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Nordic-Yards-Werften : Werften in MV in russischer Hand

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Landesregierung für Verkauf des Stralsunder Schiffbaubetriebes an Nordic-Eigner Jussufow

svz.de von
erstellt am 22.Apr.2014 | 20:00 Uhr

Aufatmen im Dock: Fast zwei Jahre nach der Pleite soll die P+S-Werft Stralsund an den Eigner der beiden Nordic-Yards-Werften in Wismar und Warnemünde, den russischen Investor Witali Jussufow, verkauft werden – für 6,5 Millionen Euro, bestätigte Nordic Yards gestern. Wie es hieß, hatte Werftchef Jussufow sein Angebot zum Schluss noch einmal um 3,5 Millionen Euro aufgestockt. Das Land habe sich für den Verkauf ausgesprochen, teilten Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) und Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) nach einer Kabinettssitzung gestern in Schwerin mit. Jussufow habe sein bisher eingereichtes Angebot „deutlich“ verbessert und für den Standort eine Arbeitsplatzgarantie abgegeben. Ingenieuren und einem Aufbauteam solle bereits Anfang Mai ein Job angeboten werden, kündigte Nordic Yards an – etwa 70 Mitarbeiter, bis Ende des Jahres sollen 250 Schiffbauer beschäftigt werden. „Bis Ende 2017 sollen wieder 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf der Volkswerft tätig sein“, sagte Insolvenzverwalter Berthold Brinkmann. Zudem übernehme Jussufow 26 Auszubildende. Die Mitarbeiter würden zu Tarifbedingungen wie in Wismar und Warnemünde eingestellt, sicherte Werftsprecher Stefan Sprunk gestern zu. Eine entgültige Verkaufsentscheidung will das Land in der ersten Mai-Hälfte treffen – nach Abschluss der Vertragsverhandlungen.

Mit der Jussufow-Empfehlung sind die Angebote anderer Interessenten vom Tisch: So wollte sich der Kranbauer Liebherr in einem maritimen Industriepark auf dem Werftgelände in Stralsund ansiedeln. Voraussetzung: Eine für etwa 300 Millionen Euro in einem Schutzgebiet auf 52 Kilometern tiefer ausgebaggerte Fahrrinne nach Stralsund. Trotz Hilfe des Bundes sei der Plan „nicht realisierbar“, sagte Sellering. Liebherr zog gestern sein Angebot zurück.

Für seinen Einstieg nimmt Jussufow frisches Geld in die Hand: Für den Kauf der Werften in Wismar und Warnemünde hatte er vor fünf Jahren 40 Millionen Euro auf den Tisch gelegt – und beim Abschluss eines Beschäftigungspaktes 1200 Jobs versprochen. Zum Vergleich: Derzeit sind an beiden Standorten nach Werftangeben 1250 Mitarbeiter beschäftigt, wegen fehlender Beschäftigung allerdings etwa 60 in Kurzarbeit. Nun sollen neben dem Kaufpreis von 6,5 Millionen Euro weitere 15 Millionen Euro investiert werden. Das Kapital werde von Jussufow selbst aufgebracht und gehe nicht zu Lasten von Wismar und Warnemünde, sagte Werftsprecher Sprunk. Der Einstieg biete der Volkswerft eine „belastbare Perspektive“, erklärte Nordic-Geschäftsführer Jürgen Wollny.

Nach Wismar und Warnemünde siedelt Jussufow nun auch in Stralsund am dritten großen Schiffbaustandort: Der Sohn des ehemaligen russischen Energieministers Igor Jussufow will damit größer ins Offshore-Geschäft einsteigen. Kürzere Bauzeiten von Plattformen, Offshore-Spezialschiffe: Derzeit werde über vier Projekte verhandelt, sagte Werftsprecher Sprunk. Früheren Angaben zufolge soll im Herbst mit dem Bau begonnen werden. So verspreche sich Nordic Aufträge für neue Offshore-Anlagen für Windparks aber auch für die Gas- und Ölförderung: „Da müssen Milliarden investiert werden“, sagte Sprunk. Stralsund habe sich bereits früher mit Offshore-Spezialschiffen einen Namen gemacht.

 

 

 

 

 



 

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