Wer soll zahlen: Tesch trifft Kommunen zu Theatern

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06. September 2009, 08:28 Uhr

Rostock/Neubrandenburg - Mecklenburg-Vorpommern ist mit seinen sechs kommunalen Theatern und vier Orchestern, gemessen an der Einwohnerzahl, beispielhaft mit Bühnenkultur versorgt. Doch mit der bisherigen Finanzierung ist das Angebot im gewohnten Umfang und in der gewohnten Qualität nicht aufrecht zu erhalten, warnen die Bühnen nach jahrelangen Einsparungen. Die von Kultusminister Henry Tesch (CDU) als Ausweg bis 2020 vorgeschlagenen Zusammenschlüsse sorgen für Unmut. Schon im kommenden Jahr soll die Verteilung der Landesgelder unter den Theatern verändert werden. An diesem Montag trifft der Minister Spitzenvertreter der theatertragenden Kommunen zu Gesprächen in Rostock und Neubrandenburg - dabei dürfte ihm zum Teil rauer Wind entgegen wehen.

Von den für 2010 geplanten Finanzverschiebungen profitieren die Theater Vorpommern und Neubrandenburg/Neustrelitz, während etwa das Mecklenburgische Staatstheater Schwerin mitten in der laufenden Spielzeit ein Minus von einer Million Euro droht. Generalintendant Joachim Kümmritz sprach bereits von einer möglichen Insolvenz unter diesen Umständen. Zumindest drastische Einschnitte befürchtet Schwerins Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow (Linke). "Eine Million weniger für das Theater, darauf brauche ich eine Antwort", sagte sie zu ihren Erwartungen an das Treffen mit Tesch in Rostock. "Das kann man in einer laufenden Spielzeit nicht verantworten." Langfristig könne ein Einstieg des Landes beim Staatstheater helfen oder eine Umleitung von Geld aus dem Landeshauptstadtvertrag.

Das Theater Vorpommern soll nach Worten von Stralsunds Vize- Oberbürgermeister Wolfgang Fröhling ab 2010 knapp eine halbe Million Euro mehr Grundsicherung vom Land bekommen. Das sei endlich eine fairere Verteilung, sagte er. Bisher hätten Schwerin und Rostock mehr Geld bekommen, "wofür es nie eine Begründung gab". In der zurückliegenden Spielzeit habe das Theater Vorpommern 185 000 Zuschauer gehabt und damit mehr als das Volkstheater Rostock und fast so viele wie Schwerin (205 000).

Wenn das Land in der Zukunft keinen Aufwuchs bei den Geldern zulasse, müsse man damit umgehen. "Wir würden auch gerne mehr Geld haben", sagte Fröhling und schloss die Mahnung an: "Wir müssen vernünftig sein." Die Fusionen, die das Theater Vorpommern hinter sich habe, müssten andere erstmal nachmachen. Nach dem Zusammenschluss der Theater in Stralsund und Greifswald schloss sich zuletzt die Spielstätte Putbus auf Rügen an.

Rostocks Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) beklagte, dass die theatertragenden Kommunen eine Bühnenkultur finanzierten, die in erheblichem Maße auch von Bewohnern der Umlandkreise in Anspruch genommen werde. Die Kreise seien aber nicht bereit, sich angemessen an der Theaterfinanzierung zu beteiligen. Er schlug vor, dass das Land per Gesetz die Umlandkreise dazu verpflichtet. Rostock schieße zu jeder Theaterkarte 150 Euro zu, betonte er.

Vor einer besonderen Herausforderung stehen die kleinen Einspartentheater in Anklam und Parchim. Sie müssen sich bis Jahresende einer größeren Bühne anschließen, sonst bekommen sie ab 2010 kein Geld mehr vom Land. Parchims Landrat Klaus-Jürgen Iredi (SPD) sagte zu seinen Erwartungen an den Termin am Montag nur so viel, dass die Finanzierung weiter gewährleistet wird.

Vorbildlich haben sich nach Ansicht von Minister Tesch die Bühnen im Südosten des Landes verhalten. Die Theater und Orchester GmbH Neubrandenburg/Neustrelitz gründete eine Holding, in die auch die Deutsche Tanzkompanie eingebunden ist. Mit dem Ernst-Barlach- Theater Güstrow wurde ein Kooperationsvertrag geschlossen. Inwieweit das den Bühnen bei der Bewältigung der Zukunft hilft, ist noch offen.

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