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Mecklenburg-Vorpommern

16. Dezember 2017 | 23:38 Uhr

Dodow : Wie der Apfel in die Safttüte kommt

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Saftriese nimmt neues Werk in Betrieb / Apfelernte automatisiert

Tau liegt auf Wiesen und Blättern, die Sonne dringt langsam durch den Morgennebel. In der Region um Ludwigslust hat die Apfelernte begonnen. Doch nicht romantisch mit Korb und Leiter rücken die Erntehelfer den Früchten zu Leibe. Rüttelmaschinen, gezogen von Traktoren, fahren die Reihen ab. Alle paar Minuten schütteln die Greifer ein Bäumchen durch. Tausende Äpfel prasseln auf Planen, Förderbänder bringen sie in Anhänger, die schließlich aus der Plantage gezogen und umgehend zum neuen Werk des zur Riha Wesergold Getränke GmbH gehörenden Saftproduzenten in Dodow transportiert werden.

Innerhalb weniger Stunden wandert jeder Apfel in die Presse, betont Michael Paul, Leiter des betriebseigenen Mostobstanbaus im nahen Schwechow. Menge und Qualität der Ernte von 560 Hektar Ertragsflächen könnten in diesem Jahr Spitzenwerte erreichen, sagt er. 25 000 Tonnen, davon zehn Prozent Bio-Äpfel, sollen die Plantagen abwerfen und damit das Gros der gesamten Landesernte Mecklenburg-Vorpommerns von insgesamt 32 000 Tonnen.  Angesichts des mit Äpfeln überfüllten europäischen Marktes und des russischen Importverbots seien die Preise aber im Keller und lägen für die Obstbauern bei nur noch sechs Cent je Kilo, schränkt Paul ein. Agrarminister Till Backhaus (SPD) hatte die Verbraucher ermahnt, ihren Landwirten unter die Arme zu greifen und wieder mehr heimische Äpfel zu essen.

In der Griesen Gegend Südwestmecklenburgs dauert die Saison von September bis Ende November. In einem der größten deutschen Apfelanbaugebiete kommen seit 2001 Maschinen für das Einholen der Mostäpfel zum Einsatz. Die „stählernen Erntehelfer“ wurden extra für den ostdeutschen Standort konstruiert. Jeder der drei Automaten schüttelt pro Tag 1500 bis 2000 Bäume leer. Da bleibe kein Apfel hängen, sagt Paul. Den Rüttlern folgen Handarbeiter. Polnische Saisonarbeiter heben alle verschütteten Früchte auf. Pro Tag gehen bis zu 400 Tonnen Obst, 15 Lkw-Ladungen direkt in die Verarbeitung.

Um der jährlich wachsenden Apfelflut Herr zu werden, hat der Saftriese nun kräftig investiert. In den letzten zwölf Monaten flossen 15 Millionen Euro in ein neues Werk mit nun vier statt vormals zwei automatischen Saftpressen. Allein die  Technik kostete acht Millionen Euro. Die Verarbeitungskapazität wurde von 400 auf mindestens 650 Tonnen Obst pro Tag erweitert, sagt Jehring. 487 feste Mitarbeiter zähle das Unternehmen in Dodow und Schwechow. Im Herbst liefen die vollautomatisch gesteuerten Pressen rund um die Uhr. Jede könne stündlich bis zu zehn Tonnen Obst verarbeiten. Insgesamt sollen pro Jahr 50 000 Tonnen Äpfel zu Saft gepresst werden, darunter auch zugekaufte süßere Früchte aus Süddeutschland und Obst aus dem Alten Land bei Hamburg. Rund ein Viertel der Dodower Produkte gingen in den Export.

Laut Ministerium verzehrt im Schnitt jeder Deutsche pro Jahr 16,8 Kilo Äpfel und 8,5 Liter Apfelsaft.

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