres Bruders hörte. Im Schweriner Helios Klinikum wurde der Verdacht dann zur Gewissheit: Der 55-Jährige hatte einen Schlaganfall erlitten.

Seit Anfang Februar müht er sich nun in der Helios Klinik Leezen, wieder Herr über seinen Körper zu werden und alte Fähigkeiten zurückzuerlangen. Dass der Schweriner sich erst im Dezember einer Operation am rechten Knie Knie unterziehen musste, kommt ebenso erschwerend hinzu wie der Umstand, dass er bereits 1976 bei einem Arbeitsunfall seine linke Hand verloren hat.

Klinikchef Prof. Dr. med. habil. Bernd Frank indes kann Roberto Heinrich wie auch vielen anderen Schwerkranken Mut machen: „Wir haben eine extrem hohe Anzahl von Patienten, die wir wieder entlassen und die auch zu Hause wieder zurechtkommen können.“ Selbst von den Patienten, die bei der Aufnahme in der Leezener Klinik beatmet werden müssten, würden 85 Prozent in der Rehabilitation lernen, wieder allein zu atmen. „Fast 35 Prozent der anfangs beatmungspflichtigen Schlaganfallpatienten können nach der Reha sogar wieder zu Hause leben“, so Prof. Frank, der auch Regionalsprecher der Deutschen Stiftung Schlaganfallhilfe ist.

In der Klinik kümmern sich mehr als 500 Mitarbeiter verschiedenster Fachrichtungen um 200 zum Teil schwerstgeschädigte Patienten. Da die Einrichtung sowohl als Akutklinik für Frührehabilitation als auch als interdisziplinäres Rehabilitationszentrum anerkannt ist, werden dort Menschen mit unterschiedlichsten Erkrankungen behandelt. Sie kommen aus dem gesamten norddeutschen Raum bis hin nach Bremen, Kiel und Hannover. Sogar aus Münster werden Patienten in die Spezialeinrichtung überweisen. Die Warteliste umfasse mehr als 200 Namen, so der Klinikchef. „Wir sehen unseren regionalen Versorgungsauftrag aber so, dass Patienten aus der Umgebung vorrangig aufgenommen werden“, betont Prof. Frank.

„Unkomplizierte“ Schlaganfallpatienten in relativ gutem Allgemeinzustand würden die Rehaklinik nach durchschnittlich 30,5 Tagen wieder verlassen können, so der Ärztliche Direktor. Bei Patienten, die beatmet werden müssen oder die Hirnblutungen erlitten haben, sei die Verweildauer allerdings mit durchschnittlich 70,1 Tagen mehr als doppelt so lang. „Diese Patienten können, wenn sie zu uns kommen, nicht schlucken, nicht sprechen, nicht stehen oder gehen“, beschreibt Prof. Frank. „Wir müssen sie von der Beatmung entwöhnen, ihr Gehirn muss sich regenerieren und eventuelle Schwellungen müssen abklingen.“ Allein das könne acht bis zehn Wochen dauern, bevor damit begonnen werden könne, die verlorenen Fähigkeiten wieder anzutrainieren. Dennoch würde der Medizinische Dienst der Krankenversicherung diese Patienten alle zwei bis drei Wochen neu begutachten. „Das reibt auf und sorgt für Unruhe bei den ohnehin traumatisierten Angehörigen“, so Prof Frank. Vor allem aber beschert es dem Klinikpersonal einen riesigen Mehraufwand. „Ich würde mir wirklich wünschen, dass die Krankenkassen bei so schwer kranken Patienten von vornherein Kostenbewilligungen über zwei Wochen hinaus erteilen“, betont der Klinikchef.

Auch Patient Roberto Heinrich hofft darauf, dass die Krankenkassen seinen Klinikaufenthalt noch so lange weiterbezahlen, bis er wirklich und im wahrsten Sinne wieder sicher auf den eigenen Beinen stehen kann.

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