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Respekt vor Recht und Gesetz : „Werde mich bei der Polizei entschuldigen“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Respekt und Anerkennung für Ordnungshüter – gibt es das überhaupt noch? Ja – wie die se Briefe und Schreiben zeigen.

svz.de von
erstellt am 14.Mär.2017 | 06:00 Uhr

Die beiden Polizisten wollten den betrunkenen und verwirrten Mann vor dem Hauseingang in einem Rostocker Stadtteil eigentlich nur schnell ins Warme bringen. Es war ein kalter Februarmorgen und der 30-Jährige trug nur Socken und eine Unterhose. Auf die Präsenz der Ordnungshüter reagierte der Mann allerdings mit heftiger Gegenwehr: Er fing an, die Beamten zu beleidigen, trat nach ihnen und bespuckte sie.

Unter der Überschrift „Eigentlich wollten wir nur helfen…“ veröffentlichte die Rostocker Polizei den Vorfall noch am selben Tag auf ihrer Facebook-Seite – und erhielt eine Reaktion, mit der wohl niemand gerechnet hatte. Der Randalierer meldete sich reumütig zu Wort: „Auch ich bin dankbar für das Eingreifen der Beamten“, schrieb der junge Mann. Er sei auch gerade bei der Polizei gewesen, um sich zu entschuldigen, „leider waren die Beamten nicht anzutreffen, aber das werde ich am Freitagmorgen nachholen“, schrieb er weiter. Und er hielt sein Wort.

Der Mann erschien tatsächlich im Revier und erklärte den Beamten, dass ihm der Ausraster leid tue. „Dass sich ein Beschuldigter direkt an uns wendet und sich entschuldigt, war schon ungewöhnlich und kommt eher selten vor“, erinnert sich Polizeisprecher André Täschner.

Soziale Medien wie Facebook und Twitter sind für die Polizei im Land längst zu wichtigen Kanälen für den Dialog mit den Bürgern geworden. „Das ist direkte und unmittelbare Kommunikation, erklärt die Sprecherin des Rostocker Polizeipräsidiums, Sophie Pawelke. Das Präsidium postet neben Informationen über spezielle Einsätze und Fahndungsaufrufen auch Kurioses und emotionale Erlebnisse aus der Polizeiarbeit. „Und relativ häufig kommen auch umgehend Reaktionen zurück“, erzählt Pawelke. Etwa wenn sich Menschen für die Hilfe und die Informationen bedanken. „Das ist natürlich eine schöne Bestätigung für unsere Arbeit und motiviert die Kollegen“, sagt Polizeisprecher Täschner. Neben Twitter- und Facebook-Nachrichten werden nach wie vor auch noch ganz klassisch Briefe oder E-Mails geschrieben, in denen sich Menschen direkt ein paar freundliche Worte an die Ordnungshüter richten.

Briefe an die Polizei

Eine Marzipantorte für den Kommissar

Bei der Polizei in Wismar wird ein Paket für Hauptkommissar Maik David abgeben. Zunächst denkt der Kriminalist, dass seine neuen Sportsachen angekommen sind. Doch in dem Päckchen stecken eine Marzipantorte und ein Dankesschreiben. Absender ist ein Mann aus der Schweiz. Er war Opfer von

Internet-Betrügern geworden. Kommissar David hatte den Fall bearbeitet und bei seinen Ermittlungen auch Kontakt mit dem Dienstleister aufgenommen, über den die Zahlung abgewickelt wurde. Der Mann aus der Schweiz erhielt so seine 1600 Euro zurück und revanchierte sich mit der Torte.

„Eine sehr schöne Geste“, erinnert sich der Kriminalbeamte. Doch es gab ein Problem: Beamte dürfen keine Geschenke in dieser Größenordnung annehmen, um nicht in

Korruptionsverdacht zu geraten. Der Vorgesetzte musste entscheiden – er gab die Torte frei. Zur Freude der Kollegen, wie Kommissar David noch weiß: „Es haben alle probiert. Sie war sehr lecker.“

Ein Ferienhaus für freundliche Beamte

Ein Rentner-Ehepaar hat auf derAutobahn ein Reifenpanne. Zwei Beamte der Autobahnpolizei helfen bei der Reparatur. Wenige Tage später erhalten sie einen freundlichen Brief und ein ungewöhnliches Angebot:

 „...Mein Mann fing an zu reparieren, als unsere Rettung kam, ein Polizeiauto. Die Herren waren so hilfreich und machten das Auto wieder fahrtüchtig. Uns saß der Schreck noch in den Knochen und wir waren so überrascht, dass wir Hilfe bekamen. Das ist ein großes Lob wert und wir sagen DANKE. Wir haben in Südschweden ein Ferienhaus. Wenn Interesse ist, würden wir es für die Herren gerne reservieren.“

„Ich bedanke mich noch mal“

Die Polizei wird zu einem Fall von häuslicher Gewalt gerufen.

Nach dem Einsatz meldet sich die Betroffene über die Internetwache noch einmal zu Wort:

„Sehr geehrte Damen und Herren,
hiermit möchte ich mich bei den 2 Beamten bedanken, die gestern Abend leider bei mir in der Wohnung wegen häuslicher Gewalt zum Einsatz gekommen sind. Es waren zwei sehr nette und kompetente Beamte, die mit uns sehr ruhig und sachlich gesprochen haben. Sie waren neutral und haben uns auch gute Tipps gegeben. Ich hatte noch nie in meinen Leben mit der Polizei was zu tun und es war für mich gestern auch das erste Mal, dass ich als Opfer anrufen musste, da ich alleine keine Lösung mehr fand.
Ich bedanke mich noch mal und sage weiter so, die Polizei ist nachgewiesen ein FREUND UND HELFER.“

„Schön, dass es sie gibt!“

Der Sohn marokkanischer Einwanderer wird an einer Ampel von der Polizei kontrolliert. Von der Geste einer Polizistin ist er offenbar so überrascht, dass er ein Dankes-Schreiben verfasst:

„Die Beamtin auf dem Beifahrersitz zupfte an ihrem Sicherheitsgurt und blickte in meine Richtung, wohl um zu signalisieren, dass sie nicht sehen könne, ob ich meinen Gurt vorschriftsmäßig angelegt hätte. Das allerdings hatte ich. Sie lachte und reckte den Daumen nach oben. Ich antwortete: ,Schön, dass es Sie gibt!’ , womit ich einfach nur ausdrücken wollte , dass ich mich gut behütet und freundlich behandelt fühlte. Die Beamtin entgegnete sehr freundlich: „,Und es ist schön, dass es Sie gibt’.“ Das war sympathisch. Das war freundlich. Das war vorurteilsfrei. Das war einfach wohltuend und spendete das Gefühl von Sicherheit und Vertrauen. Das wollte ich Sie alle wissen lassen.
Danke für solches Verhalten und das bürgerschaftliche und demokratische Denken, das dahinter steht.“

 
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