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Wer wird künftig die grüne Schrumpf-Fraktion führen?

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erstellt am 23.Sep.2013 | 07:54 Uhr

22 grüne Spitzenpolitiker, der komplette Bundesvorstand und der Parteirat, stellen nach dem Wahldebakel ihre Ämter zur Verfügung, doch die beiden Spitzenkandidaten zögern und zaudern: "Ich möchte der Diskussion der wiedergewählten Abgeordneten nicht vorgreifen", sagte Grünen-Vormann Jürgen Trittin gestern. Auch Co-Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt verweist auf den heutigen Dienstag, an dem sich die geschrumpfte Grünen-Truppe im Parlament erstmals versammelt.

Nur 8,4 Prozent, Platz vier hinter der Linkspartei - das Ergebnis war eine bittere Enttäuschung für die erfolgsverwöhnten Grünen: Schrumpf-Fraktion statt Volkspartei. Sie sind verunsichert, welchen politischen Kurs sie einschlagen sollen und mit welchem Spitzenpersonal eine bessere politische Zukunft möglich ist.

Parteichef Cem Özdemir sprach gestern Morgen bereits von der Neuaufstellung - personell und inhaltlich. Mit seiner Co-Vorsitzenden Claudia Roth war der Schritt abgestimmt. Der sechsköpfige Bundesvorstand tritt nun komplett zurück, wird auf dem Parteitag im Herbst vorzeitig neu gewählt und der 16-köpfige Parteirat schloss sich der Demission an. Der Massen-Rücktritt als Signal: "Wir haben verstanden." Zugleich erhöht die Spitze damit den Druck auf die beiden Spitzenkandidaten. Allerdings ist offen, wer von den flink Zurücktretenden beim Parteitag doch wieder kandidiert. Zumindest Özdemir soll damit liebäugeln.

Die Spitzenkandidaten Trittin und Göring-Eckardt waren durch Urwahl bestimmt worden, stellten die Gesichter des Grünen-Wahlkampfs dar. Und Trittin hatte auch das Grünen-Programm zuvor maßgeblich mitbestimmt, vor allem die umstrittenen Steuerbeschlüsse. "Trittin hat sich zulasten der Grünen profiliert, hat die Finanzpolitik im Wahlkampf in den Vordergrund geschoben, weil er unbedingt Finanzminister werden wollte", attackierte der Grünen-Europa-Abgeordnete Werner Schulz den gescheiterten Spitzenkandidaten.

Trittin war zudem eine Woche vor dem Wahltermin von der Pädophilie-Debatte auf dem falschen Fuß erwischt worden.

Personell könnte das Wahldebakel einen Generationswechsel einleiten: Eine Wiederwahl des 59-jährigen Trittin an die Fraktionsspitze ist keineswegs garantiert - falls er denn tatsächlich noch einmal antreten wollte. Auf dem linken Flügel gilt der bayrische Verkehrspolitiker Anton "Toni" Hofreiter als Nachfolgekandidat. Für die Realos macht sich Fraktionsvize Kerstin Andreae Hoffnung.

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