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Castor-Transport : Widerstand gegen Castor bleibt

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Die Protestwelle gegen den Castor-Transport nach Gorleben ist ungebrochen. Und das, obwohl die Bundesregierung die Abschaltung aller Atommeiler beschlossen hat.

svz.de von
erstellt am 28.Nov.2011 | 07:43 Uhr

Gorleben | Die Tricks der Castor-Gegner sind ausgefeilt, der Protest ist zäh. Mit einem Kleintransporter kann Greenpeace die Polizei überrumpeln und eine Route für den Atommüll-Konvoi versperren. Eine Betonpyramide mit vier angeketteten Atomkraftgegnern auf den Gleisen bremst den Zug rund 15 Stunden aus. Die Protestwelle gegen den Castor-Transport nach Gorleben - der letzte mit Atommüll aus der französischen Wiederaufarbeitung in La Hague - ist so groß wie im vergangenen Jahr. Und das, obwohl die schwarz-gelbe Bundesregierung die Abschaltung aller Atommeiler beschlossen hat - noch 2010 war eine solche Kurswende kaum vorstellbar.

Doch die Demonstranten im niedersächsischen Wendland - seit 30 Jahren geprägt vom Atom-Widerstand - beruhigt das nicht. Sie wollen jetzt ein Aus für das Endlager-Projekt im Salzstock Gorleben erreichen. Die Grube wird nach wie vor auf ihre Eignung als atomares Endlager untersucht. Zudem halten Umweltschützer die Strahlung des Atommülls für zu hoch. Die Grenzwerte in der oberirdischen Halle, dem Castor-Zwischenlager, werden aus ihrer Sicht bis zum Jahresende überschritten.

"Die Mobilisierung ist ungebrochen", sagt die Grünen-Bundesvorsitzende Claudia Roth. "Es ist notwendig, den Druck aufrecht zu erhalten, um wirklich einen Atomausstieg und eine Energiewende zu schaffen." Auch Greenpeace kritisierte, die Bundesregierung tue zu wenig für den Ausbau der erneuerbaren Energien.

Tausende Menschen im Wendland sehen das auch so - sie campieren auf einer Straße vor dem Zwischenlager Gorleben. Eingepackt in warme Decken harren sie seit zig Stunden dort aus. "Die Stärke des Protests hat gezeigt, dass das Thema Atomenergie noch lange nicht durch ist. Wir vertrauen nicht darauf, dass die noch laufenden Atomkraftwerke tatsächlich abgeschaltet werden", erklärt die Sprecherin von X-tausendmal quer, Luise Neumann-Cosel.

Die Anti-Atom-Bewegung betrachtet den Atommüll-Transport als bittere Bestätigung dafür, dass sich die Politik bereits auf den Salzstock als Atom-Endlager festgelegt hat. Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) hat zwar mit den Bundesländern eine ergebnisoffene Suche auch nach alternativen Standorten vereinbart, doch daran glaubt im Wendland niemand.

Bei ihrem Protest setzen die Atomkraftgegner überwiegend auf kreative Ideen - die Krawallmacher sind rabiat, beschränken sich aber auf kleine Gruppen. Für die langen Verzögerungen des Castor-Transports sorgen dann auch nicht die Steinewerfer im Wald, sondern erfindungsreiche Wendländer. Mit einer 600 Kilo schweren und komplizierten Beton- und Metall-Konstruktion stellen sie in Hitzacker die Polizei auf die Probe. An dem Klotz waren auf den Schienen vier Atomkraftgegner festgemacht.

"Die Polizei ist eher ein Allrounder, sie kann nicht in jedem Spezialgebiet ein Spitzenergebnis haben, wenn es um Technik geht. Wir bemühen uns, so gut wir können. Manchmal dauert es dann einen Augenblick", meint der Lüneburger Polizeipräsident Friedrich Niehörster gelassen zu der Aktion. Die Linie der Einsatzkräfte: Deeskalation und behutsames Vorgehen - vor allem, um die festgeketteten Menschen nicht zu gefährden.

Kaum ist diese nervenaufreibende Aktion beendet, macht die Umweltschutzorganisation Greenpeace auf der Schlussetappe des Castors eine Straße dicht. Die Protestaktion stellt die Einsatzkräfte, die den Weg für den Castor frei machen müssen, zwar auf eine harte Geduldsprobe. Aber sie bleiben gelassen, solange es ohne Gewalt abgeht.

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