Verbraucherschutz : Werbemethoden des ADAC sind sehr umstritten

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Verbraucherschützer rügt Akquise in Fahrschulen - Verein verteidigt Praxis

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21. Februar 2014, 21:00 Uhr

Die umstrittene Mitgliederakquise des ADAC in Fahrschulen (wir berichteten gestern) ruft nun auch Verbraucherschützer auf den Plan. Matthias Wins von der Verbraucherzentrale Mecklenburg-Vorpommern bezeichnet die Methode als völlig indiskutabel. Im Theorieunterricht wirbt der Automobilclub um neue, oftmals minderjährige Mitglieder – und macht daraus keinen Hehl. Das sei gängige Praxis, bestätigt der Sprecher des ADAC, Jochen Oesterle, gegenüber unserer Zeitung. Doch während der Verein die Akquisemaßnahmen für rechtlich einwandfrei hält, betrachten sie Verbraucherschützer sehr kritisch. „Es ist ein Unterschied, ob eine Fahrschule entsprechende Werbung auslegt oder das Vertragsverhältnis mit dem Fahrschüler für die Durchführung von Werbeveranstaltungen missbraucht“, sagt Wins. Es sei völlig indiskutabel, wenn die Werbung innerhalb der bezahlten Schulungszeit stattfindet. Und selbst wenn sie im Anschluss daran erfolgt, sei diese Maßnahme zumindest bedenklich, da sie in unmittelbarem zeitlichen und räumlichen Zusammenhang zum Fahrunterricht steht. Der Kunde gehe schließlich zur Fahrschule, um die Verkehrsregeln zu lernen und sich auf die Führerschein-Prüfung vorzubereiten. „Er sollte nicht damit rechnen müssen, mit anderem – sei es nützlich oder nicht – behelligt zu werden“, sagt Wins.

In vielen Fahrschulen ist das allerdings Alltag. ADAC-Werber bieten den Jugendlichen eine einjährige, kostenfreie Mitgliedschaft an. Obendrauf bekommen sie ein Gutscheine-Heft im Wert von 50 Euro. Gelockt wird dabei unter anderem mit Ermäßigungen bei einer Fastfood-Kette, Tankstelle oder einem Reifenanbieter. Kündigen die so genannten „Young Drivers“ ihre kostenfreie Mitgliedschaft nicht fristgemäß, geht sie in eine kostenpflichtige über. ADAC-Sprecher Oesterle sagt: „Vor Ablauf der Frist werden die Mitglieder schriftlich daran erinnert.“ Jeder Ausgang von Informationen werde bei dem Automobilclub genau dokumentiert, so Oesterle weiter. Dass sich dennoch Leute beschweren, könne er nicht nachvollziehen.

Beim Verbraucherschutz Mecklenburg-Vorpommern seien in den vergangenen Jahren vereinzelt Fälle registriert worden, die sich auf die umstrittene ADAC-Mitgliederakquise in Fahrschulen beziehen, sagt Wins. Besonders problematisch findet er es, wenn Minderjährige geworben werden. Bei Verträgen mit unter 18-Jährigen sei das Widerrufsrecht immerhin eindeutig. Der Verbraucherschutz rät Fahrschulen, im Zweifel das ADAC-Angebot abzulehnen. Es könnte sich um eine Vertragsverletzung handeln, wenn die Werbeveranstaltung während der bezahlten Unterrichtszeit stattfindet.

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