Spielzeit 2013/2014 : Wenn Schwerin zu Verona wird

'Nabucco' 2001 auf dem Alten Garten in Schwerin.  2014 wird der Gefangenenchor bei den Schlossfestspielen erneut zu hören sein. Foto: dpa
"Nabucco" 2001 auf dem Alten Garten in Schwerin. 2014 wird der Gefangenenchor bei den Schlossfestspielen erneut zu hören sein. Foto: dpa

Trotz Spardiskussion präsentiert sich das Staatstheater Schwerin in der Spielzeit 2013/2014 sehr kreativ. Mit auf dem Programm stehen „Romeo und Julia“, „Nabucco“ und „Schlafes Bruder“.

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29. Mai 2013, 08:44 Uhr

Schwerin | Theater erzählt auch von Illusionen. Eine schöne Illusion beschwor Schwerins Generalintendant Joachim Kümmritz gestern herauf, als er vorschlug, mal nicht über Theaterpolitik zu streiten, sondern einzig und allein über etwas wirklich Schönes, den Spielplan der Saison 2013/2014 zu reden. Dabei wurde nur wenige Gehminuten entfernt zur gleichen Zeit im Kultusministerium über ein Theaterkonzept der Münchener Unternehmensberatung Metrum zur Zukunft des Staatstheaters beraten. Da ging es nüchtern und nicht sehr schön um fehlende Millionen, Stellenabbau und geplatzte Kooperationen.

Um nun aber doch über die neue Saison am Mecklenburgischen Staatstheater zu reden, müssen wir uns vorerst auf einige Höhepunkte beschränken. Immerhin dürfen sich Theaterfreunde auf 30 Premieren in allen fünf Sparten und auf 50 Konzerte der Staatskapelle freuen. Es gibt wie in jedem Jahr Klassiker und Gegenwartsstücke, große Opern und Experimentelles auch auf kleinstem Raum, Hochdramatisches und Freundlich-Unterhaltsames, bewährte und neue Theaterformate.

Schauspieldirektor Peter Dehler erobert zum Beispiel die Stadt, im Wortsinne. Noch raumgreifender als bei den Erfolgen vergangener Jahre wie "Lob des Kapitalismus" in der alten Staatsbank oder "Jedermann" in der Schelfkirche inszeniert Dehler Shakespeares "Romeo und Julia" als Stationendrama im Sommer 2014 in Kirchen und Kneipen, auf Plätzen, Balkonen und Straßen. Die Zuschauer erleben, aufgeteilt in zwei Gruppen, die Familien Montague und Capulet verkörpernd, das Stück hautnah mit, indem sie durch die Stadt wandern. Was sich Marketingleute schon immer gewünscht haben, wird nun also wahr: Schwerin als Verona des Nordens.

Auch mit einer weiteren Inszenierung, an der spartenübergreifend neben dem Schauspielensemble Staatskapelle, Opernchor und Ballett mitwirken, ist dem Schweriner Theater ein Coup gelungen. Denn das Musical "The Producers" des US-amerikanischen Komikers, Regisseurs und Oscar-prämierten Drehbuchautors Mel Brooks wird in Schwerin zum ersten Mal an einem deutschen Theater zu sehen sein - abgesegnet mit einem enthusiastischen Yes des Autors höchstpersönlich. "Das Stück ist so unglaublich komisch, das hätte ich gern selbst geschrieben", pries Peter Dehler das Musical, das er selbst inszenieren wird.

"The Producers", jenes Stück über einen Produzenten, der mit dem schlechtesten Stück, dem schlechtesten Regisseur und den schlechtesten Schauspielern gutes Geld verdienen will, wird wahrscheinlich nicht der einzige vorhersehbare Publikumserfolg der Saison werden. Denn das Musical "Sonnenallee" nach dem gleichnamigen Roman von Thomas Brussig wird von Ralph Reichel inszeniert, der mit der "Rocky Horror Show" und "Hair" bereits für durchweg ausverkaufte Vorstellungen sorgte.

Eigens für die Schauspielerin Brigitte Peters, die das Theater nach der neuen Saison verlassen wird, hat das Schauspielensemble Alfred Jarrys absurdes Drama "König Ubu" ins Repertoire aufgenommen. Mit Molieres "Geizhals" wird im Großen Haus noch ein weiterer Klassiker zu erleben sein.

"Der etwas andere Liederabend" greift die lange Tradition der theatralischen Schweriner Liederabende auf - von Christoph Schroths Volks- und FDJ-Liedern bis Peter Dehlers, John R. Carlson und Thomas Möckels musikalischen Inszenierungen jüngeren Datums.

Das Musiktheater stellt den Opernklassikern "Die verkaufte Braut" von Smetana und "La Bohème" von Puccini die zeitgenössische Oper "Dead Man Walking" gegenüber. Auch Oper für junge Leute wird es geben: "Sigurd der Drachentöter", in der ersten Musiktheaterinszenierung eines alten Bekannten, des Schauspielers und Rostocker Schauspielprofessors Markus Wünsch.

Auch auf den Alten Garten kehren bekannte Klänge zurück. Mit "Nabucco", bereits 2001 bei den Schlossfestspielen zu erleben, beginnt ein auf drei Inszenierungen in drei Jahren angelegtes Verdi-Projekt. Mal sehen, ob mit der "Aida" dann auch der legendäre Elefant erneut triumphalen Einzug hält. Das E-Werk verwandelt sich erstmals in eine Opernlounge, in der bei Wein und Tapas Bizets "Carmen" tanzt und singt. Etwas für Operneinsteiger und Opernfans.

Die Mecklenburgische Staatskapelle öffnet sich der Rockmusik und spielt in einem Sonderkonzert Klassiker der legendären Popband Queen in klassischen Arrangements - mit Chor und Gesangssolisten. Damit plant das Orchester auch ein Gastspiel in Brandenburg, in der Ölmühle Wittenberge, wie Generalmusikdirektor Daniel Huppert sagte.

Die kleine Ballettcompagnie will mit der Premiere von "Schlafes Bruder" nach dem Bestseller von Robert Schneider, einem Kammertanzabend im E-Werk und einem Rockballett von sich reden machen.

Die Fritz-Reuter-Bühne präsentiert Heiteres, Maritimes und Weihnachtliches. Mit dem Lustspiel "Rund üm Kap Horn" gehen die Plattdeutschen 2014 auch auf große Deutschland-Tournee.

Und natürlich werden auch die jüngsten Theaterfreunde wieder mit ihrem Weihnachtsmärchen beschenkt. Kleiner Tipp: Vier tierisch schlechte Musikanten gründen in einem Wald bei Bremen ein Theater.

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