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Mecklenburg-Vorpommern

24. Oktober 2017 | 13:41 Uhr

Lichtenhagen : Wie alles begann

vom
Aus der Onlineredaktion

von
erstellt am 22.Aug.2017 | 05:00 Uhr

Die Bilder wurden zum Symbol rassistisch motivierter Gewalt: In Rostock-Lichtenhagen kam es vor 25 Jahren zu den bis dahin schwersten ausländerfeindlichen Krawallen der deutschen Nachkriegsgeschichte. Flammen schlugen aus einem brennenden Wohnblock. Die Bilder vom Sonnenblumenhaus gingen um die Welt. Sie prägten das Bild von Rostock für viele Jahre. Sie waren aber auch ein Abbild kollektiven Politikversagens. Wie konnte es dazu kommen? Reporter unserer Zeitung verfolgten damals die Ereignisse in Lichtenhagen, waren Tag für Tag dabei. In dieser Woche werden unsere Reporter wieder Zeitzeugen befragen und die Tage im August aus heutiger Sicht einordnen.

Ab Ende 1990 parkte das Innenministerium im Sonnenblumenhaus ankommende Flüchtlinge in der Zentralen Aufnahmestelle für Asylbewerber des Landes. Jeder, der in MV einen Asylantrag stellen wollte, musste dorthin. Mitten in einem sozialen Brennpunkt der Hansestadt. In Lichtenhagen wohnten entlassene Werftarbeiter mit ihren Familien zusammen mit entlassenen Vertragsarbeitern aus Vietnam oder Kuba. Im Frühjahr 1992 stieg die Zahl der Asylbewerber sprunghaft an, zumeist kamen Roma aus dem zusammenfallenden Rumänien. Etwa 200 Menschen lagerten auf dem Rasen vor der Aufnahmestelle. Die hastig aufgestellten Toiletten reichten lange nicht mehr aus. Sanitäranlagen gab es kaum. Der SPD-Oberbürgermeister verwies auf die CDU-Regierung in Schwerin. Die verwies auf Rostock. Später werden SPD-Politiker der CDU in Schwerin und Bonn vorwerfen, dass sie die Verhältnisse für eine schärfere Asylgesetzgebung nutzen wollte. CDU-Politiker werden dem SPD-Innensenator vorwerfen, dass er die Verhältnisse eskalieren ließ, um die Aufnahmestelle aus der Stadt herauszubekommen.

Am 18. August 1992 veröffentlichte unsere Zeitung einen Brief, in dem eine „Interessengemeinschaft Lichtenhagen“ die Stadt zum Handeln aufforderte und mit Gewalt drohte. Der Innensenator antwortet: „Wenn wir weitere Unterkünfte schaffen, kommen noch mehr Asylsuchende.“ Genau heute vor 25 Jahren, am 22. August, kam es zu den ersten Auseinandersetzungen. 30 Polizisten in Straßenuniform standen Hunderten Randalierern gegenüber. Vier Stunden brauchte man, um einen Wasserwerfer aus Schwerin zu holen. Zwei Tage später greifen 900 Randalierer das Asylbewerberheim an.

Innenminister Lothar Kupfer (CDU) wird später jede Verantwortung ablehnen. Im März 1993 trat er zurück.

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