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Geschützte geografische Angabe für Wurst : Wer macht die wahre Pommern-Wurst?

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Keine starke Majoran-Note wie die Thüringer: "Die Pommersche Leberwurst hat eine kräftige Würzung und deftigen Geschmack, aber keines der Gewürze dominiert", sagt Walter Kienast Chef von Greifen-Fleisch in Greifswald.

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erstellt am 04.Jul.2013 | 11:32 Uhr

Greifswald | Keine starke Majoran-Note wie die Thüringer: "Die Pommersche Leberwurst hat eine kräftige Würzung, der Geschmack ist deftig, aber keines der Gewürze dominiert", sagt Walter Kienast, Chef des Greifswalder Wurstherstellers "Greifen-Fleisch". Um die genaue Zusammensetzung seiner Pommerschen Wurst macht der Firmenchef allerdings ein Geheimnis.

Die Pommersche Leberwurst oder Schlackwurst ist für Kienast ein Qualitätsbegriff, der geschützt werden muss. "Die Pommersche ist bekannt wie Thüringer oder Schlesische Wurst." Doch bislang dürfe jeder sein Produkt mit dem Etikett "Pommersche" versehen, auch wenn die Wurst nicht aus der Region stamme. Sieben Fleischereibetriebe aus Vorpommern wollen das ändern und haben sich zur Schutzgemeinschaft "Pommerscher Fleisch- und Wurstwaren" zusammengeschlossen, um sich drei Wurstsorten als "geschützte geographische Angabe" europaweit schützen zu lassen. 2010 wurde der Antrag beim Deutschen Patentamt eingereicht. "Wir rechnen damit, dass 2014 die drei Wurstsorten geschützt sein könnten", zeigt sich Vereinschef Kienast optimistisch.

Der angestrebte EU-Herkunftsschutz attestiert den Herstellern, dass entweder Erzeugung, Verarbeitung oder Herstellung in der betreffenden Region erfolgen. Durch Eintragung in ein von der Europäischen Kommission geführtes Verzeichnis erhalten die Produkte einen markenähnlichen Schutz.

Konkret geht es den Nordost-Fleischern um die Pommersche Leberwurst, die Pommersche Schlackwurst und die Pommersche Blutwurst.

"Mit der Markensicherung können Umsätze gesichert und erweitert werden", sagt Kienast. Neben den mit dem Herkunftsschutz garantierten Qualitätsstandards sei die Sicherung von Arbeitsplätzen wichtig - allein in den sieben Betrieben in Loitz, Altentreptow, Pasewalk, Anklam, Heringsdorf und Groß Lüdershagen verdienen Angaben der Schutzgemeinschaft zufolge rund 300 Mitarbeiter ihre Brötchen mit der Wurst.

Mögliche Konflikte mit der Firma Rügenwalder Mühle, Produzent der vielbeworbenen Pommerschen Gutsleberwurst, wollen die Pommern im Vorfeld klären. "Rügenwalder macht eine gute Wurst", lobt Kienast den Klassenprimus. Das Unternehmen mit den markanten vier Windmühlenflügeln hat seinen Ursprung im hinterpommerschen Rügenwalde, produziert seit 1946 in Niedersachsen und ist mit seinen rund 400 Mitarbeitern und dem Jahresumsatz von 174 Millionen Euro im Jahr 2012 größer als die sieben pommerschen Betriebe zusammen. Der niedersächsische Wurstproduzent will sich mit Verweis auf das schwebende Verfahren nicht äußern. Man sei in Abstimmung mit den beteiligten Unternehmen, sagte eine Sprecherin von Rügenwalder Mühle.

Den Anträgen der Vorpommern ging eine lange Vorbereitung voraus; begleitet wurde der Prozess von einem Patentanwalt, berichtet Diana Schmidt, Projektleiterin der Schutzgemeinschaft. Unterstützung kam von den Kollegen aus Thüringen, deren Wurstprodukte auch dank des gesicherten Herkunftsschutzes Kultstatus haben. Schmidt studierte alte Rezeptbücher, recherchierte in Bibliotheken und befragte alte Fleischerhandwerker.

Dann wurden innerhalb der Schutzgemeinschaft Qualitätsstandards und Grundprämissen der Rezeptur für die typisch Pommersche festgelegt. Für jede Sorte verfasste die Schutzgemeinschaft einen separaten Antrag für das Patentamt. Hauptzutaten, -gewürze, das Herstellungsverfahren mussten dokumentiert werden. Zudem war ein Traditions- und Gebietsnachweis erforderlich. Dann folgte ein langes Anhörungsverfahren, in dessen Zuge auch Fachverbände befragt wurden.

Die Schutzgemeinschaft und Agrarmarketing des Landes erhoffen sich neben Umsatzzuwächsen auch einen großen Werbeeffekt für Mecklenburg-Vorpommern. Die bisher in Deutschland rund 50 geschützten Produkte sind überregional bekannte Spezialitäten. Das Land unterstützt die Aktivitäten mit 30 000 Euro.

Die wirtschaftlichen Vorteile nach einer Unterschutzstellung seien erheblich, wie die Erfahrungen von Produzenten anderer geschützter Produkte zeigten, hieß es.

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