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Mecklenburg-Vorpommern

23. September 2017 | 05:59 Uhr

"Wie auf dem Pulverfass"

vom

Der Katastrophenalarm wurde jetzt auch im Nordosten ausgerufen: Im brandenburgischen Mühlberg ist die Elbe nur noch zwei Meter von der Deichkrone entfernt. Die Helfer dort befestigen jetzt mit frischen Sandsäcken den alten, durchweichten Schutzdamm in Hafennähe.

svz.de von
erstellt am 05.Jun.2013 | 09:35 Uhr

Mühlberg | Am Elbe-Deich in Mühlberg herrscht hektische Betriebsamkeit. Pausenlos karren kleine Fahrzeuge Sandsäcke durch die engen Straßen heran. Auf der Dammkrone im Kreis Elbe-Elster stehen Feuerwehrleute und andere Helfer. Mit den Säcken befestigen sie den alten, durchweichten Schutzdamm in Hafennähe. Seit Mittwoch gilt Alarmstufe 4 für diesen Elbabschnitt - es wurde Katastrophenalarm ausgerufen.

Jetzt soll die 2000 Einwohner zählende Altstadt - mit ihren weiteren Ortsteilen hat sie doppelt so viele Bewohner - wie schon bei der großen Flut im Sommer 2002 geräumt werden. "Wir treffen alle Vorkehrungen für die Evakuierung", sagt die stellvertretende Bürgermeisterin Gabriele Kretzschmer (parteilos).

Andreas Neumann wohnt nur einige hundert Meter vom Deich entfernt."Angst vor einer Überflutung habe ich nicht", sagt er. "Der Damm hat im Jahr 2002 gehalten, und seitdem ist er verstärkt worden und wird wieder halten."

Doch die Zeit drängt, denn die Elbe hat in Mühlberg inzwischen die Neun-Meter-Marke überschritten - damals beim Jahrhunderthochwasser stieg der Fluss hier auf 9,98 Meter. Aber die mit Tausenden Sandsäcken verstärkten Deiche hielten dem Druck der Wassermassen stand. Ob sich dieses "Wunder von Mühlberg" wiederholen lässt, weiß derzeit niemand.

Kretzschmer hat mit ihren Kollegen im Rathaus gerade an der Sitzung des Krisenstabes teilgenommen, wo Bürgermeisterin Hannelore Brendel (parteilos) über die alarmierenden Informationen aus dem Hochwasserlagezentrum in der Kreisstadt Herzberg berichtete. "Jetzt werden die Einsatzkräfte zusammengerufen, darunter auch wie damals 2002 Soldaten der Bundeswehr", zeigt sich Kretzschmer erleichtert über die Aussicht auf Hilfe.

Dagegen hat sich in der Stadt mit den ansteigenden Wassermassen Unmut über den schleppenden Informationsfluss aufgebaut. "Bisher wurden wir vom Rathaus nicht informiert, ob wir nun bleiben können oder nicht", schimpft Karin Wendt. "Wir sitzen hier wie auf einem Pulverfass. Wie sollen wir denn wegkommen, wenn auch noch die Brücken gesperrt werden?"

Der Rentner Hartmut Heischmann pflichtet dem bei: "In dieser Stadt sind zwei Drittel der Bewohner ältere Menschen, die kann man im Ernstfall nicht so schnell woanders hinbringen." Doch Kretzschmer kontert: "Wir konnten erst ab der Alarmstufe 4 über eine Evakuierung entscheiden."

Einige Einwohner sind zum Hafen gekommen und schauen auf den breiten Strom. "Dieser Bereich in der Stadt wurde mit Millionenaufwand vor Hochwasser bis elf Meter Höhe gesichert", sagt Brendel. "An anderen Deichabschnitten laufen noch Sanierungsarbeiten, dort werden die Baustellen befestigt."

Eine dieser Baustellen ist in Mühlberg direkt neben der Brücke, die zum sächsischen Riesa führt. Dort ist schwere Technik im Einsatz, um den Schutzdamm zu befestigen. Die Elbe ist noch zwei Meter von der Deichkrone entfernt - der Abstand wird immer geringer.

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