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Tanztheater in Barth : Wenn sich Gott und Darwin streiten

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Aus der Onlineredaktion

Im Sommer wird 9000-Einwohner-Stadt Barth zum Austragungsort eines deutschlandweit einmaligen Tanztheater-Projektes. Im Mittelpunkt steht die Evolutionstheorie

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erstellt am 24.Mär.2017 | 12:00 Uhr

Zingst hat das Umweltfoto-Festival, Ralswiek die Störtebeker-Festspiele und Grevesmühlen das Piraten Open Air – bisher blickte die Stadt Barth neidisch auf ihre Nachbarn. Deshalb tüftelte Bürgermeister Dr. Stefan Kerth (SPD) einen Plan aus: Barth sollte ein Event bekommen, das alles bisher Dagewesene in den Schatten stellt. „Wenn man genauer hinsieht, stellt man fest, dass wir weitere künstlerische Highlights mit überregionaler Anziehungskraft in Mecklenburg-Vorpommern benötigen“, erklärt er.

Bei seiner Suche nach Komplizen stieß Stefan Kerth auf Eventplaner Jörg Darkow. „Er hatte drei Wünsche: das Thema sollte niederschwellig sein, nachhaltig und mit der Stadt verwurzelt“, erinnert sich Darkow. „Als Zusatz merkte er an, dass man mit den Elementen arbeiten könne.“ Darkow entwickelte das Rezept: gute Musik, eine spannende Geschichte und zwei Hände voll Tänzer von internationalem Renommeé. Die Tanztheatershow „Wellentänzer“ war geboren und Kerth hellauf begeistert: „Mit dem Tanzen als Hauptthema besinnen wir uns auf die älteste kulturelle Ausdrucksform zurück, auf Verständigung ohne Sprache“, sagt er. „Die Idee, ein wiederkehrendes neuartiges Event zu erschaffen, hat mich schon seit Jahren beschäftigt. Die Rahmenbedingungen passten bisher einfach nicht. Jörg Darkow hat aus der Grundidee eine konkrete Vision geformt.“

Das Projekt ist zunächst auf fünf Jahre ausgelegt. Die erste Show „Evolution One“ befasst sich mit dem Element Erde. Erzählt wird die Menschheitsgeschichte der Selbstfindung. Auf der einen Seite steht Gott, auf der anderen der Wissenschaftler Charles Darwin. „Als Darwins Tochter im Alter von zehn Jahren starb, zerbrach daran sein Herz. Er fing an, an Gott zu zweifeln. Je mehr er erforschte, dass der Mensch vom Affen abstammt, desto mehr distanzierte er sich von der Annahme, dass Gott die Welt erschaffen hat“, beschreibt Jörg Darkow.

In der Show prallen zwei Welten aufeinander. Doch hinter beiden steckt die Frage, woher der Mensch kommt. „Ich bin Forscher. Denker. Ich entdecke die Wahrheit, etabliere die Fakten. Es ist wichtig zu wissen, woher wir wirklich stammen und warum wir hier sind. Gott ist nur Hirnspinnerei: pure Fantasie“, sagt Charles Darwin im Dialog mit Gott. Doch dieser entgegnet: „Fantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt.“ Während der gesamten Show erscheint Gott immer in der Gestalt, in der Darwin ihn sieht – mal als Kind, ein anderes Mal als Frau. „Verarbeitet wird ein hoch anspruchsvoller Stoff mit philosophischem und wissenschaftlichem Gehalt, der so erzählt wird, dass er für jeden nachvollziehbar bleibt. Jeder darf sich seine eigene Meinung bilden – und wenn nicht, können die Besucher auch einfach nur die Show genießen“, bedeutet Darkow.

Eine Tanztheatershow im Format der „Wellentänzer“ hätte es nach Angaben des Initiators so noch nie gegeben, weshalb auch Künstler, die sonst Stars wie Madonna coachen oder in großen Musicalsälen auftreten, schnell zugesagt hätten. Dass das kostet, gibt Darkow zu. Wie viel genau, will er nicht verraten. Für ihn ist die Show ein Risikogeschäft, er geht komplett in Vorkasse. Die Stadt könne das Projekt lediglich logistisch und organisatorisch unterstützen, aber keine direkten finanziellen Mittel aufwenden. Um die Halle voll zu bekommen, arbeitet Darkow mit Busgesellschaften in ganz Deutschland zusammen. Momentan will er so vor allem Tagestouristen locken. „Ich möchte Minimum eine halbe Million Busreisende ansprechen“, sagt er. Der Geschäftsmann hofft darauf, dass die 20 000 Tickets für die erste Show schnell weggehen. „Ziel ist, dass wir in Zukunft noch mehr Termine anbieten können.“

Während die Vorbereitungen für „Evolution One“ noch in vollem Gange sind, befasst sich Darkow bereits mit den Drehbucharbeiten für die nächsten beiden Shows, die 2018 und 2019 aufgeführt werden sollen. Sie sollen alle autark voneinander funktionieren: „Hast du eins gesehen, hast du keins gesehen. Besucher erleben jedes Mal eine völlig neue Show“, verspricht der Veranstalter.

Der Weg zur Show

Spielzeiten:  Probenphase 1. Juni bis 17.Juli; · Generalprobe 20. Juli;  Premiere 21. Juli;  Vorstellungen 21.Juli  bis 2. August.

Spielort: Aufgeführt wird die Show „Evolution One“ in der Barther Werft. Die Bootshalle wird ausgestattet mit einer Bühne, 1700 Sitzplätzen und einer riesigen LED-Leinwand.

Tickets: Gibt es unter anderem  in den Touristinformationen  Rostock, Warnemünde,  Bad Doberan, Wismar, Greifswald und Stralsund, sowie bei den Norddeutschen Neuesten Nachrichten in Rostock, der Stadthalle Rostock oder dem Pressezentrum in Rostock.

Parken: Direkt auf dem Werftgelände gibt es nur für VIP Parkgelegenheiten. Für alle anderen Gäste werden zwei Parkplätze für rund 800 Fahrzeuge vor der Stadt eingerichtet. Es verkehren Shuttlebusse zur Veranstaltungsstätte.

Preise: Tickets gibt es in vier verschiedenen Preiskategorien. Das günstigste kostet 32,60 Euro, das teuerste 98,60 Euro für die Nachmittags- und 129,80 Euro für die Abendvorstellung. Schwerbehinderte zahlen den normalen Ticketpreis,  können allerdings eine Begleitperson mitnehmen.

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