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P+S: Heute droht die Insolvenz : Werften vor der Entscheidung

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Akute Insolvenzgefahr auf den P+S-Werften: Nach den tagelang geführten verzweifelten Nachverhandlungen mit Kunden und Lieferanten scheint die Suche nach frischem Geld für die Werften erfolglos geblieben sein.

svz.de von
erstellt am 29.Aug.2012 | 11:35 Uhr

Stralsund/Schwerin | Für die von der Insolvenz bedrohten P+S-Werften in Stralsund und Wolgast steht die Entscheidung kurz bevor. Werftenmanager Fuchs wollte nach Angaben seines Sprechers bis Dienstagabend die Gespräche mit Kunden und Lieferanten zu Ende bringen. Noch in der Nacht wollte er eine Bewertung vornehmen. "Wir können eine Insolvenz nicht mehr ausschließen", sagte ein Werftensprecher gestern.

Der Zeitdruck ist groß, vor allem weil Ende dieser Woche die Löhne der knapp 2000 Werftarbeiter sowie Sozialabgaben fällig sind - schätzungsweise fünf Millionen Euro. Auch Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) rechnete mit einer baldigen Entscheidung. Er sieht das Land aber weiter in der Pflicht: "Auch im schlimmsten Fall wird sich das Land nicht aus der Verantwortung stehlen", sagte er gestern in Schwerin. Details nannte er nicht. Nur soviel: So wolle das Land mit der Bundesanstalt für Arbeit darüber beraten, wie im Fall einer Insolvenz das Einkommen für die 1800 Werftarbeiter gesichert werden könne. Zudem solle die Fortführungsperspektive bewertet werden. Ob sich das Land, wie im Fall der vor 2009 in die Insolvenz gegangenen Werften in Wismar und Rostock, auch an einer Transfergesellschaft für die von der Pleite betroffenen Mitarbeiter beteiligen werde, ließ Glawe offen. An der Auffanggesellschaft in Wismar und Rostock hatte sich das Land mit 15 Millionen Euro beteiligt.

Mit der drohenden Werftenpleite in Stralsund und Wolgast könnten auf das Land Millionenbelastungen zukommen. Laut Glawe steht das Land bislang für Schiffbau- und Liquiditätskredite im Umfang von 271 Millionen Euro gerade. Zudem verbürgt auch der Bund Schiffbaukredite im Umfang von rund 170 Millionen Euro. Vor gut einer Woche hatten Land und Bund die staatliche Rettungsbeihilfe für die Werften gestoppt, nachdem 70 Millionen der dafür bereitgestellten 152 Millionen Euro ausgezahlt worden waren. Ein Insolvenzantrag lässt sich nach Angaben der Werft nur vermeiden, wenn Kunden und Lieferanten zu finanziellen Zugeständnissen bereit sind.

Eine zentrale Rolle spielt dabei die Reederei Scandlines als wichtiger Kunde. Die Auslieferung zweier Fähren verzögert sich Werftangaben zufolge inzwischen auf Januar und Mai 2013. "Die Scandlines-Fähren sind ein wichtiger Bestandteil des Zukunftskonzeptes für die Volkswerft Stralsund", sagte ein Werftensprecher. Aber: "Scandlines mauert." Statt über die Arbeiten an den zwei Scandlines-Fähren zu verhandeln, liefern sich Scandlines und die P+S-Werften seit Montag einen öffentlichen Schlagabtausch.

Die beiden Fähren sollten ursprünglich seit Sommer zwischen Rostock und Gedser pendeln. Sie wurden wegen ungelöster Bauprobleme bisher nicht fertiggestellt. Scandlines befürchtet, dass die Fähren zu schwer sind und wegen des höheren Tiefganges auf der Linie Rostock-Gedser nicht eingesetzt werden können. Scandlines kritisierte, die Werft habe der Reederei bisher "keine hinreichenden Informationen zukommen lassen, die garantieren, dass die Neubauten nach den vereinbarten technischen Vorgaben geliefert werden können". Ein für Dienstag von der P+S-Werftenleitung geplantes Gespräch mit der Reederei fand nicht statt.

Der Betriebsrat in Stralsund hofft trotz der stockenden Verhandlungen mit Scandlines auf eine Zukunft der P+S-Werften. "Die Hoffnung stirbt zuletzt", erklärte Betriebsratsvorsitzender Jürgen Kräplin. Glawe sagte: "Auch aus einer Insolvenz können neue Chancen erwachsen, wie das Beispiel der Nordic-Werften in Wismar und Rostock gezeigt hat." Diese hätten nach dem Neubeginn 2009 mit dem Bau von Umspannplattformen für Windparks auf See ein neues, zukunftsfähiges Geschäftsfeld für sich erschlossen. Die meisten der seinerzeit von der Pleite betroffenen 2400 Schiffbauer haben indes wieder Arbeit gefunden. Auf den Werften sind inzwischen wieder mehr als 1000 Schiffbauer in Lohn und Brot. In Wismar sind derzeit noch 82 ehemalige Mitarbeiter arbeitslos gemeldet. Anfangs seien es 550 gewesen, sagte Edgar Macke von der Agentur für Arbeit gegenüber dieser Zeitung. Die meisten Werftarbeiter seien bei Betrieben in der Region untergekommen. "Nur wenige fahren über den Tagespendelbereich hinaus", so Macke. Vor allem die gut qualifizierten Kräfte seien schnell wieder untergekommen. Die Hälfte der noch arbeitslos gemeldeten Schiffbauer ist über 60 Jahre alt und nur sieben von ihnen jünger als 50 Jahre. Wegen ihres Alters und ihrer langen Betriebszugehörigkeit hatten viele von ihnen Anspruch auf zwei Jahre Arbeitslosengeld. Die Insolvenz der damaligen Wadan-Werft sei für die Stadt und die Region dennoch "ein herber Dämpfer gewesen", der zum Glück dank der insgesamt guten Entwicklung Wismars recht gut verkraftet werden konnte. Die in Wismars Hafen angesiedelte Holz-Industrie habe sich nach einer Phase der Kurzarbeit stabilisiert und neue Arbeitsplätze geboten. Manche kleine und mittlere neue Firmen hätten sich in der Stadt angesiedelt.

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