Wirtschaft : Werk schließt: „Rügener Badejunge“ kommt künftig aus Thüringen

Der Kult-Camembert wird möglicherweise künftig nicht mehr auf der Insel Rügen produziert.

Der Kult-Camembert wird möglicherweise künftig nicht mehr auf der Insel Rügen produziert.

Nun ist es heraus: Der Camembert „Rügener Badejunge“ wird nur noch zwei Jahre lang auf Rügen produziert. Das Deutsche Milchkontor will das Werk aus Kostengründen schließen.

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28. Juni 2017, 20:45 Uhr

Der Traditions-Camembert „Rügener Badejunge“ wird ab Mitte 2019 nicht mehr auf der Insel sondern im thüringischen Altenburg produziert. Die Herstellung des Käses auf Rügen hat dem Deutschen Milchkontor (DMK) nach eigenen Angaben zuletzt rund zwei Millionen Euro Defizit pro Jahr gebracht. Selbst hohe Investitionen in eine Modernisierung des Werkes in Bergen würden nicht zu wettbewerbsfähigen Produktionskosten führen, begründete das Molkereiunternehmen am Mittwoch die Entscheidung. Es produziert den Weichkäse im Auftrag der Rotkäppchen Peter Jülich GmbH. Preissteigerungen seien am Markt nicht umsetzbar.

Das Rügener Werk mit 56 Mitarbeitern soll nach Angaben der DMK Group geschlossen werden. Als weiteren Grund auch für die Schließung anderer Werke nannte die Molkereigenossenschaft die Kündigungen von Milcherzeugern und die damit verbundene reduzierte Milchmenge. Der Aufsichtsrat müsse den Plänen noch zustimmen.

Nach Angaben der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten hat die DMK-Geschäftsführung die Belegschaft in Bergen am Mittwoch über das geplante Ende der Produktion 2019 informiert. „Die Nachricht hat große Betroffenheit und Entsetzen unter den Mitarbeitern hervorgerufen, die zum großen Teil langjährig beschäftigt sind“, sagte NGG-Geschäftsführer Jörg Dahms. Der „Badejunge“ wird seit 1953 auf Rügen produziert, seit 1991 für die Dortmunder Rotkäppchen Peter Jülich GmbH. Diese will nun den Käse im Stammwerk in Thüringen herstellen.

Agrarminister Till Backhaus (SPD) äußerte sich zutiefst enttäuscht über die Entscheidung des DMK, den Molkereistandort auf Rügen zu schließen. 56 Arbeitsplätze seien gefährdet. Er werde dafür kämpfen, dass sozialverträgliche Lösungen für die Arbeitnehmer gefunden werden, kündigte er an.„Die Kündigungen der Milchviehhalter sind ein Ausdruck für die Unzufriedenheit über das Verhältnis Milchproduzent und verarbeitendes Unternehmen“, sagte der Minister. Milchbauern fordern seit Jahren Verträge, in denen Menge, Qualität und Preis der gelieferten Milch vereinbart werden. Backhaus unterstützte dies. Es müsse ein Verhältnis auf Augenhöhe zwischen Milchproduzent und verarbeitendem Unternehmen geben.

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