Wende 1989 in Schwerin : Wessis erklären, warum die Mauer fiel

Heiko Lietz
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Aktivisten der Wende in der DDR kritisieren Rednerwahl des Festaktes zum 9. November in Schwerin

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05. November 2014, 21:30 Uhr

Menschenrechtler und frühere Politiker kritisierten gestern die Wahl der Redner beim Festakt am 9. November in Schwerin. Festredner werden laut Regierungssprecher Andreas Timm die Ministerpräsidenten Mecklenburg-Vorpommerns und Schleswig-Holsteins, Erwin Sellering und Torsten Albig (beide SPD), sein. „Es müsste jemand sprechen, der das Geschehen unmittelbar erlebt hat und präsentieren kann“, sagte Heiko Lietz. Er war einer der Wende-Aktivisten und saß am Runden Tisch in Berlin.

Ein Kritiker ist Ex-Ministerpräsident Berndt Seite (CDU). „Ich finde es seltsam, dass uns zwei Ministerpräsidenten, die aus dem Westen stammen, erklären wollen, warum die Mauer gefallen ist“, erläuterte Seite. Er hätte es gut gefunden, wenn jemand wie Lietz gesprochen hätte: „Er hätte es treffend formulieren können.“ Seite will, wie andere, gar nicht nach Schwerin fahren.

Sehr zum Missfallen von Dr. Norbert Nieszery, SPD-Fraktionschef im Schweriner Landtag. „Wer glaubt, sich dieser Ehrerbietung für die mutigen Menschen in der DDR entziehen zu müssen, muss das mit seinem Gewissen vereinbaren“, sagte der gebürtige Schleswiger.

Man habe sich bewusst für einen gemeinsamen Festakt entschieden, „weil bei uns eben die Grenze zwischen dem heutigen Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein geöffnet wurde“, argumentierte Timm. Nach den Festreden sei eine Podiumsdiskussion mit Zeitzeugen aus Ost und West geplant.

Trotzdem will auch Historiker Fred Mrotzek, Sprecher des Verbandes der Opfer des Stalinismus, nicht hinfahren. Die Festredner seien Leute, die damals kaum wussten, was DDR bedeutete. Man könne nicht der Mauer-Opfer und des großartigen Mauerfalls gedenken, aber so tun, als wenn die DDR kein Unrechtsstaat gewesen sei, kritisierte Mrotzek Äußerungen Sellerings. Laut „Nordkurier“ bleiben auch Ex-Landtagspräsident Rainer Prachtl und weitere Wende-Aktivisten wegen der Rednerwahl dem Festakt fern.

DDR-Bürgerrechtler Lietz (71), der die friedliche Revolution in Güstrow organisierte, sagt hingegen: „Ich werde zum Festakt gehen, weil ich das Podium nicht einfach denen überlassen will, die es beschlagnahmen“, meinte er.

Martin Klähn, Mitgründer des Neuen Forums in Schwerin, will ebenfalls zum Festakt gehen. „Ich hätte es aber auch besser gefunden, wenn jemand sprechen würde, der das aus eigenem Erleben schildern könnte.“ Er vermute, dass das eher „eine Feier der Wiedervereinigung und das Lobpreisen der Ergebnisse“ werden könnte. „Das ist aber erst im Oktober 2015 dran“, sagte Klähn.

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