Arnold Delander : Wichtiger Zeitzeuge gestorben

Arnold Delander †
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Arnold Delander †

AG Fünfeichen trauert um Sibirien-Überlebenden

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07. Februar 2018, 21:00 Uhr

Die Arbeitsgemeinschaft (AG) Fünfeichen trauert um einen ihrer wichtigsten Zeitzeugen. Der aus Löcknitz (Kreis Vorpommern-Greifswald) stammende Arnold Delander ist bereits am 1. Februar im Alter von 91 Jahren gestorben, sagte die AG-Leiterin Rita Lüdtke heute in Neubrandenburg. „Er war eines unserer aktivsten Mitglieder, hat sein Schicksal in Sibirien in einem Buch und mehreren Filmen beschrieben und wollte auch am 5. Mai kommen, wenn wir an die Schließung des stalinistischen Zwangslagers vor 70 Jahren erinnern.“

Delander war 1945 als junger Mann, wie Tausende Frauen und Männer, im „Sonderlager Nr. 9“ des Sowjet-Geheimdienstes NKWD in Fünfeichen bei Neubrandenburg eingesperrt worden. Der NKWD hatte ein ehemaliges Kriegsgefangenenlager dafür übernommen. Delander war unschuldig, wie sich später erwies. Er überlebte Hunger, Krankheit und selbst die fünfjährige Deportation in Stalins Zwangslager nach Sibirien bis 1950. „Das Schlimmste danach war, dass wir gar nicht darüber reden durften“, hatte der Löcknitzer zu Lebzeiten mit Blick auf die DDR-Zeit immer wieder betont.

Fünfeichen war von 1939 bis 1945 Kriegsgefangenenlager für 120 000 Soldaten aus elf Nationen. Dabei kamen rund 5600 Gefangene ums Leben, darunter rund 5200 Rotarmisten, an die ein Gräberfeld erinnert. Von 1945 bis 1948 war Fünfeichen eines der größten NKWD-Lager in Ostdeutschland. Etwa 15 000 Menschen wurden eingesperrt. Von ihnen starben etwa 4900 Häftlinge in Fünfeichen, Hunderte wurden deportiert. Solche Lager gab es auch in Sachsenhausen und Buchenwald.

Die Stadt Neubrandenburg und die AG bauten nach 1990 eine gemeinsame Mahn- und Gedenkstätte in Fünfeichen auf. „Als das Lager im April 1948 geschlossen wurde, kamen rund 5000 Häftlinge frei“, sagte Lüdtke. Das sei eine große Erleichterung für viele Familie gewesen, die jahrelang in Ungewissheit gelebt hatten.

„Es wird aber inzwischen für uns immer schwieriger, noch Zeitzeugen zu finden, die über ihre Erlebnisse sprechen“, bedauerte die AG-Leiterin. Anfangs gab es mehr als 200 Überlebende, die bei der Gründung 1991 Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft waren. Jetzt habe die auch politisch anerkannte Interessenvertretung rund 700 Mitglieder, aber es gebe nur noch etwa 80 bekannte Überlebende.

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