Versteigerung der Anlegestelle in Dranske : Wer will diesen Hafen kaufen?

<strong>Morsche Bretter und verrottete Pfähle:</strong> Das Betreten des Anlegers auf dem ehemaligen Hafen in Dranske auf der Insel Rügen wird zum Risiko. <foto>dpa</foto>
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Morsche Bretter und verrottete Pfähle: Das Betreten des Anlegers auf dem ehemaligen Hafen in Dranske auf der Insel Rügen wird zum Risiko. dpa

Nur ein alter Plattenweg führt in das ehemalige militärische Sperrgebiet. Auf halbem Weg von Dranske nach Bug liegt der Fischereihafen, direkt am Wieker Bodden auf Rügen. Aber gefischt wird hier schon lange nicht mehr.

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08. März 2013, 08:39 Uhr

Dranske | Nur ein alter Plattenweg führt über den schmalen Landstreifen in das ehemalige militärische Sperrgebiet. Zwischen den Bäumen und Sträuchern tauchen immer wieder Holzpfähle auf. Auf halbem Weg von Dranske nach Bug liegt der Fischereihafen, direkt am Wieker Bodden. Aber gefischt wird hier schon lange nicht mehr.

Das rund 9600 Quadratmeter große Areal auf der Insel Rügen kommt am Sonnabend für ein Mindestgebot von 38 500 Euro im Auftrag des Bundes in Rostock unter den Hammer. Das Interesse für die Traumimmobilie ist groß. Die Norddeutsche Grundstücksauktionen AG hat bisher fast 500 Anfragen und bereits zwölf schriftliche Vorgebote erhalten, sagt Sprecherin Jaqueline Masopust. Die Chancen stehen gut, dass der Hafen für weit mehr als das Mindestgebot den Besitzer wechselt.

An der Kaimauer steht ein junges Paar aus Sachsen und blickt auf den Wieker Bodden. Sie gehören zu den vielen Interessenten für die Immobilie in 1a-Lage.

Vor ihnen liegt das Hafenbecken mit verrosteten Spundwänden und verrotteten Pfählen, die den Steg tragen - noch. Die Bretter sind morsch. Betreten wird zum Risiko. Halb versunken liegt ein Holzboot im Wasser. Das Metallgerüst schimmert durch. Das Holz ist bereits verfault. Weit dahinter sind die Mastspitzen neuer Segelboote zu sehen, die am Land überwintern.

Beide träumen, was man aus dem Grundstück alles machen könnte. Bungalows für Urlauber und ein Platz zum Surfen. "Aber mit dem Bauen können wir Probleme bekommen", sagt der junge Mann, während er den Deckel von dem Tetra Pak, gefüllt mit Eistee, auf und zu dreht.

Denn die Nutzungsmöglichkeiten für das Gelände sind sehr beschränkt. Der ehemalige Fischereihafen liegt nach Angaben des zuständigen Bauamtes im Amt Nord-Rügen im Außenbereich der Gemeinde. Der gültige Flächennutzungsplan sehe keine Nutzung vor, zudem gebe es keinen Bebauungsplan. "Wer das Gelände in der Hoffnung erwirbt, dort bauen zu können, geht große Risiken ein", sagt eine Sprecherin. Für die im Hafen stehenden Gebäude gibt es keinen Bestandsschutz mehr.

"Zudem grenzt der Hafen an das Naturschutzgebiet Bug", sagt der junge Mann und quetscht mit beiden Händen das Tetra Pak.

Für die Gemeinde Dranske war der Kauf des früheren Fischereihafens nie ein Thema. Diesen Gedanken habe es nicht gegeben. "Die Gemeinde hat andere Aufgaben", sagt Bernd Roßig, Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses der Gemeinde. Aber sie will Investoren unterstützen, so es denn möglich sei. "Wir sind für viele Ideen offen - aber nicht für alle", betont Roßig.

Der Umweltverband Nabu befürchtet hingegen, dass die Gemeinde unter dem Druck zahlungskräftiger Investoren einen Plan B aufstellen und Baurecht schaffen wird - und wieder ein Stück Natur auf Rügen stärker versiegelt wird. "Der Verkauf des Geländes ist eine vertane Chance", sagt Rügens Nabu-Chefin Marlies Preller. Der frühere Fischereihafen wäre ein idealer Ausgleich für kleinere Bauprojekte gewesen, beklagt die Nabu-Chefin.

Der Bund, der den früheren Fischereihafen mit der Wende übernommen hat, sieht sich nicht in der Verantwortung. Er trennt sich von dem früheren Hafengelände, weil er dafür keine weitere Verwendung sieht, wie Raymund Karg von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben in Rostock sagte. "Die Gemeinde hat alle Instrumente in der Hand, unerwünschte Entwicklungen zu verhindern."

"Die Surfer sollten den Hafen bekommen", sagt eine ältere Frau aus Dranske, die das schöne Wetter nutzt, um spazieren zu gehen. Hier könnten die Jungen ungestört feiern, mal etwas lauter sein, sagt sie.

Das junge Paar schlendert zurück zum Ausgang, vorbei an einem Bauwagen mit kaputten Fenstern; vorbei an einem Wohnwagen, der auf dem Gelände vergammelt.

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