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P+S-Gruppe verschiebt Liefertermine für Großfähren erneut : Werft in Not: Sanierungsplan wackelt

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Das könnte das Aus für die Volkswerft Stralsund bedeuten: Das mit Mühe aufgestellte Sanierungskonzept für die P+S-Werften gerät ins Wanken. Den Schiffbauern fehlt Geld. Das Land stoppt vorerst seine Notkredite.

svz.de von
erstellt am 17.Aug.2012 | 07:24 Uhr

Schwerin | Das könnte das Aus für die Volkswerft Stralsund bedeuten: Das mit Mühe aufgestellte millionenschwere Sanierungskonzept für die P+S-Werften in Wolgast und Stralsund gerät nach der gestern eingeräumten erneuten Verzögerung bei der Auslieferung der beiden Großfähren für die Scandlines-Reederei ins Wanken. "Erste Erkenntnisse, dass es zu Lieferverzögerungen kommen wird, liegen jetzt vor. Deshalb steht das Unternehmen bereits in Abstimmungsgesprächen mit seinen Kunden und Lieferanten", hieß es in einer knappen Mitteilung - die Folgen könnten die Werft jetzt die Existenz kosten. Davor waren die Werften bislang nur durch Millionendarlehen des Landes und des Bundes bewahrt worden.

Land und Bund hatten im Juni Notkrediten von bis zu 152 Millionen Euro unter der Voraussetzung zugestimmt, dass beide Fähren bis September bzw. November ausgeliefert würden - mit vorbehaltlicher Genehmigung der EU-Kommission. "Nicht frei von Risiken", hatte Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) damals gewarnt. Jetzt spitzt sich die Lage zu: Die technischen Probleme scheinen größer als der Anfang August abgelöste Werftchef Dieter Brammertz eingeräumt hatte. Brammertz soll Land, Bund und EU bei allen Verhandlungen über das Sanierungspaket über das wahre Ausmaß der Probleme beim Fährenbau im Unklaren gelassen haben. Inzwischen sollen auch die ersten Lieferanten unruhig geworden sein und Aufträge nur noch gegen Vorkasse erledigen. Klar scheint, dass das Sanierungskonzept Brammertz in dem bis Dezember gesetzten Zeitplan nicht mehr umzusetzen ist. Darauf deuten erste Ergebnisse der jetzt eingeleiteten Überprüfungen des neuen Werftchefs Rüdiger Fuchs.

Ursprünglich sollten die beiden Fähren bereits im Mai übergeben werden. Gravierende technische Probleme brachten den Termin aber zu Fall. So habe es konstruktive Änderungswünsche währen der Bauphase gegeben, teilte Werftsprecherin Britt Fischer-Jahn gestern mit. Zur Erhöhung des Brandschutzes hätten dänische Behörden u. a. verlangt, die leichte Lüftung mit einem Millimeter dicken Rohren gegen schwere Lüftung mit zehn Millimeter dicken Rohren auszutauschen.

Die Überlebenschancen für die beiden Schiffbaubetriebe werden indes immer kleiner: Die Pannen beim Bau der beiden Fähren hatten auf den P+S-Werften ein Finanzloch von 300 Millionen Euro in die Firmenkasse gerissen. Die jetzt eingeräumte Lieferverzögerung bringt die Werft nun erneut in akute Liquiditätsnot. Bislang sind 70 der zugesagten 152 Millionen Euro ausgezahlt worden, teilte das Wirtschaftsministerium gestern mit. Weitere Auszahlungen hat das Land vorerst gestoppt. Zunächst solle geklärt werden, inwieweit das vereinbarte Sanierungskonzept noch umgesetzt werden könne, hieß es. Erste Prüfergebnisse und ein überarbeiteter Rettungsplan sollen offenbar auf einem weiteren Krisentreffen am Montag in Schwerin vorgestellt werden. Regierungssprecher Andreas Timm bestätigte gestern das Treffen. Indes dürften auch in Brüssel die Vorbehalte gegen die nur vorläufig genehmigte Werftenhilfe größer werden. Die endgültige Zustimmung hatte die EU-Kommission von der Vorlage eines schlüssigen Sanierungsplanes abhängig gemacht. Ohne Geld vom Land dürfte Werftchef Fuchs allerdings nur noch der Weg zum Amtsrichter bleiben. In Regierungskreisen wird inzwischen auch ein Konkurs der Werften nicht mehr ausgeschlossen.

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