IHK-Jahresempfang : Werften kurbeln Wirtschaft an

Sind guter Stimmung: 350 Unternehmer beim IHK-Wirtschaftsgipfel in Schwerin
Sind guter Stimmung: 350 Unternehmer beim IHK-Wirtschaftsgipfel in Schwerin

Unternehmer bei IHK-Jahresempfang in Schwerin in Beststimmung: Konjunkturindex erreicht Allzeithoch

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24. Mai 2018, 20:45 Uhr

Stimmungshoch in der Wirtschaft: In den Unternehmen in Westmecklenburg ist der Konjunkturindex auf das höchste Niveau aller Zeiten geklettert. Volle Auftragsbücher, gute Geschäftsaussichten: „So gut ging es den Unternehmen noch nie zuvor“, erklärte Hans Thon, Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) beim Jahresempfang der Kammer. Fast zwei Drittel der Firmen bewerteten ihre Geschäftslage als gut, gehe aus dem Konjunkturbericht hervor. Insbesondere das verarbeitende Gewerbe, das Baugewerbe und Dienstleister würden von einer sehr guten Auftragslage sprechen.

Neue Glanzzeiten auch in der maritimen Industrie: Nach Konkursen, Auftragsflauten und Massenentlassungen in den vergangenen Krisenjahren stützen inzwischen die Werften wieder die Entwicklung. Die Branche habe sich mit 300 Firmen und 10 000 Beschäftigten wieder zu einem bedeutenden Arbeitgeber im verarbeitenden Gewerbe entwickelt, meinte Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU): „Aufbruchstimmung im Land.“ Mit dem Einstieg des malaysischen Genting-Konzerns hätten die Schiffbauer und Zulieferer die Chance in den nächsten zehn Jahren Schiffe zu bauen – die größten Kreuzfahrer der Welt.

Betrieb in den Schiffbauhallen in Wismar, Warnemünde und Stralsund: Nach den ersten vier Flusskreuzfahrern konzentrierten sich MV Werften jetzt auf den Bau großer Kreuzfahrer, erklärte Axel Rothe, Materialchef der MV Werften: „Das war der Stresstest.“ Nach zwei Jahren Vorbereitung sei an allen drei Standorten die Produktion gestartet. Aufträge für Lieferanten: Die würden 80 Prozent der Wertschöpfung an einem Schiff erarbeiten. Wie im Holzwerk Egger in Wismar: Dort werde derzeit ein spezieller Boden für Schiffskabinen entwickelt und mit MV Werften über einen entsprechenden Liefervertrag verhandelt, sagte Egger-Finanzchef Jürgen Buck. Das bringt Arbeit nach MV: Zu den bislang 1200 Beschäftigten seien allein auf den Werften 800 neue Mitarbeiter eingestellt worden – nach einer „großen Welle von Rückkehrern“, meinte Rothe.

Schiffbau im Aufwind: Für die maritime Industrie in MV stünden „die Zeichen wieder auf Wachstum“, meinte Glawe. 2017 seien von den sechs größeren Werften im Land mit Hilfe der Zulieferer elf Neubauten abgeliefert worden. Das Land sei auf dem Weg „zu einem erfolgreichen Wirtschaftsstandort mit internationaler Bedeutung“, sagte IHK-Präsident Thon.

Wermutstropfen im Stimmungshoch: Werften, Zulieferer – der Wirtschaft gehen die Fachkräfte aus. 64 Prozent der Unternehmen in Westmecklenburg würden in der Personalnot „ein handfestes Wachstumshemmnis“ sehen, meinte Kammerpräsident Thon. Inzwischen könnten Firmen die Nachfrage nicht mehr decken, weil ihnen die Fachleute fehlten. Bundesweit würden jährlich 300 000 Fachkräfte mehr ausscheiden als jüngere nachkommen, erklärte Eric Schweitzer, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) und forderte eine Stärkung der dualen Berufsausbildung: In Deutschland brauche es mehr gesellschaftliche Anerkennung für die berufliche Bildung. Zudem müsse die Ganztagsbetreuung an Schulen verbessert und die Öffnungszeiten von Kitas den Arbeitszeiten angepasst werden. Auch komme Deutschland um ein Fachkräftezuwanderungsgesetz nicht herum.

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