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Mecklenburg-Vorpommern

19. November 2017 | 21:08 Uhr

25 Jahre MV : Westfernsehen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Karl-Heinz Niemann aus Boizenburg erzählt seine Wendegeschichte.

svz.de von
erstellt am 03.Mai.2015 | 08:00 Uhr

Meine Eltern, meine Frau , unser Sohn und ich wohnten in einem Haus in einem kleinen Dorf nahe der Elbe im Sperrgebiet. Hier durfte man nur wohnen mit einem entsprechenden Stempel im Ausweis. Besucher konnte man nur empfangen, wenn diese Passierscheine besaßen.

Es war die Zeit des entstehenden Fernsehens. Die ersten Apparate wurden noch aus Westberlin bezogen. Sensationell war es schon, sehen zu können, was so passiert. Wir konnten uns aber noch keinen leisten. Anfang 1960 aber kauften wir uns auch einen Fernseher. Ich besorgte mir einen Holzmast, baute eine Doppelschleife Antenne daran und stellte den Mast im Vorgarten des Hauses auf. Damit konnten wir das Programm des DDR-Fernsehens und auch das Westprogramm empfangen. Es war ja nicht verboten, das Westprogramm zu sehen. Man durfte nur nicht in der Öffentlichkeit darüber sprechen.

Nach einigen Jahren, 1965, wurde meine Frau in der nahe gelegenen Baracke der Grenztruppe als Köchin eingestellt. Nun aber musste meine Antenne verschwinden. Meine Frau durfte kein Westfernsehen schauen. Sie wäre fristlos entlassen worden.

Inzwischen hatte ich schon die Antenne für die zweiten Programme auf dem Hausboden installiert. Jetzt kam die Doppelschleife hinzu, und 1982 auch die für RTL und SAT1. Wir konnten schon zwischen einer ganzen Menge Sender wählen.

Beim Kauf des ersten Farbfernsehers hatten wir besonderes Glück. Bei den Grenzern gab es ja die Aufklärer. Und die kamen, auch neben Leuten aus dem Dorf, denen man nicht trauen konnte, doch ab und zu mal, um Neues zu erfahren. Unser Fernsehapparat aber konnte zu jeder Zeit angestellt werden und immer war es der Kanal 1, der anging. Natürlich hatte ich den Sender DDR 1 darauf programmiert. So ist es die ganzen Jahre bis zur Wende gelaufen, und wir waren immer gut informiert.

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