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Stadtarchiv Stralsund : Wertvoller Luther-Brief wiederentdeckt

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Jahrzehntelang lagerte ein bedeutendes Schriftstück der Reformatoren Martin Luther, Philipp Melanchthon und Johannes Bugenhagen unbeachtet im Stralsunder Stadtarchiv. Jetzt wurde es wiederentdeckt.

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erstellt am 16.Dez.2011 | 11:07 Uhr

Stralsund | Eine seit dem Zweiten Weltkrieg verschollen geglaubte Abschrift eines Luther-Briefes aus dem Jahr 1545 ist im Stralsunder Stadtarchiv wiederentdeckt worden. Dieses Dokument, das Martin Luther sowie die Reformatoren Johannes Bugenhagen und Philipp Melanchthon als Unterzeichner ausweist, habe einen großen kulturwissenschaftlichen und quellenhistorischen Wert, sagte die Leiterin des Stralsunder Stadtarchivs, Regina Nehmzow: "Der Fund ist eine Sensation." Das etwas mehr als ein DIN A4 große, eng beschriebene Schriftstück vom 2. Juli 1545 steckte mit anderen Dokumenten in einer im Stadtarchiv verwahrten Kirchenakte aus dem 16. Jahrhundert. Es gilt als einzige handschriftliche Quelle des im gleichen Jahr verfassten Briefes, wie die Leiterin der Melanchthon-Forschungsstelle der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Christine Mundhenk, sagte. Recherchen der Forschungsstelle hatten die Suche im Stralsunder Stadtarchiv ausgelöst.

Der Originalbrief, der der nun aufgefundenen Abschrift zu Grunde liegt, gilt als verloren. Trotzdem sind die Stralsunder Archivare und auch die Heidelberger Wissenschaftler überzeugt, dass die Abschrift authentisch ist. Sie verweisen auf das Papier, die Schrift und den stimmigen Bezug auf belegbare historische Ereignisse. Das Wittenberger Dreigestirn der Reformation hatte sich mit dem Brief in einen Konflikt zwischen dem damaligen Pommmernherzog Barnim IX. (1501-1573) und der in Hinterpommern gelegenen Stadt Stolp eingeschaltet, der im Zuge der Reformation die beiden Stolper Klöster zugesprochen waren, wie die Historikerin Nehmzow berichtete.

Im Jahr 1545 ritt Barnim in die Stadt ein, besetzte die Güter und jagte den Rat aus seinen Ämtern. Mit schmiegsamen Worten fordern Luther, Melanchthon und Bugenhagen in dem Brief den Herzog auf, Milde walten zu lassen und die Protagonisten des Stolper Rates, Simon von Wolder und Peter Suave, zu rehabilitieren. "Darumb bitten wir in underthenigkeit, S.f.g. (Seiner fürstlichen Gnaden), wollen die gefaste ungnad wider die bemelten Peter und Simon von Stolpen gnediglich und gott zu ehren von Inen abwenden." Sie erinnern an die Eltern des Herzogs, die "Thyrannei hassen", und üben dann im freundlichen Ton Kritik an dem Rausschmiss der Ratsherren. Barnim habe wohl "in diese Sachen etwas zu viell gethan". Besondere Wirkung hatte der Brief allerdings nicht gezeigt. "Die Auseinandersetzung lief noch über Jahrzehnte und führte nicht zu einer Lösung", sagte Nehmzow.

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