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Mecklenburg-Vorpommern

23. November 2017 | 23:34 Uhr

Westliche Rock-Stars in der DDR

vom

svz.de von
erstellt am 05.Jul.2013 | 09:54 Uhr

Warum gab es 1988 eine Invasion von westlichen Rock-Stars in der DDR?

Die Antwort gibt der Journalist Ronald Galenza in seinem Buch über die DDR-Rock-Szene „Wir wollen immer artig sein“: „1987 war der DDR-Rock klinisch tot. Die etablierten Rock-Saurier erstickten an ihrer eigenen Langeweile. Die nachdrängenden Silly, Pankow und Rockhaus versuchten, die Ödnis mit etwas angepaßt-frischen und kritischeren Texten zu füllen. Aber die staatlichen Kulturverweser bemerkten so langsam, dass ihnen die Jugend abhanden kam.“ So stellte die Sektion Rock im Komitee für Unterhaltungskunst bereits im Jahr 1986 fest: „Es gibt keinen generellen Rückgang des Interesses an Rock-Musik, sondern lediglich eine rückläufige Bereitschaft des DDR-Publikums, sich für DDR-Rockmusik zu interessieren.“
Von nun an kümmerten sich die DDR-Kulturfunktionäre verstärkt um populäre West-Bands. So wurde dem erstaunten Volk im Frühjahr 1987 die britische Band Barcley James Harvest im Treptower Park präsentiert. Im September ’87 folgte Bob Dylan. Aber das Jahr 1988 brachte dann ein ganzes Feuerwerk westlicher Rock- und Pop-Stars nach Ost-Berlin. Und das Bruce Springsteen-Konzert im Juli 1988 ging sogar in das Guinnes Buch der Rekorde ein. Es ist bis heute das größte Konzert in Springsteens Live-Karriere.

Der US-Journalist Erik Kirschbaum hat gerade ein Sachbuch unter dem Titel „Rocking The Wall“ veröffentlicht. Er ist der Meinung, dass mindestens 300 000 Zuschauer den Ost-Berliner Springsteen-Auftritt erlebt haben. Das war ein einsamer Weltrekord. Die Einmaligkeit dieses Auftritts erkannte der Publizist Christoph Dieckmann bereits im Jahr 1988. Er schrieb damals: „Wer kommt als nächster? Nach Bruce Superlative sollten wir einen Moment innehalten. Wir völkerwandern Mal um Mal nach Weißensee zu Joe Cocker, zu den Rainbirds, zu James Brown, Marillion, Bic Country, Brian Adams...“ Tatsächlich gab es Pläne in der FDJ, für das Jahr 1989 U2 und die Dire Straits einzuladen. Am Ende spielten nur noch die Rolling Stones in Berlin-Weißensee. Aber da war die Mauer bereits gefallen. ulig

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