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Denkmalschutz : Wer sorgt sich um kleine Schlösser?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Arbeitsgemeinschaft Gutsanlagen wirft dem Land vor, 250 Gutshäuser verfallen zu lassen / Kultusministerium weist Anschuldigungen zurück

svz.de von
erstellt am 11.Okt.2015 | 08:00 Uhr

250 Gutshäuser hierzulande verfallen, und das Land Mecklenburg-Vorpommern begegnet dem Thema mit Desinteresse: So lauten die Vorwürfe der Arbeitsgemeinschaft „Erhaltung und Nutzung der Gutsanlagen in Mecklenburg-Vorpommern“. Schon 2012 hat unsere Zeitung auf diese Situation hingewiesen. Doch nun – drei Jahre später – habe sich nichts getan, bemerkt Jörn Mollnhauer von der Arbeitsgemeinschaft, und rechnet in den nächsten fünf Jahren mit einem Notsicherungsbedarf der Gutshäuser von knapp fünf Millionen Euro.

Etwa 1010 Herrenhäuser stehen derzeit in Mecklenburg-Vorpommern unter Denkmalschutz. Von diesen befinden sich laut Homepage des Landesamtes für Kultur- und Denkmalpflege etwa 90 Prozent in Privatbesitz. Ein großer Teil sei in den letzten Jahren instand gesetzt worden, überwiegend für touristische Nutzung und private Wohnzwecke, heißt es weiter. Doch etwa 17 Prozent der Gutshäuser seien ungenutzt – ohne Aussicht auf Perspektive, was wiederum die Bausubstanz der alten Gebäude gefährde. Für sechs Prozent bedeute dies auch die Aberkennung des Baudenkmal-Status’. Denn zuständig für den Erhalt von Denkmalen sind laut Denkmalschutzgesetz die Eigentümer selbst.

Nun kommt die Arbeitsgemeinschaft ins Spiel: Diese setzt sich seit nunmehr zwei Jahrzehnten für den Fortbestand solcher Kulturerbe in MV ein. „Es ist unverantwortlich, dass das Land seine Aktivitäten fast ausschließlich auf die von willigen Eigentümern beantragten Zuwendungen zum Erhalt ihrer Gutsanlagen richtet“, heißt es von Jörn Mollnhauer, Beiratsmitglied der Arbeitsgemeinschaft, in einem Schreiben, das unserer Zeitung vorliegt.

Das zuständige Kultusministerium weist die Kritik hingegen von sich. Auf Nachfrage heißt es von einer Sprecherin des Ministeriums: „Private Denkmaleigentümer unterliegen keiner Berichtspflicht für den Umgang mit ihrem Eigentum gegenüber dem Land. Eine zentrale Planung und Leitung für privates Eigentum gibt es nicht mehr.“

Doch genau dort liegt das Problem: „Diese Praxis versagt dann, wenn Eigentümer – aus welchen Gründen auch immer – keine Zuwendungen beantragen und ihre Gutsanlagen bis zum akuten Verfall vernachlässigen“, weist Jörn Mollnhauer daraufhin. Doch gerade dann seien vor allem die Unteren Denkmalschutzbehörden gefragt und stehen auch in der Pflicht, findet die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft. Das wiederum könne nur mit einer finanziellen und personellen Aufstockung der Unteren Denkmalschutzbehörden der Landkreise möglich sein.

Um auf den großen Verfall der Häuser hinzuweisen, versuchten sich die Gutshausschützer bei mehreren Behörden Gehör zu verschaffen. Briefwechsel mit dem Ministerpräsidenten Erwin Sellering, der Staatskanzlei sowie ein Schriftverkehr mit dem Petitionsausschuss des Landtags folgten, um noch stärker auf die vorherrschende Situation hinzuweisen. Doch die Antworten stellen die Arbeitsgemeinschaft nicht zufrieden: „Das Desinteresse des Landes ist offensichtlich“, sagt Mollnhauer und fordert, dass sich der zuständige oberste Denkmalschützer diesen Schäfchen intensiver annehmen müsse.

Das Kultusministerium ist sich derweil sicher, alles für die denkmalgeschützten Herrenhäuser zu tun. Eine Sprecherin des Kultusministeriums: „Das Land kommt seiner Eigentümerverpflichtung für die Denkmale im Landeseigentum ordnungsgemäß nach.“

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