Zitterpartie um Sachsenkeller vor Gericht : Wer darf noch an Touristen vermieten?

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Dürfen Wohnungen in einem Wohngebiet als Ferienunterkünfte vermietet werden oder nicht? Diese Woche wird über einen Streit in einem Wohngebiet in Boltenhagen entscheiden. Die so genannten Sachsenkeller.

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13. Januar 2013, 06:55 Uhr

Schwerin/wismar | Dürfen Wohnungen in einem Wohngebiet als Ferienunterkünfte vermietet werden oder nicht? Diese Woche entscheidet das Verwaltungsgericht in Schwerin über einen seit zwei Jahren wogenden Streit in einem Wohngebiet in Boltenhagen. 20 Hauseigentümern, die ihre Häuser als Ferienunterkünfte vermieten, war dies 2011 vom Ordnungsamt des Landkreises bei Strafandrohung untersagt worden. Seither streiten sich die Boltenhagener bis hin zur Gemeindevertretung über die so genannten Sachsenkeller. Hausbesitzer, die in der neuen, dezidiert als Wohngebiet ausgewiesenen Straße Am Reek wohnen, fühlen sich durch die Vermietung ganzer Häuser als Ferienunterkunft belästigt. Traditionell wird in Boltenhagen mehr auf private Ferienunterkünfte denn auf Hotels und gewerblichen Wohnungen gesetzt, ähnlich wie etwa in Graal-Müritz.

Seit Jahren flammt in Ferienorten entlang der gesamten Küste der Streit um Ferienwohnungen in Wohngebieten immer wieder auf. Mit einer Studie wollen der Tourismusverband des Landes, das Wirtschaftsministerium und das Deutsche Institut für Fremdenverkehr jetzt Aufklärung darüber, welchen Umfang der so genannte kleingewerbliche Markt und die private Vermietung in MV überhaupt haben, berichtet Tobias Woitendorf, Vize-Geschäftsführer beim Tourismusverband MV gegenüber unserer Redaktion. In Hotels und gewerblichen Unterkünften werden jährlich knapp 28 Millionen Übernachtungen gezählt. Landesweit gibt es 185 000 Gästebetten in Häusern mit zehn und mehr Betten. Woitendorf geht nach bisherigen statistischen Erhebungen und Schätzungen davon aus, dass privat noch einmal 150 000 Betten im Land vermietet bzw. an Verwandte vergeben werden. "Dort überwiegt aber mehr die saisonale Nutzung. Selten wird dort professionell über das gesamte Jahr vermietet. Oft bekommt man diese Betten nur in der Kurverwaltung, wenn man bereits vor Ort ist", so Woitendorf. Nichts desto trotz gehen die Touristiker davon aus, dass sich die Übernachtungszahlen im Land durch die Privatvermietungen auf 56 Millionen und die Gästezahlen von sechs auf knapp zwölf Millionen Touristen im Jahr verdoppeln. Woitendorf: "In einigen Orten nimmt die private Nutzung überhand. Unsere Untersuchungen sollen das jetzt verifizieren." Selbst große Wohnungsgesellschaften vermieten Wohnraum als Ferienunterkünfte. Wohnungsnot sei die Folge. Woitendorf: "Wir brauchen ein gesundes Verhältnis zwischen gewerblichen und privaten Unterkünften."

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