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Zukunftsangst am Strelasund : Werft findet keinen Käufer

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Der insolventen P+S-Werft in Stralsund droht die endgültige Schließung. Auch nach monatelanger Suche findet sich für den Schiffbaubetrieb noch immer kein neuer Geldgeber. Der Investorenprozess ist vorerst gescheitert.

svz.de von
erstellt am 14.Jun.2013 | 10:08 Uhr

Schwerin | Zukunftsangst am Strelasund: Der insolventen P+S-Werft in Stralsund droht die endgültige Schließung. Auch nach monatelanger Suche findet sich für den Schiffbaubetrieb noch immer kein neuer Geldgeber. Man sei um einen Investor bemüht, ließ Insolvenzverwalter Berthold Brinkmann gestern mitteilen. Aber: Er führe "keine Verhandlungen". Damit ist der vor knapp zwei Monaten nochmals forcierte Investorenprozess vorerst gescheitert. Brinkmann hatte schon bei der Gläubigerversammlung Anfang April erklärt, es sei "in naher Zukunft mit keinem Ergebnis" zu rechnen. Bei "hunderten Adressen" habe man für die Werft geworben. Es bleibe "ziemlich schwierig", einen Käufer zu finden, so Brinkmann. Es gebe "ein deutlich zu geringes Interesse".

Mit der ergebnislosen Investorensuche haben die Stralsunder Schiffbauer die Finanzierungskrise im deutschen Schiffbau deutlich zu spüren bekommen. Kapitalgeber halten sich zurück, da die Banken nahezu vollständig aus der Finanzierung neuer Schiffbauaufträge ausgestiegen sind. Zudem rächt sich jetzt die vom Land für den Schiffbau in MV auf 200 Millionen Euro begrenzte Bürgschaftsvergabe. Die Staatsgarantien reichen derzeit gerade für Aufträge der beiden Nordic-Werften in Wismar und Warnemünde. Für mögliche Neubauaufträge auf der Volkswerft bleibe kein Platz, heißt es bei Branchenkennern. Dadurch fehle das Vertrauen in ausreichende Staatsbürgschaften für mögliche Neubauaufträge auf der Volkswerft.

Für die Schiffbauer wird die Zeit immer knapper: Während sich für die bisherigen Kollegen in Wolgast durch die Übernahme der P+S-Werft durch die Lürssen-Gruppe Perspektiven zeigen, droht dem Schiffbau nach mehr als sieben Jahrzehnten am Strelasund 2014 das Ende. Bis Mitte kommenden Jahres habe die Gläubigerversammlung der Fortführung der Werft zugestimmt, erklärte Cord Schellenberg, Sprecher des Insolvenzverwalters. Die Finanzierung sei gesichert - aus den Einnahmen für den Verkauf der Wolgaster Werft, der Küstenwachschiffe für die schwedische Marine und Abschläge für die DFDS-Schiffe. Damit könnten sowohl Löhne als auch die Lieferanten bezahlt werden, sagte Schellenberg. Eine Weiterführung über Mitte 2014 hinaus sei nur durch einen Verkauf der Werft möglich.

Noch gebe es allerdings Arbeit im Dock. Bis zum ersten Quartal 2014 müsse das letzte von zwei Spezialschiffen für die DFDS-Reederei abgeliefert werden.

Von den einst 1700 Beschäftigten auf den P+S-Werften in Wolgast und Stralsund sind im Auftrag der P+S-Werft derzeit noch 530 Schiffbauer bei der Stralsunder Schiffbaugesellschaft beschäftigt. Weitere 50 Kollegen stehen direkt auf der P+S-Lohnliste. 933 Schiffbauer sind für die nächsten Monate bei der Transfergesellschaft untergekommen.

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